Mit Sachwerten unterlegte Private-Debt-Investments haben auch in schwierigen Zeiten ihr Leistungsversprechen erfüllt. Das Investment-Universum wächst beständig und eröffnet Chancen auch für individuelle Anlagemöglichkeiten.

Autor: Sebastian Römer, Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Private-Debt-Investments, die durch Sachwerte besichert sind, reagieren nicht vollständig abgekoppelt weder von den breiten Kreditmärkten noch von den liquiden Märkten. Genauso wie Aktien und Anleihen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 einbrachen, als Covid-19 die Märkte ins Wanken brachte, hätte man auch eine erhebliche Volatilität bei Real Asset Private Debt erwarten können. Doch obwohl nervöse Anleger die Illiquiditätsprämie bei privaten Schuldtiteln zunächst nach unten drückten, stellte sich die Prämie schnell wieder ein. Tatsächlich ist die Illiquiditätsprämie jetzt höher als vor Beginn der Krise 2020.

Der Grund für den Erfolg der Anlageklasse liegt in den Cashflows. Aufgrund der robusten Natur der unterliegenden Sachwerte (Gebäude, Straßen, Brücken oder Krankenhäuser etc.) und der hohen Kreditwürdigkeit ihrer Emittenten sorgten Real-Asset-Debt-Investments für einen stetigen Ertragsstrom, der weitgehend immun gegen Volatilität war. Und da es sich bei den Finanzierungen fast immer um langfristige Transaktionen handelt, sind die potenziellen Auswirkungen von Kreditzyklen bereits in die Strukturierung des Geschäfts eingebettet sowie in den Preis und die prognostizierten Renditen. Dies alles bietet Investoren ein vergleichsweise hohes Maß an Stabilität.

Hohes Investorenvertrauen stärkt die Anlageklasse

Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass Private Debt in den Portfolios von Investoren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Dies lässt zumindest eine Umfrage des Datenanbieters Preqin vom April 2020 (Preqin Investor Update: Alternative Assets H2 2020) vermuten. Dort gaben die befragten Investoren an, dass Private Assets insgesamt in den vergangenen zwölf Monaten weitgehend die von ihnen erwarteten Renditen geliefert hätten. Dies gilt insbesondere für Private Debt, wo 74 Prozent der Anleger sagen, dass die Renditen die Erwartungen erfüllt haben. Die Folge: Nahezu die Hälfte der Investoren beabsichtigt, in den nächsten Monaten das Engagement bei Private Debt zu erhöhen.

Da die Anlageklasse von Real Asset Private Debt ihren „Proof of Concept“ in den vergangenen zwölf turbulenten Monaten bestätigen konnte und das Volumen entsprechender Finanzierungen beständig wächst, verbessern sich nun auch die Möglichkeiten für maßgeschneiderte Finanzierungsprojekte, die den individuellen Bedürfnissen der Investoren entsprechen. Dabei können zum Beispiel schwerpunktmäßig regionale Präferenzen umgesetzt werden. Auch die gegenteilige Strategie einer möglichst breiten und überregionalen Diversifikation lässt sich mit zunehmendem globalem Angebot besser realisieren.

Gleich wie die spezifischen Wünsche der Investoren auch ausfallen mögen, bei deren Umsetzung kommt es entscheidend auf das Zusammenspiel von zwei Akteuren an: Dabei geht es einerseits um die Banken als originärer Ausgangspunkt eines Deals sowie andererseits um die Asset Manager mit ihrer speziellen Finanzierungskompetenz. Beide müssen eng verzahnt zusammenarbeiten, wenn es darum geht, speziellen Wünschen der Anlegerseite entgegenzukommen.

Breite Diversifikation möglich

Investitionsmöglichkeiten, die dem individuellen Bedarf der Investoren entsprechen, müssen aber nicht zwangsläufig hoch spezialisiert sein. Gerade wenn Anleger eine sehr breite Diversifikation anstreben und sich nicht zu stark auf einzelne Segmente des Private-Debt-Marktes fokussieren möchten, kann die maßgeschneiderte Lösung ein gemischter Fonds sein. Über diesen lassen sich Private-Debt-Investments in ein breites Spektrum von Anlagen investieren, das zum Beispiel Infrastruktur, Immobilien, Flugzeuge oder andere Schuldtitel umfasst.

Gemischte Fonds können zudem die Antwort für einen Anleger sein, der etwa in Schwellenländer investieren möchte. Angesichts der erhöhten Risiken, die mit Investitionen in Emerging Markets verbunden sind, kann ein breit diversifizierter gemischter Fonds mit Real-Asset-Private-Debt-Vermögenswerten, die über viele asiatische Regionen und Industriesektoren gestreut sind, das Risiko reduzieren und für Stabilität im Portfolio sorgen.

Interessante Assetklasse

Wenngleich Private-Equity- und Immobilien-Investments volumenmäßig den Markt für alternative Anlagen dominieren, lohnt sich ein Blick auf das wachsende Private-Debt-Segment. Denn diese auch in der jüngsten Coronakrise recht stabile Anlageklasse bietet Investoren ein attraktives Risiko-Rendite-Profil als Alternative zu klassischen Aktien- oder Renten-Investments. Inzwischen hat sich der Markt sowohl in der Breite als auch in der Tiefe erheblich weiterentwickelt und bietet so interessante Möglichkeiten, die sich auch an den individuellen Bedürfnissen der Anleger ausrichten.

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