Dr. Rupert Hengster, Geschäftsführer HLK, beobachtet, dass bei institutionellen Investoren immer mehr Ressourcen notwendig sind, um das Gebiet der Regulatorik sauber abarbeiten zu können.

In der Finanzbranche geht der Trend immer noch in Richtung zunehmender Regulatorik. Was bedeutet das ganz konkret für Sie in der Praxis?

Dr. Hengster: Wir beobachten, dass bei unseren institutionellen Investoren immer mehr Ressourcen notwendig sind, um das Gebiet der Regulatorik sauber abarbeiten zu können. An der Front bei der Suche nach neuen Investment-Ideen oder etwa bei der Managerauswahl fehlen den Investoren dann oft die für diese Aufgaben notwendige Zeit sowie Mitarbeiter. Und dies trotz eines Umfelds einer jahrelang anhaltenden Niedrigzinspolitik und immer komplexeren Themen, in die investiert werden muss, um noch auskömmliche Renditen erzielen zu können.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Dr. Hengster: Gerade im Bereich der Kapitalanlagen ist aufgrund unterschiedlichster Faktoren und Rahmenbedingungen auch mit der bereits bestehenden Regulatorik die Arbeit schon schwierig genug. Kennzahlen, Quoten, Kapitalunterlegung usw. sind oft die Treiber für Anlageentscheidungen, die teilweise unter längerfristigen wirtschaftlichen Aspekten in dieser Form nicht oder nur eingeschränkt getroffen werden würden.

Langfristig dürfte dies mit Sicherheit negative Auswirkungen beispielsweise auf die Pensionszahlungen haben. Dies kann so auch nicht politisch gewollt sein. Wir stellen ganz klar fest, dass in den letzten Jahren die weniger oder gar nicht regulierten Investoren mit ihrer Vorgehensweise teilweise substantiell bessere Ergebnisse erzielt haben.

Für wie ausgewogen halten Sie die Regulierungsmaßnahmen? Wo könnte nachgebessert werden?

Dr. Hengster: Was ausgewogen ist und was nicht, hängt vom Blickwinkel des Akteurs ab. Aus unserer „HLK-Sicht“ (Anmerkung: Hengster, Lösch und Kollegen, kurz HLK) sollte das Maximum bereits erreicht sein. Man darf nicht vergessen, dass auch die ESG-Themen unter großem politischen Druck zeitnah möglichst großflächig umgesetzt werden müssen. Dies ist wichtig und sinnvoll, kommt aber auch noch „obendrauf“. Dafür würde ich beispielsweise Lockerungen bei den Quoten der verschiedenen Asset-Klassen bei Versorgungswerken begrüßen.

 

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