Die Pandemie hat Exit-Entscheidungen und Haltedauer von Private-Equity-Fonds im deutschsprachigen Raum spürbar geprägt. Ein Großteil der Befragten rechnet mit einer Verlängerung der Haltedauer.

Die Pandemie hat Exit-Entscheidungen und Haltedauer von Private-Equity-Fonds im deutschsprachigen Raum spürbar geprägt. In einer Befragung gaben 56 Prozent der PE-Fonds an, dass Covid die Entscheidung ‚stark‘ beeinflusst hat, bei vier Prozent sogar ‚sehr stark‘. Für die Zukunft rechnen 68 Prozent der Befragten damit, dass sich die Haltedauer verlängern wird. Neun Prozent gehen sogar davon aus, dass sie sich stark verlängern wird.

Befragt wurden 36 PE-Fonds im DACH-Raum von der Unternehmensberatung FTI-Andersch und des Centers for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) der HHL Leipzig Graduate School of Management.

„Die Pandemie-Monate haben in der PE-Branche erkennbare Spuren hinterlassen“, sagt Dr. Martin Schneider, Experte bei FTI-Andersch für Private Equity und einer der Verfasser der Untersuchung. „Was sich in der Studie des vergangenen Jahres schon angedeutet hatte, wurde nun bestätigt: die Haltedauer hat sich vielfach verlängert. Die im letzten Jahr projizierte Anpassung der Wertsteigerungspläne ist damit vielfach notwendig geworden.“

Private-Equity-Fonds: Exit-Kanäle so gut wie unverändert

Beschleunigte Exits zur Minimierung des Downside-Risikos, auch unter Inkaufnahme von Verlusten, haben nur bei neun Prozent der Unternehmen eine Rolle gespielt. Für die nächsten zwölf Monate wird in den meisten Exit-Kanälen mehrheitlich Konstanz erwartet. Leichte Zunahmen sehen die PE-Fonds allerdings bei Börsengängen, die Veräußerung an strategische Investoren und SPACs. 55 Prozent rechnen mit leichten Zunahmen an Verkäufen an andere Fonds (Secondary Buyout).

Einen besonderen Fokus legen die Fonds gemeinsam mit ihren operativen Managements auf Maßnahmen zur Digitalisierung und Produktivitätssteigerung: 78 Prozent der Fonds haben daran ‚stark‘ oder ,besonders stark‘ gearbeitet. Weitere Punkte, auf die sich die Fonds konzentriert haben, sind die Optimierung des Working Capital (67 Prozent), Kundenbindungsprogramme und -services (53 Prozent), Produktinnovationen und finanzwirtschaftliche Maßnahmen (jeweils 50 Prozent). Weniger stark wurde die Expansion in bestehende und neue Märkte vorangetrieben sowie Maßnahmen zur Qualitätssteigerung in den Mittelpunkt gerückt.

Jeder vierte Fonds stehen seit Corona besser da

Knapp jeder vierte Fonds – 24 Prozent – hat angegeben, dass sich die eigenen Portfolio-Unternehmen während der letzten zwölf Monate sogar besser entwickelt haben als zuvor. Dabei habe sich vor allem das durch die Pandemie hervorgerufene veränderte Kunden- und Nutzerverhalten stark oder ‚besonders stark‘ positiv ausgewirkt.

„Was wir bei den Fonds beobachten, bildet ein stückweit unsere Beobachtungen der Gesamtwirtschaft ab“, sagt Schneider. „Nur eine – durchaus signifikante – Minderheit gewinnt. Und das vor allem, weil die Lockdown-Monate und das damit veränderte Nachfrageverhalten der Kunden einen positiven Schub für sie ausgelöst haben. Die Herausforderung für die Portfolio-Unternehmen dieser Fonds wird sein, auch in der Post-Corona-Zeit weiter ihre Performance zu halten.“

Lieferketten sind die zentrale Herausforderung

Als größte Herausforderung für diese Post-Corona-Zeit haben die befragten PE-Fonds die die Optimierung ihrer Lieferketten (87 Prozent) sowie ein Fokus auf präventives Krisenmanagement (83 Prozent) benannt. Das Thema Lieferketten betrifft viele Unternehmen: 57 Prozent der Fonds haben beobachtet, dass mindestens die Hälfte ihrer Portfolio-Unternehmen auf Herausforderungen in der Lieferkette gestoßen sind. Bei jedem Vierten war es mehr als die Hälfte.

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