Der Markt für erneuerbare Energien ist reifer geworden. Die Förderung durch die Staaten schwindet, was für eine Bedeutungszunahme marktwirtschaftlicher Mechanismen sorgt. Nicht nur die Betreiber erneuerbarer Energieprojekte, sondern auch Investoren müssen sich auf ein verändertes Umfeld einstellen. Sogenannte Power Purchase Agreements können helfen, neu entstandene Risiken zu steuern.

Autor: Sebastian Römer, Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Vor allem in der Anfangszeit hatten erneuerbare Energien ein ernst zu nehmendes Problem: Die Produktionskosten lagen deutlich über denen der traditionellen Energiegewinnung. Inzwischen aber hat sich der Markt weiterentwickelt. Heute sind die Produktionskosten für eine Kilowattstunde geringer oder zumindest genauso hoch wie die etwa von Kohle, Gas oder Atomkraft. Erneuerbare Energien sind damit wettbewerbsfähig geworden und stellen eine belastbare und attraktive Asset-Klasse dar.

Der Übergang in eine Welt, in der erneuerbare Energien aus sich selbst heraus wirtschaftlich erfolgreich im Wettbewerb bestehen können, bringt nun allerdings neue Herausforderungen mit sich. Denn der Sektor sieht sich jetzt einer Situation gegenüber, in der die anfangs kräftige Unterstützung durch die Politik mehr und mehr schwindet. Das Ausmaß des staatlichen Rückzugs ist dabei europaweit unterschiedlich. Während Deutschland, Frankreich und Polen erneuerbare Energien weiterhin über einen gewissen Zeitraum fördern, verfolgen andere Staaten andere Modelle. Sie reichen von einer Teilförderung bis hin zu nahezu keiner Unterstützung in Skandinavien.

Die Richtung dieser Veränderung ist eindeutig: Sowohl die Anbieter erneuerbarer Energien als auch deren Investoren sind nun zunehmend ungeschützt dem Marktrisiko der Strombörsen ausgesetzt. Dort wird täglich in stündlichen Intervallen ein Spot-Preis für Strom auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage festgelegt. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, wie etwa die Verfügbarkeit verschiedener Energieträger, das Wetter und das Klima oder der Stromverbrauch zu unterschiedlichen Tageszeiten oder Jahreszeiten. Das alles kann zu stark schwankenden Marktpreisen führen.

Wege abseits der Börsen

Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Volatilität der Börsen zu umgehen und sich gegen entsprechende Risiken zu schützen. Zu den wirkungsvollsten Instrumenten zählen hierbei die sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs). Dabei handelt es sich um langfristige Kontrakte zwischen Stromproduzent und Stromabnehmer, in denen die zentralen Lieferbedingungen wie etwa der Preis, das Abnahmevolumen oder die Laufzeitdauer verbindlich festgelegt werden.

Während der Stromerzeuger auf der einen Seite steht, befinden sich auf der anderen Seite als Abnehmer entweder große Unternehmen oder Intermediäre am Strommarkt. Beide Seiten sichern sich über ein PPA verlässliche Bedingungen, mit denen sie planen können. Gerade Großunternehmen wie Mercedes-Benz, Unilever oder Amazon, die ihren CO2-Fußabdruck verringern möchten und dabei verstärkt auf regenerative Energien setzen, nutzen zunehmend PPAs. Diese Vereinbarungen garantieren grünen Strom zu verlässlichen Bedingungen.

Feinheiten der Vertragsgestaltung

Naturgemäß sind nicht alle PPAs gleich in ihrer Ausgestaltung, sondern hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Für Projektbetreiber erneuerbarer Energien sowie für Investoren kommt es daher darauf an, für den spezifischen Rahmen ihrer Unternehmungen das richtige Vertragswerk zu wählen und zu verhandeln. Die grundsätzliche Herausforderung bei der PPA-Ausgestaltung besteht darin, sowohl für den Produzenten erneuerbarer Energien als auch für den Abnehmer ausgewogene wirtschaftliche Regelungen für den Umgang mit der Volatilität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu treffen.

Bei dieser komplexen Aufgabe können die Parteien inzwischen auf spezialisierte Modelle zurückgreifen, so wie sie derzeit etwa vom französischen Investmenthaus Mirova angeboten werden. Schon frühzeitig hatten die Experten dort damit begonnen, Tools und Methoden zur Analyse der optimalen Struktur ihrer PPAs zu finden.

Im Zentrum eines PPA stehen vor allem die Preisgestaltung beziehungsweise die Regeln zu deren Anpassung. Die erforderliche Analyse ist keine triviale Aufgabe und erfordert die Fähigkeit, verschiedene Variablen in einem methodisch einwandfreien Modell miteinander zu verknüpfen. Zu diesen Variablen gehören die Entwicklung des CO2-Preises genauso wie die Entwicklung von Rohstoffpreisen, der Energiemix eines Landes, die dortigen Produktionskapazitäten oder Förderprogramme, um nur einige zu nennen.

Im internationalen Kontext ist das Geschäftsmodell des PPA bereits gut etabliert. Bis Ende des Jahres 2019 ist das Volumen an Corporate-PPA-Projekten auf rund 19,5 GW gestiegen. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 40 Prozent gegenüber 2018. Mit dem Auslaufen der EEG-Umlage in diesem Jahr werden PPAs auch in Deutschland immer wichtiger. Um nach dem Ende der staatlichen Förderung Projekte der erneuerbaren Energien verlässlich weiterbetreiben zu können, benötigen Stromproduzenten den direkten Zugang zu großen Stromabnehmern. Hier bringen PPAs beiden Parteien erhebliche Vorteile. Sie bieten zudem die Möglichkeit der Anschlussfinanzierung für den Projektbetreiber.

 

 

 

 

 

 

 

 

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