Katja Müller, Chief Customer Officer und Geschäftsführerin der Universal-Investment-Gesellschaft mbH, zu den regulatorischen Herausforderungen in der Finanzbranche.

Frau Müller, in der Finanzbranche geht der Trend immer noch in Richtung zunehmender Regulierung. Was bedeutet das ganz konkret für Sie in der Praxis?

Die anhaltend steigende Regulierung erfordert primär hohe Investitionen. Wir müssen sowohl unsere Infrastruktur, Tools und Datenbanken weiterentwickeln, als auch personelle Ressourcen bereitstellen und fortbilden, um für Kunden und uns geeignete Lösungen zu entwickeln. Aktuelle Projekte sind beispielsweise die kapitalverwaltungsaufsichtlichen Anforderungen an die IT (KAIT), die Novelle der Aktionärsrechterichtlinie ARUG II oder die ESG-Taxonomie aus Brüssel. Die Bandbreite zeigt, an wie vielen verschiedenen Stellen im Unternehmen Ressourcen gebunden werden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Den Überblick über die Vielfalt an Regulierungsinitiativen und auch über indirekt wirkende Regulierung zu behalten, ist nicht immer leicht. Bei jeder großen Regulierungswelle müssen wir daher prüfen, inwiefern wir an unterschiedlichen Stellen betroffen sind.
Oft sind die Anforderungen nicht zwingend synchronisiert. So stellen wir immer wieder Unterschiede in der EU zwischen den Fondsdomizilen fest. Viele Gesetzesnovellen sind zudem nicht immer passend für Kapitalverwaltungsgesellschaften oder Master-KVGs und erfordern daher einen hohen Adaptionsaufwand. Zudem erweitern die regulatorischen Anforderungen an institutionelle Anleger auch den Leistungsumfang, den eine KVG für ihre Kunden darstellen muss.

Für wie ausgewogen halten Sie die Regulierungsmaßnahmen? Wo könnte nachgebessert werden?

Grundsätzlich ist die Regulierung aufgrund der Erfahrungen aus Krisen nachvollziehbar und sinnvoll. Allerdings ist es wichtig, dass alle Akteure der Branche die gleichen Bedingungen vorfinden. Zusätzlich gibt es inzwischen zu viele, sich teilweise widersprechende Regeln auf verschiedenen Ebenen (Investoren, Produkte, Steuern, usw.), die für Wettbewerbsnachteile bei deutschen Fondsprodukten führen. Eine stärkere europäische Harmonisierung in der Umsetzung der Vorgaben ist daher wünschenswert.
Zudem müssten bestehende Regulierungen regelmäßiger auf den Prüfstand, insbesondere hinsichtlich ihrer Auswirkungen in der Praxis. MiFID I führte beispielsweise bei allen Marktteilnehmern zu erheblichen administrativen Aufwand, der nicht im Verhältnis zur Transparenzverbesserung für Anleger steht.
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