Thematisches Investieren geht nicht ohne fundiertes Wissen. Es gilt, die langfristige Entwicklung eines Themas zu verfolgen und sich dazu mit Experten auszutauschen. Pictet Asset Management setzt in diesem Fall auf thematisch orientierte Beratungsgremien. Der Vorsitzende von Pictets „Thematic Advisory Boards“, Philippe Rohner, erklärt im Interview mit dpn, was die Zusammenarbeit zwischen externen Experten und den Investmentmanagern aus seinem Haus ausmacht.

Herr Rohner, was sind die „Pictet Thematic Advisory Boards”?

Sie sind eine wichtige Säule unseres thematischen Angebots und unterstützen unsere Portfoliomanager dabei, die langfristige Outperformance zu liefern, die unsere Anleger von uns erwarten. Zu jeder unserer eigenständigen thematischen Strategien existiert ein dazugehöriges Beratungsgremium. Es besteht idealerweise aus jeweils drei externen Beratern mit nachgewiesener Erfahrung und Erfolg in einer relevanten Funktion in einer Regierungsbehörde, umfassender Branchenkompetenz oder einer thematisch entsprechenden akademischen Position.

Es sind nicht die allseits bekannten Koryphäen, die wir für unsere Beratungsgremien suchen. Die externen Berater müssen nicht in der Vergangenheit mit ihrem Expertenwissen und ihren Ansichten öffentlich präsent gewesen sein. Wir suchen vielmehr nach Experten, die uns auf Basis nachgewiesener Leistungen in einer thematisch relevanten Branche oder als Unternehmer neue Einsichten vermitteln können, oder nach Wissenschaftlern, die eine innovative konzeptionelle Denkweise vertreten.

Gemeinsam mit den jeweiligen Portfoliomanagern bilden sie das Advisory Board, das zweimal jährlich formell zusammentritt. An diesen Sitzungen nehmen außerdem die jeweiligen Produktspezialisten und – abhängig von der Tagesordnung – gelegentlich auch noch weitere Experten teil.

Warum setzen Sie diese Beratungsgremien ein?

Wir sind davon überzeugt, dass das externe Fachwissen unseren Anlageteams dabei hilft, die Entwicklung unserer Themen besser zu verfolgen und zu managen. Die externen Berater beteiligen sich allerdings nicht an den Anlageentscheidungen. Sie suchen auch keine Titel für das Portfolio aus. Die Advisory Boards unterstützen die Investmentmanager dabei, den Verlauf eines Anlagethemas langfristig im Blick zu behalten und liefern spezifische Erkenntnisse zu kurzfristigen Entwicklungen im jeweiligen thematischen Umfeld. Dadurch können sich unsere Investmentmanager ganz auf die wesentlichen Aspekte der Portfoliokonstruktion konzentrieren, wie zum Beispiel die Titelselektion. Denn sie können darauf vertrauen, dass keine übergeordnete Entwicklung unbemerkt an ihnen vorbeigeht, und behalten damit das Big Picture stets im Blick.

Mitglied des Advisory Boards: Professor Asit K. Biswas

Können Sie ein Beispiel nennen, wie ein Advisory Board bereits in der Vergangenheit geholfen hat, ein Thema neu zu positionieren?

Ich kann mich an mehrere Fälle erinnern, in denen die Advisory Boards unsere Haltung entweder bestätigten oder uns halfen, unsere Strategien weiterzuentwickeln und Themen neu zu positionieren. In jüngster Zeit bestätigten die Beratungsgremien beispielsweise unsere Strategien im Bereich „Water“ und „Security“.

Im Jahr 2017 haben wir unsere zuvor als „Pictet Agriculture“ bekannte Strategie als „Pictet Nutrition“ neu ausgerichtet. Damals veranstalteten wir einen Workshop, an dem neben den Mitgliedern des Advisory Boards auch Experten des Copenhagen Institute of Future Studies (CIFS) teilnahmen. Mit seinen Megatrends bestimmt das CIFS, welche langfristigen Wachstumstreiber eines Themas wir beobachten. Die Gespräche, die wir im Rahmen des Workshops führten, trugen entscheidend zu der Erkenntnis bei, dass das Thema der globalen Nahrungsmittelproduktion sich von der Frage der Quantität – Können wir genug Nahrung für die Welt produzieren? – zu einem eher konsumgesteuerten Fokus auf die Qualität bewegte – Wie können wir bessere Nahrungsmittel produzieren?

Mitglied des Advisory Boards: Vaclav Smil

Warum arbeiten Sie mit dem Copenhagen Institute zusammen?

Es gibt sicherlich auch andere anerkannte Megatrend-Analysen die ebenso geeignet wären. Am CIFS schätzen wir jedoch besonders, dass es sich auf Zukunftsforschung spezialisiert hat. Eine besondere Stärke des Instituts ist die Art, wie es die Entwicklung der Treiber und Auslöser von Megatrends nachverfolgt.

Wir sind außerdem überzeugt, dass das CIFS aufgrund seines Status als Non-Profit-Organisation vor allem objektiv handelt. Da sich der Auftrag des Instituts nicht am Investmentgeschäft orientiert, ergänzt der Austausch mit dem CIFS unsere Arbeit bei Pictet Asset Management um einen wertvollen Blick von außen. Als Mitglieder des CIFS-Netzwerks haben wir außerdem Zugriff auf exklusive Forschungsergebnisse und Inhalte.

Wo treffen sich die Advisory Boards?

Normalerweise finden die Sitzungen der Advisory Boards in unseren Genfer Büros statt. Es gibt aber auch Ausnahmen. Das letzte Advisory Board Meeting zu unserer Strategie „Timber“ fand zum Beispiel in Shanghai statt. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, auch an einer globalen Konferenz der Forstwirtschaft teilzunehmen, und einige lokale Standorte der Holzindustrie zu besuchen.

Mitglied des Advisory Boards: Sandrine Zerbib

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN