Was müssen institutionelle Investoren angesichts der Coronavirus-Pandemie bei Real Assets beachten? Eine Einschätzung von Aviva Investors.

Kurzfristig ist eine Rezession wahrscheinlich. Die Produktion in Europa wird voraussichtlich stark schrumpfen, sagt Chris Urwin, Director of Research Real Assets bei Aviva Investors. Die Auswirkungen auf Real Assets werden – wie bei fast allen Anlageklassen – beispiellos sein: es droht einer der stärksten Rückgänge der weltweiten Nachfrage. Real Assets haben sich in der Vergangenheit verglichen zu anderen Anlageklassen in Stresssituationen gut entwickelt. Sie bieten zudem Diversifizierungsvorteile und Erträge in einer Zeit, in der die Renditen von Staatsanleihen wahrscheinlich zurückgehen werden, da Anleger Sicherheit anstreben. Dennoch werden die Preise unter Druck geraten, zumindest auf kurze Sicht, obwohl sich auch einige Gelegenheiten auftun werden, so die Einschätzung von Chris Urwin.

Die vollständigen Auswirkungen von COVID-19 auf Real Assets zeichnen sich noch nicht ab, es gibt aber einige Anhaltspunkte, die auf einen Rückgang des Transaktionsvolumens hindeuten. Unter diesen Bedingungen müssen die Liquiditätsbedingungen und Kreditrisiken genau überwacht werden.

Immobilien

Mieter gewerblicher Immobilien sind bereits betroffen. Einzelhändler gehörten zu den ersten, die von Schließungsmaßnahmen betroffen waren. Da der Sektor bereits vor dieser Krise vor strukturellen Herausforderungen stand, wird er nun noch anfälliger werden. Viele Einzelhandelsgeschäfte werden von staatlicher Unterstützung abhängig sein, um überleben zu können.

In anderen Sektoren, die vom Tourismus abhängen, darunter Hotels, Restaurants und Freizeitunternehmen, wird die Lage wahrscheinlich immer schwieriger werden, je länger die Krise andauert. Auch in den Teilen des Bürosektors, die mit Tourismus, Reisen und verarbeitendem Gewerbe verbunden sind, kann es zu Insolvenzen in großem Maßstab kommen. Mieter mit gesunden Bilanzen und geringer Verschuldung werden widerstandsfähiger sein. Darüber hinaus werden Unternehmen, die eine wesentliche Rolle für das Funktionieren der Gesellschaft und breiteren Wirtschaft spielen, wahrscheinlich eher staatliche Unterstützung erhalten.

In der Logistikbranche werden die Mieter von der Beeinträchtigung globaler Lieferketten und einem möglichen Arbeitskräftemangel getroffen. Es ist jedoch möglich, dass in der Zeit der erzwungenen sozialen Isolation ein größerer Prozentsatz der Bevölkerung vom E-Commerce abhängig wird, wodurch dieser Sektor eine gewisse Unterstützung erfährt.

Studentenunterkünfte sind im Allgemeinen ein defensiver Sektor. Die Mieteinnahmen dürften hier auf kurze Sicht weniger stark beeinträchtigt werden als in vielen anderen Sektoren. Wenn jedoch das globale Reise- und Hochschulwesen bis zum Spätsommer unterbrochen bleibt, werden die Belegungsraten für das Studienjahr 2020-2021 unter Druck geraten.

Vermieter und Kreditinstitute machen sich auf das Risiko beeinträchtigter Einnahmen gefasst. Sie werden eng mit den Mietern und Kreditnehmern zusammenarbeiten müssen, um diesen zu helfen, den Geldfluss in dieser schwierigen Zeit zu steuern. Das Engagement in stabilen Unternehmen mit starken Verpflichtungen in hochwertigen Gebäuden wird hierbei helfen. Da sich Entwicklungsprojekte aufgrund von Beeinträchtigungen der Lieferkette und des Arbeitskräftemangels verzögern können, ist es erforderlich, die Folgen abzuschwächen.

Infrastruktur

Infrastrukturinvestments sind in der Regel langfristiger Natur und darauf ausgelegt, wirtschaftlichen Abschwüngen standzuhalten. Staatlich garantierte langfristige Mittelflüsse werden im gegenwärtigen Umfeld von Vorteil sein. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen dürften Anlagen in soziale Infrastruktur gut aufgestellt sein, um der COVID-19-Krise standzuhalten.

