Ukraine-Krieg, Inflationsgefahren und ein Regimewechsel durch die US-Notenbank. Wie soll man sich als Institutioneller in diesem Marktumfeld positionieren?

Droht durch Inflation und Geldpolitik ein Regimewechsel an den Kapitalmärkten?

Bernhard Matthes, CFA, BKC Asset Management: Die bereits vor dem Russland-Ukraine-Krieg angespannte Lage bei vielen Rohstoffen eskalierte nach dem Angriff zu einer Jahrhundertkrise, die tatsächlich eine Zeitenwende nicht nur für die Märkte, sondern auch für viele wirtschaftliche und geopolitische Zusammenhänge markiert. Anleger sind gut beraten, weiterhin sichere Häfen anzusteuern und inflationsreagible Vermögenswerte im Portfolio zu halten.

Svein Aages Aanes, Head of Fixed Income, DNB AM: Auf kürzere Sicht sind wir eindeutig von einer Periode extrem expansiver Geldpolitik zu einer Periode der Straffung übergegangen. Wenn die Frage lautet, ob uns eine anhaltend höhere Inflation und wesentlich höhere Zinssätze bevorstehen, lautet die Antwort wohl nein. Dazu müsste das Reallohnwachstum längerfristig über dem Produktivitätswachstum liegen.

Welchen Fixed-Income-Anlagen gehört dieses Jahr die Zukunft?

Matthes: Solange keine Anzeichen einer Deeskalation im Ukraine-Konflikt erkennbar sind, bleiben die klassischen Risk-Off-Segmente erste Wahl: Dollar-korrelierte Anlagen, in Schweizer Franken und Japanischem Yen notierte Staatsanleihen, mit den extremen Inflationsrisiken auch wieder inflationsgeschützte Anleihen. Bonitätsrisiken würde man meiden und erst dann selektiv wieder höher gewichten, wenn eine Entspannung eintritt.

Aanes: Wir befinden uns auf einem Niveau der Credit Spreads, auf dem man normalerweise kaufen sollte. Geringe Duration, wie sie beispielsweise die nordischen Fixed-Income-Märkte aufwei- sen, stellt eine gute Option dar. Aufgrund der geringen Kapitalbindungsdauer und Zinssensitivität, welche sich unter anderem durch den hohen Anteil an Floating Rate Notes im Markt erklären lässt, sind solche Unternehmensanleihen gerade bei Zinssteigerungstendenzen am Markt gute Beimischungen.

Nach der Party ist vor der Party: Was bedeutet dies für die strategische Asset Allocation?

Matthes: Die Party ist sicher erst einmal vorbei und mit ihr die Schönwetterstrategien der letzten Jahre. Aktives Management ist nun gefragt, ebenso wirksames Risikomanagement. Im Aktienbereich kommt der Selektion eine entscheidende Bedeutung zu: Nur Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht verteidigen ihre Margen im Inflationsumfeld. Gold bleibt ein essenzieller Portfoliobaustein.

Aanes: Energie, sowohl fossile als auch erneuer- bare, wird sich gut entwickeln. Angesichts der jüngsten Spread-Ausweitung gehen wir davon aus, dass Finanztitel von hier aus weiter steigen werden, aber man muss im- mer noch vorsichtig sein. Die Auswirkungen der Ukraine-Invasion sind noch nicht klar, und Zweit- und Drittrundeneffekte werden wahrscheinlich wichtig werden.

 

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