Die Corona-Krise hat das Potenzial, zu einem dieser Wendepunkte zu werden, der das Verhalten zukünftiger Generationen verändert. Noch wissen wir nicht, ob wir in Zukunft von einer „Corona-Generation“ sprechen werden. Aber in allen Bevölkerungsgruppen sind Auswirkungen der Pandemie auf die Art zu leben und zu arbeiten spürbar.

Autor: Indraneel Karlekar, Ph.D., Senior Managing Director, Global Head of Research & Strategy

Weil die Demografie Immobilienstrategien bestimmt, ist sie ein wichtiges Element unserer Investment-These, die wir DIGITAL genannt haben (Demografie, Infrastruktur, Globalisierung, Innovation, Technologie, aktiv, langfristig). Jetzt, da die Pandemie die Weltwirtschaft zum Stillstand bringt, eine tiefe Rezession verursacht und langfristige Verhaltensänderungen bewirkt, herrscht große Unsicherheit über unser zukünftiges Leben.

In nur wenigen Wochen haben sich unser Tagesablauf und die Work-Life-Balance grundlegend verändert: Die Menschen sind aus ihren Büros ins Homeoffice umgezogen und arbeiten online, der Schulunterricht wurde ins Internet verlagert, und Onlineshopping ist so beliebt wie nie zuvor. Viele dieser kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen hatten schon vor Corona eingesetzt, aber durch den Lockdown wurden sie immer mehr Menschen aufgezwungen.

Jede Generation wird bestimmt durch einschneidende Erlebnisse, vor allem in den für die Entwicklung prägenden Jahren. Für die Generation Z wird das neue Coronavirus ein solches Schlüsselereignis sein. Die Millennials mussten zu Beginn ihres Berufslebens mit der internationalen Finanzkrise zurechtkommen, die Generation X hatte ihre prägenden Jahre, als Reagan und Thatcher die Wirtschaft liberalisierten und die Finanzbranche in ihrer heutigen Form entstand. Die Babyboomer erlebten die Internationalisierung der Wirtschaft und nutzten die Freiheiten, die ihnen die Kriegsgeneration – die Silent Generation – in zwei Weltkriegen gesichert hatte. Alle Alterskohorten dürften aber in den nächsten Jahren grundlegenden Wandel erleben, wenn die Welt aus Covid-19 lernt und sich an die neue Lage anpasst.

Alle Alterskohorten sind von Corona betroffen; die Pandemie wird sie bis an ihr Lebensende prägen. Lassen Sie uns deshalb einige langfristige demografische Entwicklungen betrachten, die Auswirkungen auf das Leben nach Corona haben können.

Arbeit

Noch ist es zu früh, um langfristige Veränderungen zu prognostizieren. Ein starker Trend zum Homeoffice könnte aber die Büronachfrage radikal verändern. Leitende Angestellte aus der Babyboomer-Generation und der Generation X erleben jetzt erstmals einen Homeoffice-Großversuch. Eine flexible Büronutzung scheint leichter vorstellbar und vielleicht auch wünschenswerter. Colliers International berichtet in seiner Studie „Working from home during COVID-19“, dass sich 82 Prozent der Befragten nach dem Ende des Lockdowns mindestens einen wöchentlichen Homeoffice-Tag wünschen. Je nach Dauer der Pandemie wird Social Distancing auch eine geringere Mitarbeiterdichte in den Büros verlangen. Vielleicht sind Rotationssysteme nötig, um Abstandsregelungen und Reiserestriktionen einzuhalten.

Leben

Nach Covid-19 werden vor allem zwei Faktoren die Nachfrage nach Wohnraum bestimmen: Veränderungen des Lebensstils und die Finanzkraft. Mehr Zeit zu Hause zu verbringen, könnte den Wunsch nach größeren Wohnungen und einer größeren Nähe zur Natur befördern. Die Menschen werden vielleicht auch häusliche Arbeitszimmer nachfragen, so dass sich die Grundrisse verändern und das kleine Appartement generell in Frage gestellt werden könnte. Familien werden heute später gegründet. Die Millennials und die Generation X, die länger als frühere Generationen in der Stadt leben, könnten sich in Zukunft größere Wohnungen wünschen, in denen man einige Tage in der Woche auch arbeitet. Gefragt wären dann gut angebundene Randlagen, von denen man die innerstädtischen Geschäftsviertel leicht erreichen kann.

Freizeit

Covid-19 hat mehr Menschen als bisher ins Internet gebracht. Durch die staatlich verordneten Einschränkungen waren Ladengeschäfte schlechter zu erreichen, was dem E-Commerce guttat. Dies blieb aber nicht ohne Herausforderungen für Logistikunternehmen. Bei kanalübergreifenden „Omnichannel“-Einzelhändlern gingen die Margen zurück, ebenso wie in der gesamten Automobilbranche.

Auch wenn das Wachstum der Onlinemärkte einen Paradigmenwechsel bedeutet, ist Covid-19 nicht zwangsläufig der Todesstoß für den klassischen Einzelhandel. Gewiss – selbst in Südeuropa haben sich die Einkaufsgewohnheiten aufgrund der Pandemie verändert. Wir sind allerdings optimistisch, dass sich Städte mit attraktiven Zentren und traditionell vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten erholen, sobald die Pandemie unter Kontrolle ist.

Die Welt ändert sich, weil Covid-19 auch unsere Lebensgewohnheiten grundlegend ändert. Bei der Einschätzung der langfristigen Attraktivität einer Anlage zählt die Demografie zu den wichtigsten Überlegungen. Besuchen Sie principalreeurope.com/decisive-eye, um mehr über unsere neuesten Erkenntnisse zu Immobilieninvestitionen zu erfahren.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »