Chris Urwin und Laurence Monnier von Aviva Investors haben untersucht, wie Immobilien, Infrastruktur und Private Debt in der Krise abgeschnitten haben.

Real Assets bieten institutionellen Investoren eine lliquiditätsprämie. Doch durch die Covid-19-Krise sind die Perspektiven komplex geworden, denn die Ertragstreiber sind von der Krise in ganz unterschiedlicher Weise betroffen. Real Assets sind vielfältige Investments: Sie reichen von Immobilien über Infrastruktur bis hin zu Private Debt.

Real Estate: Bonitätsstarke Mieter gefragt

Long Income Real Estate hat sich in der Vergangenheit in Krisenzeiten gut entwickelt. Denn langfristige Mietverträge hängen kaum am Konjunkturzyklus. Chris Urwin, Director of Research, Real Assets, und Laurence Monnier, Head of Quantitative Research Real Assets bei Aviva Investors argumentieren: Immobilien-Investments, die auf langfristigen Mietverträgen beruhen, sind auf Zehnjahressicht risikobereinigt und auf Relative-Value-Basis attraktiv. Mit bonitätsstarken Mietern sind die Cashflows in der Regel stabil und bleiben vergleichsweise unberührt von kurzfristigen Turbulenzen.

Solche bonitätsstarken Mietern kommen etwa aus dem öffentlichen Dienst. Supermärkte mit langfristigen Mietverträgen scheinen ebenfalls gut positioniert zu sein. In der Krise haben Bestellungen nach Hause zugenommen. Längerfristig könnte sich der Trend hin zu Online-Käufen zu Lasten des stationären Einzelhandels aber verstärken.

In anderen Bereichen hat die Corona-Krise für neue Unsicherheiten gesorgt. So wechselten viele Bildungseinrichtungen zum Online-Unterricht oder schlossen Einrichtungen und Unterkünfte komplett. Social Distancing hat zudem auch Auswirkungen auf die Belegung von Studentenwohnheimen. Immobilien mit Mietgarantien seitens der Universitäten bieten Schutz für Vermieter. Es bleibt aber abzuwarten, ob immer mehr Studenten auf Online-Unterricht übergehen.

Auch das Hotelsegment leidet. Viele Hotels arbeiten bereits mit hohen Fixkosten und geringen Margen.

Auch in anderen Teilsektoren wird die Krise Veränderungen mit sich bringen. Im Logistik-Bereich zeichnet sich ab, dass Unternehmen zur Absicherung von Lieferketten die Lagerbestände erhöhen. Im Bürobereich scheint sich der Trend hin zu Home Office und flexiblem Arbeiten zu beschleunigen. Veränderungen in den Marktmieten dürften sich damit schneller in den Mieteinnahmen niederschlagen. Die Qualität der Kernimmobilien wird damit immer wichtiger, argumentieren Urwin und Monnier.

Infrastruktur-Investments: Versorgungssektor zeigt Stabilität

Auch Infrastruktur stößt bei ertragsorientierten institutionellen Investoren auf großes Interesse. Das Modell der Real- Asset-Experten ergibt, dass nicht-fremdfinanzierte, subventionierte Erneuerbare Energien-Projekte in Großbritannien höhere Renditen erwarten lassen. Allerdings bei einem erhöhten Risiko.

Dienstleistungen wie Versorgung und subventionierte Erneuerbare Energien zeigen zurzeit die größte Widerstandsfähigkeit. Da der Zugang zu Daten mittlerweile zur Grundversorgung gehört, weisen Datenübertragung und -speicherung nun versorgerähnliche Eigenschaften auf. Unsicherheiten gibt es hingegen in Bereichen mit Nachfrageschocks wie etwa dem Verkehrssektor.

Vor einer Bewährung steht außerdem die Widerstandsfähigkeit von Infrastruktur-Anleihen. In der Vergangenheit gab es wegen harter Vertragsklauseln und Liquiditätsreserven weniger Ausfälle bei Infrastruktur- als bei Unternehmensanleihen. Plötzliche Umsatzrückgänge könnten zwar zu technischen Ausfällen führen, entscheidend für die Vermeidung von Zahlungsausfällen und Restrukturierungen ist aber die Liquidität. Systemrelevante Infrastruktur dürfte zudem von Anteilseignern und Regierungen unterstützt werden.

Private Debt: Eine weitere Option für Real Assets

Eine weitere Möglichkeit für ertragsorientierte institutionelle Anleger bei vergleichsweise geringem Risiko ergibt sich aus der Prämie, die für vorrangig besicherte und festverzinsliche Private Debt-Investments gezahlt wird. Risikofreudigere institutionelle Investoren können aber auch mit variabel verzinslichen Anleihen höhere Erträge erzielen. Opportunitäten ergeben sich insbesondere bei Mittelstandskrediten.

Aufgrund von staatlichen Eingriffen haben sich die Aussichten für die Private Debt-Illiquiditätsprämie allerdings verschlechtert. Die eingeführten staatlichen Anleihe-Garantien als Reaktion auf Covid-19 haben die Lage stark verändert. Auf der anderen Seite bleiben aber die Refinanzierungskosten der Banken hoch. Banken dürften Risiken weiter reduzieren, um Kapital für Neugeschäft zu schaffen. Dies sollte Spielraum für Kreditgeber aus dem Nicht-Banken-Bereich eröffnen.

Langfristtrends Erneuerbare Energien und Digitalisierung

Es lohnt sich ein Blick auf die langfristigen Trends: Die steigende Nachfrage nach Datennetzwerk-Kapazitäten sowie nach Erneuerbaren Energien bieten Chancen. In diesen Bereichen können institutionelle Investoren Erträge erzielen.

 

 

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