Die wirtschaftliche Infrastruktur ist einem höheren Risiko ausgesetzt. Flughäfen beispielsweise werden kurzfristig enorm unter Druck geraten, da der Flugverkehr in einem noch nie dagewesenen Maße rückläufig ist. In einer eindringlichen Warnung vom 16. März schätzte das Centre for Aviation, ein Forschungsinstitut der Luftfahrtbranche, dass die meisten Fluggesellschaften bis Ende Mai vor dem Bankrott stehen könnten, wenn die Regierungen keine unterstützenden Maßnahmen ergreifen. Seehäfen dürften ebenfalls stark gefährdet sein, da auch der Containerverkehr rückläufig ist. Die Autobahn-Maut – die oftmals vom Schwerlastverkehr abhängt – ist in ähnlicher Weise betroffen.

Die Infrastruktur der Versorgungsunternehmen, die von auf den Energiepreisen basierenden Mittelflüssen abhängt, wird durch eine Kombination aus dem pandemiebedingten Nachfragerückgang und der Entscheidung Saudi-Arabiens, die Ölförderung zu erhöhen, beeinträchtigt. Im Bau- und verarbeitenden Gewerbe könnten Infrastrukturprojekte aufgrund von Terminüberschreitungen und steigenden Kosten wegen des potenziellen Mangels an Arbeitskräften, Material und Ausrüstung nicht termingerecht zur Generierung von Einnahmen führen. Die Ertragsströme können daher beeinträchtigt werden.

Der Infrastruktursektor ist jedoch der Schlüssel für Kontinuität und Erholung der Wirtschaft. Real Assets-Anleger dürften einen gewissen Trost in der weit verbreiteten Erwartung finden, dass in bestimmten Kernbereichen wie der Infrastruktur umfangreiche staatliche Finanzhilfen geleistet werden. Die meisten Infrastrukturanlagen spielen eine wesentliche Rolle in unserer Gesellschaft und sind für eine Erholung der Weltwirtschaft essentiell. Daher ist davon auszugehen, dass die Regierungspolitik diese unterstützen wird.

Private Debt

Die risikoarme Anlageklasse Private Debt ist allgemein eine defensive Anlageklasse, deren Anlageergebnisse jedoch durch den erwarteten steilen wirtschaftlichen Abschwung in Gefahr geraten. Nehmen wir das Beispiel der Hotelbesitzer: Für sie dürfte es schwierig werden, die Tilgung ihrer Schulden aufrechtzuerhalten, wenn ihre Einnahmen schwinden, was schließlich zu Vertragsverletzungen führen wird. Finanzstärkere Sponsoren werden jedoch das Recht haben, eine Vertragsverletzung zu verhindern, indem sie beispielsweise zusätzliche Finanzspritzen gewähren, bevor ein Zahlungsausfall eintritt.

Dennoch dürfte die Zahl der Umstrukturierungen, Schuldenstundungen und letztlich der Zahlungsausfälle steigen. Die Sektoren Transport, Einzelhandel und Freizeit scheinen sofort betroffen zu sein, andere Bereiche der Wirtschaft, wie das verarbeitende Gewerbe, der Handel und das Bauwesen, werden wahrscheinlich folgen. Die enge Zusammenarbeit mit den Schuldnern wird diesen helfen, ihre Schulden mittelfristig zurückzuzahlen und so die Investments zu schützen.

Seit der Finanzkrise 2008-2009 haben die Kapitalströme von institutionellen Anlegern in Private Debt ein Rekordniveau erreicht, da sich viele Banken aufgrund strengerer Vorschriften aus dem Sektor zurückzogen. Infolgedessen sind die Renditen der Anlageklasse erheblich gesunken, während das Risikoniveau aufgrund der zunehmenden Menge an Kapital, das immer weniger Transaktionen hinterherjagt, gestiegen ist. Nach COVID-19 könnten sich beachtliche Möglichkeiten ergeben, Immobilien- und Infrastrukturprojekte zu attraktiveren Renditen zu finanzieren, wobei das Risiko gut kompensiert wird.

Langfristige Möglichkeiten

Neben den großen Herausforderungen werden sich laut Aviva auch Chancen ergeben. Es ist wahrscheinlicher, dass es zu Fehlbewertungen kommt, weshalb die Anleger bereit sein sollten, zu handeln. Die Liquidität stehe derzeit an erster Stelle. Die Diversifizierungsvorteile jedoch, die mit einer Allokation in qualitativ hochwertige Real Assets verbunden sind, werden bei der Bewältigung von COVID-19 ebenfalls entscheidend sein. Da die mittelfristige Zukunft der Weltwirtschaft unklar ist, wird es vorteilhaft sein, Vermögenswerte mit unterschiedlichen Risikofaktoren zu besitzen, so Aviva.

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