Bei der Themenstrategie Wasser sind ESG-Faktoren zentral. Um für eine nachhaltige Verbesserung dieser Faktoren zu sorgen, sollten Impact-Investoren langfristig investiert bleiben.

Interview mit Cédric Lecamp, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management

Hat sich die Art und Weise, wie Unternehmen mit Investoren über das Thema ESG sprechen, in den vergangenen Jahren verändert?

 Die Unternehmen reagieren stärker auf unser Feedback. In unserer Branche war es in der Vergangenheit so, dass die Unternehmen einmal im Jahr einen Fragebogen zur Verantwortung bezüglich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) zugeschickt bekamen und dort die Kästchen ankreuzten. Mittlerweile ist den Unternehmen bewusst, dass ESG-Belange einen Einfluss auf ihren Ruf, ihre Mitarbeiter und ihren Aktienkurs haben.

Wir ermutigen Unternehmen dazu, ESG als Teil ihres Fundaments zu betrachten und nicht als separaten Aspekt. So wird klar erkennbar, dass das Thema an Bedeutung gewonnen hat, wenn Vorstände konkrete Positionen schaffen: Nachhaltigkeitsausschuss, Chief Sustainability Officer oder eine direkte Berichtslinie von ESG an den Vorstand. Das sind positive Entwicklungen.

Was sind die Themen, für die Sie sich in Ihrer Wasser-Strategie engagieren?

Aufgrund unserer thematischen Ausrichtung steht bei vielen unserer Engagements die Qualität der Wasserversorgung im Mittelpunkt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um unternehmensspezifische Engagements, die sich auf das besondere Betriebs- und Regulierungsumfeld von Versorgungsunternehmen konzentrieren. Wir verfolgen aber auch breiter angelegte Ideen, die segmentübergreifend sind und bei denen wir mit anderen Teams zusammenarbeiten.

Die Abfallwirtschaft und die Wasserversorgung beispielsweise haben mit vielen Umweltproblemen zu kämpfen, wie Wasserabfluss und Kohlenstoffemissionen. Daher können wir in Zusammenarbeit mit dem Team, das die Strategie „Global Environmental Opportunities“ verwaltet, ein sektorübergreifendes Engagement im Bereich der Abwasserbehandlung eingehen. So können wir die Unternehmen fragen: Warum gibt es bei Ihnen so viele Verstöße gegen die Abwasserverordnung, wo doch Ihre Mitbewerber viel besser abschneiden? Es ist gewissermaßen eine Möglichkeit, jemanden zur Verantwortung zu ziehen.

Umwelt- und soziale Aspekte sind sehr wichtig, aber ein gemeinsames Thema ist auch die Governance, um gute ökologische und soziale Praktiken umzusetzen. Wenn die Philosophie und der Ansatz des Managements auf die Mitarbeiter und Aktionäre abgestimmt sind, überträgt sich dies häufig auch auf die übrigen Bereiche des Unternehmens. Das Management dazu zu bewegen, seine Vergütung an wissenschaftlich belastbaren Umwelt- und sozialen Zielen auszurichten, ist eine Möglichkeit sicherzustellen, dass die Führungsebene dem Thema Aufmerksamkeit schenkt.

Das soziale Engagement hat im Zuge der Pandemie an Bedeutung gewonnen. Arbeitgeber schätzen das Humankapital jetzt mehr – und wir sehen angesichts des Arbeitskräftemangels, dass die Menschen mehr um den eigenen Wert wissen. Wir haben aggressiv gegen Managementvergütungen gestimmt, die von vorübergehendem Personalabbau profitieren. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Unternehmen als verantwortungsbewusste Arbeitgeber mit langfristiger Perspektive denken und handeln.

Können Sie Beispiele für Ihr Engagement nennen?

Viele unserer Engagements dauern Jahre und sind noch nicht abgeschlossen. Ein Beispiel aber ist ein großes multinationales Unternehmen, das Konzessionsmodelle betreibt und industrielle Wasserprodukte weltweit verkauft. In dieser Größenordnung ist eine effektive Kontrolle schwierig. Es gab ökologische und soziale Kontroversen und wir hatten den Eindruck, dass es dem Management an Willen mangelte, sich auf Nachhaltigkeit zu konzentrieren.

Wir haben uns dafür eingesetzt, die Aufsicht zu ändern und die Verwendung von Nachhaltigkeitskennzahlen bei der Managementvergütung zu fördern, um eine Verbesserung zu erreichen. Etwa anderthalb Jahre später führte das Unternehmen ein an Nachhaltigkeitskriterien gekoppeltes Vergütungspaket ein, bei dem sich die Vergütung auf zahlreiche Messgrößen stützt, die sich auf die UN-Nachhaltigkeitsziele oder Sustainable Development Goals (SDGs) beziehen. Das war nicht allein unser Verdienst, denn es fand eine breitere Diskussion statt, an der viele Aktionäre beteiligt waren.

Eine der größten Herausforderungen ist, dass es keine Standardlösung gibt. Deshalb finde ich es so bedeutsam, sowohl der Fondsmanager zu sein, der in diese Unternehmen investiert, als auch derjenige, der sich um die ESG-Aspekte kümmert. Man könnte eine Regel einführen, die besagt: Wir begrenzen die Amtsdauer der unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder auf zehn Jahre. Aber wenn eines der Verwaltungsratsmitglieder enorme Erfahrung in der Mikrobiologie bei einem Life-Science-Unternehmen hat, verzichten wir gerne auf diese Begrenzung. Das Verständnis der Fundamentaldaten des Unternehmens ist für die Ausgestaltung des ESG-Engagements sehr wichtig und umgekehrt. Das ESG-Engagement entscheidet über die Anlageperspektive.

Was könnte Sie dazu veranlassen, eine Position zu verkaufen?

 Wir nehmen uns nie vor, ein Engagement mit einer Desinvestition zu beenden. Ich sehe es als Teil unseres Auftrags als Impact-Investor an, Aktien zu halten und auf diese Weise positive Veränderungen zu bewirken. Darüber hinaus betreiben wir vor einer Investition hinreichende Due Diligence, damit wir uns sicher sein können, dass unsere Investments unter den meisten Rahmenbedingungen eine langfristige Kapitalanlage darstellen.

Aber wir beobachten natürlich, wie sich das Unternehmen entwickelt. Wir messen die Bereitschaft des Managements, auf externe Faktoren und unseren Input zu reagieren. Wir setzen uns mit den Unternehmen auseinander, stimmen auf den Hauptversammlungen auch gegen den Verwaltungsrat, schreiben Briefe und führen Gespräche mit dem Verwaltungsrat. Wenn wir jedoch keine Veränderung feststellen und ein großes Risiko besteht, werden wir verkaufen.

Stellen Kunden heute mehr Fragen zu ESG?

 Ja, es kommen zusehends mehr Fragen. Wir stellen transparent dar, wie ESG in unseren Anlageprozess und unsere Philosophie einfließt, so dass die Kunden die Strategie gut verstehen. Aber wir erhalten vermehrt Anfragen zu einzelnen Aspekten unserer Engagements, seien es die Faktoren E, S und G, seien es Kontroversen, Unternehmensstrategien oder SDGs. Es wächst das Interesse an dem fundamentalen Einfluss, den wir als Investoren haben können.

 

 

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