Das Länderanalyse-Team von Eaton Vance hat untersucht, in wie weit politische Rechte und Mehrheitsprinzipien auf die wirtschaftliche Freiheit und damit die Investitionsbedingungen in einem Land einwirken.

Die Beziehung zwischen Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit in einem Land ist laut Eaton Vance nicht so eindeutig, wie viele Investoren wohl vermuten. Und sie hat sich über die Jahre verändert, geht aus der empirischen Analyse von 130 Ländern hervor.

So hatten politische Rechte und Freiheiten in den Jahren 1970 bis 2000 in allen Ländern einen positiven Einfluss auf die Wirtschaftspolitik und damit auf die Bedingungen, die institutionelle Anleger in einem Land vorfinden. “Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist in allen Ländern eine Korrelation zwischen demokratischer und wirtschaftlicher Freiheit erkennbar”, sagt Marshall L. Stocker, Director of Country Research und Portfolio Manager im Global Income Team von Eaton Vance Management.

Trendwende zur Jahrtausendwende: Einfluss der Demokratie ambivalent

Doch das hat sich um die Jahrtausendwende geändert. In den Jahren 2000 bis 2017 ist der Einfluss der Demokratie uneinheitlich. In Ländern mit wenig wirtschaftlicher Freiheit wirkt sie nach wie vor positiv. Doch in den Ländern, die ein hohes Maß an wirtschaftlicher Freiheit aufweisen, ist das Bild ambivalent. Dort spielt Demokratie entweder keine oder sogar eine konträre Rolle – etwa indem sie eine antiliberale Wirtschaftspolitik begünstigt. In diesen Ländern könnte beispielsweise eine Mehrheit dazu neigen, Einkommen umzuverteilen und damit die wirtschaftliche Freiheit zu begrenzen.

Diese Erkenntnisse macht sich das Investment-Team von Eaton Vance zu Nutze. “Wer die Einflussfaktoren für politische Entscheidungen und ihre Richtung erkennen kann, kann daher auch besser Anlagen mit potenziell höherem Renditepotenzial identifizieren”, so Stocker. Das Global Income Team von Eaton Vance, das Long-only-EM-Anleiheportfolios und Long-Short-Global-Macro-Portfolios verwaltet, untersuche daher laufend die politischen Institutionen von rund 130 Ländern.

Korrelation von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit

Das im Rahmen der Studie entwickelte Regressionsmodell testet die vermutete nichtlineare Beziehung zwischen den Faktoren, in dem es mehrere Zeiträume erfasst, um mögliche Veränderungen in den Korrelationen aufzuzeigen. Es werden zudem Teilmengen von Ländern mit unterschiedlichem Ausgangsniveau wirtschaftlicher Freiheit verglichen.

Hierin unterscheidet sich der Ansatz von Eaton Vance vom Großteil der bisherigen Studien, die zumeist von einer Zunahme der wirtschaftlichen Freiheit in den am wenigsten entwickelten Ländern ausgehen. Doch wie sieht es aus mit liberalen Ländern, deren wirtschaftliche Freiheit stagniert oder sogar zurückgeht? Um dies herauszufinden, wurden auch Teilmengen von Ländern verglichen, die sich durch hohe prozentuale Gewinne beziehungsweise Verluste wirtschaftlicher Freiheit voneinander unterscheiden.

Gemessen wird die wirtschaftliche Freiheit anhand von Daten des Economic Freedom of the World (EFW) Index des Fraser Institute. Zur Quantifizierung von Demokratie dienen Daten aus dem Polity Index. Weitere Faktoren wie ethnolinguistische Zusammensetzung eines Landes, Energieabhängigkeit oder Bürgerrechte flossen ebenfalls in die Studie ein.

 

 

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