Covid-19 stürzte die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession. Mit den ersten Lockerungen des Social Distancing ist eine langsame Erholung der Volkswirtschaften zu erwarten, aber die Konjunktur bleibt anfällig. Trotzdem ist das Anlegerinteresse an Industrieimmobilien und Datenzentren länderübergreifend weiter sehr hoch.

Autor: Indraneel Karlekar, Ph.D., Senior Managing Director, Global Head of Research & Strategy

Weltweit nehmen die Volkswirtschaften nach der vermutlich tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wieder den Betrieb auf. Die Länder lockern das Social Distancing, damit sich die Wirtschaft erholen kann. Gleichzeitig bemühen sie sich aber noch immer darum, den hart erkämpften Rückgang der Infektionsraten zu festigen. In Europa, der ersten Region außerhalb Asiens, in der die Pandemie zuschlug, wurde die Reproduktionszahl (Rt) durch einen sehr strengen Lockdown gesenkt, so dass die Neuinfektionen deutlich zurückgegangen sind. Auch in den USA breitet sich das Virus jetzt nicht mehr so schnell aus, doch  es gibt große Unterschiede zwischen den Bundesstaaten. Entsprechend schwerer lässt sich prognostizieren, wann die Reproduktionszahl fällt und ob sie konstant niedrig bleibt. Die niedrigeren Ansteckungszahlen und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben zusammen zu einem immer pragmatischeren Vorgehen geführt. Während die Wirtschaft wieder anläuft, versuchen  die Regierungen sie unabhängiger von staatlichen Hilfspaketen zu machen. Organisches Wachstum ist das Ziel.

Dem National Bureau of Economic Research zufolge, das die US-Konjunkturzyklen offiziell misst, hatte die Rezession in den USA schon im Februar begonnen. Ihre Schwere ist allgemein bekannt und dürfte nicht überraschen. Umso erfreulicher war deshalb die unerwartete Nachricht aus dem Arbeitsministerium, dass in den USA im Mai 2,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden – ein deutlicher Gegensatz zum Marktkonsens, der mit mehreren Millionen Entlassungen gerechnet hatte. Wenn die Beschäftigung weiter so stark wächst, könnte die Corona-bedingte Rezession 2020 eine der kürzesten Rezessionen aller Zeiten sein – allerdings auch wohl diejenige, die in den vergangenen 70 Jahren den größten Schaden angerichtet hat. So gut die Mai-Zahlen auf den ersten Blick auch waren, so unerfreulich sind manche nicht sofort sichtbare Einzelheiten. Dazu zählt der Rückgang der Stundenlöhne, der zeigt, dass es sich bei einem Großteil des Beschäftigungszuwachses um schlecht bezahlte Jobs handelt. Auch in Europa verbessern sich die Arbeitsmarktzahlen allmählich; im April ist die Arbeitslosenquote weniger stark gestiegen als befürchtet. Mit 7,3 Prozent ist sie sogar etwas niedriger als im Januar; die staatlichen Arbeitsmarktmaßnahmen funktionieren offensichtlich. So willkommen jedes Anzeichen für eine Konjunkturerholung ist, so genau muss man aber auf die weitere Entwicklung von Covid-19 und die Folgen für das Geschäfts- und Konsumklima achten. Denn es handelt sich um eine medizinische Krise. Wirtschaft und Gesellschaft werden sich erst dann vollständig normalisieren, wenn es auch eine medizinische Lösung – sei es eine Impfung oder ein Heilmittel – gibt.

Aufstockung wichtiger Maßnahmen

Deshalb bleibt jede zwischenzeitliche Konjunkturerholung anfällig. Das ist der Hauptgrund, warum die Notenbanken in Europa und den USA ihre Programme weiter aufstocken. Unternehmen berichten, dass diese Unterstützung sowohl ihren Angestellten als auch ihren Vermietern sehr geholfen hat. Der Europäischen Zentralbank (EZB) war bewusst, dass weitere Hilfen nötig sind, so dass sie die Covid-19-Programme stark aufgestockt hat. Auf seiner Juni-Sitzung hob der EZB-Rat das Volumen des Pandemie-Wertpapierkaufprogramms (PEPP) um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro an und verlängerte seine Laufzeit bis mindestens Mitte 2021. Außerdem erklärte sich die Zentralbank bereit, Rückflüsse bis mindestens Ende 2022 erneut zu investieren, verwies aber gleichzeitig darauf, dass die zukünftigen Wertpapierkäufe von der Wirtschaftslage abhängen würden. In Ländern, die stark unter der Pandemie gelitten haben, gewinnt die EZB so an Akzeptanz. Auch lässt die Sorge nach, dass die Notenbank beim regulären Quantitative Easing nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vorsichtiger und kompromissorientierter wird.

In den USA hat die Fed die Bedingungen für ihre Main Street Lending Facilities (MSLF) gelockert, damit das Programm von mehr mittleren, vor allem aber kleinen Unternehmen genutzt wird – der eigentlichen Kernzielgruppe. Zuletzt wurde das Mindestkreditvolumen von 500.000 US-Dollar auf 250.000 US-Dollar gesenkt, die Kreditlaufzeiten wurden von vier auf fünf Jahre verlängert, die Tilgungen für ein weiteres Jahr ausgesetzt und der maximale Kreditbetrag wurde angehoben. Gerade erst hat die Fed auf ihrer Sitzung am 10. Juni eine extrem lockere Geldpolitik in Aussicht gestellt. Der Vorsitzende Powell erklärte, dass er über Zinsen „nicht einmal nachdenken“ würde. Unserer Ansicht nach deutet dies auf eine sehr schwache US-Konjunktur hin.

Diese politische Unterstützung ist das unverzichtbare Auffangnetz angesichts der erwartungsgemäß düsteren Prognosen. Die EZB legte ernüchternde Szenarien vor, nach denen die Inflation deutlich zurückgehen wird. Im Basisszenario erwartet sie, dass die Wirtschaft in der Eurozone 2020 um 8,7 Prozent schrumpft und die Wirtschaftsleistung Ende 2022 noch immer 4 Prozentpunkte niedriger sein wird als ohne die Corona-Krise. In den USA veröffentlichte das Congressional Budget Office (CBO) eine Prognose, nach der die Einbußen durch Corona erst in zehn Jahren ausgeglichen sein werden. Außerdem hat das CBO seine jüngsten Prognosen für die US-Wirtschaftsleistung in den Jahren 2020 bis 2030 um 7,9 Billionen US-Dollar gesenkt.

Auswirkungen auf Immobilien

Aufgrund der geringen Zahl von Transaktionen ist die Preisfindung bei nicht börsennotierten Immobilien schwierig. Die wenigen Zahlen deuten aber darauf hin, dass das Anlegerinteresse an Industrieimmobilien und Datenzentren länderübergreifend weiter sehr hoch ist. Beide Objektarten gelten nicht nur als defensiv, sondern auch als Pandemieprofiteure, da Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen auf E-Commerce und Datenaustausch setzen. Der REIT-Markt scheint diese Trends zu bestätigen. Industrieimmobilien- und Datencenter-REITs haben sich vor und während der Pandemie meist gut entwickelt. In den letzten Wochen haben sich auch REITs für Immobilienarten gut erholt, die aller Voraussicht nach am stärksten vom erwarteten Wiederanlaufen der Wirtschaft und der Konjunkturerholung profitieren. Der stabile REIT-Markt zeigt in gewisser Weise, dass die Risikobereitschaft durchweg zunimmt. In den folgenden Quartalen wird sich herausstellen, ob der jüngste Kursanstieg nachhaltig ist.

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