Die US-Amerikaner haben entschieden: der Demokrat Joe Biden soll nächster Präsident werden. Unsicher ist aber noch, wie sich der Senat künftig zusammensetzen wird. Für Anleger bedeutet dies Unsicherheit.

Im Bundesstaat Georgia hat keiner der Kandidaten für die beiden Senatsposten eine Mehrheit von über 50 Prozent erzielen können. Die Folge: Neuwahlen im Januar. Erst dann wird sich zeigen, ob die Republikaner die Mehrheit in der Kammer halten können oder die Demokraten die Hand oben haben werden. Zurzeit entsendet Georgia zwei Republikaner nach Washington D.C.  Wenn dies wieder so käme, behielte die GOP die Mehrheit, ein Durchregieren” würde den Demokraten dann wohl nicht möglich sein.

Ein Sieg der Demokraten bei der US-Präsidentschaftswahl ohne eine Mehrheit im Senat bedeutet laut BlackRock für den Moment, dass bestehende Markttrends wie die Suche nach laufenden Erträgen und nach Wachstumsaktien verstärkt werden. Angesichts des US-Wahlergebnisses – ein demokratischer Präsidenten, aber vermutlich ohne Mehrheit im Senat – dürfte das zu erwartende Ausgabenprogramm deutlich kleiner ausfallen”, sagt Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in der DACH-Region und Osteuropa.

Umsetzung demokratischer Kernthemen unsicher

Auch Steueränderungen, der Um- und Ausbau der Krankenversicherung oder die Umstellung der Energieversorgung von fossilen auf nachhaltige Energieträger bleibt ohne die Mehrheit im Kongress fraglich. Für Erneuerbare Energien hatte Biden hohe Investitionen vorgesehen.

Das Corona-Pandemie dürfte trotz der steigenden Infektionszahlen zwar nicht eine ähnlich starke Rezession wie im Frühjahr dieses Jahres bedeuten. Doch die erneuten Einschränkungen dürften die wirtschaftliche Erholung bremsen, so Lück. Konjunkturdaten aus dem Euroraum und den USA könnten in dieser Woche könnten die Auswirkungen des erneuten Anstiegs der Neuinfektionen und der Lockdown-Maßnahmen  auf die Wirtschaft aufzeigen.

Auf der anderen Seite halten Zentralbanken und die Fiskalpolitik dagegen. Wie vergangene Woche auch die Fed andeutete, stehen zunächst also die Zeichen auf mehr Stimulus. Sofern sich, wie wir erwarten, der ökonomische Schaden der zweiten Welle in Grenzen hält, dürfte dies vom Markt als Zeichen für eine weiterhin risikogeneigte Haltung gelesen werden”, so Lück.

US-Dollar wird schwach bleiben”

Nach Einschätzung von Paul Brain, Portfolio Manager bei BNY Mellon und Head of Fixed Income bei Newton Investment Management , einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management, war die jüngste Aufwertung des US-Dollars wohl vorübergehend. Die Unsicherheit, welcher Kandidat die US-Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden wird, hat für eine kurzzeitige Aufwertung des US Dollars gesorgt. Jetzt, da die Unsicherheit weitgehend gewichen ist, wird der US Dollar tendenziell schwach bleiben”, lautet seine Prognose.

Dies gelte insbesondere gegenüber den asiatischen Währungen, da durch die lockere Fiskalpolitik viel Liquidität vorhanden ist und durch die Erhöhung der inländischen Ausgaben mehr importiert wird. Dies führe zu einer Outperformance der Schwellenländer gegenüber den USA.

Renditen von US-Staatsanleihen dürften steigen

Vor dem Hintergrund erhöhter Ausgaben der Regierung erwartet BNY Mellon, dass die Renditen der US-Staatsanleihen steigen und die Renditekurve steiler wird. Befürchtungen, dass die Steuern für Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt erhöht werden, könnten sich zudem belastend auf die Kreditmärkte auswirken. Im Moment stehen jedoch die erwarteten Ausgabenpläne im Fokus, was den Ausblick für Risikoanlagen verbessern dürfte.
Zwar lässt die Zusammensetzung des Senats noch auf sich warten. Es sieht aber so aus, dass beide Parteien ein Interesse haben, die Zusammenarbeit zu verbessern und so besteht die Möglichkeit, dass bereits vor Jahresende ein Finanzpaket geschnürt wird”, sagt Brain. Das Finanzpaket werde wohl nicht den Erwartungen der Demokraten entsprechen. Doch der erneute Anstieg der Corona-Infektionen wird wohl beide Seiten Richtung einer Einigung treiben.

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