Infrastruktur-Investments nehmen weiter Fahrt auf. Die Asset-Klasse wächst sowohl beim investierten Kapital als auch beim Spektrum der Finanzierungsprojekte. Langfristig orientierte Investoren, wie zum Beispiel Versicherungen, sollten dabei vor allem einen Blick auf das Segment der Core Infrastructure Investments werfen.

Autor: Sebastian Römer, Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Für jeden Investor ist es wichtig, bei Infrastruktur zunächst zwischen zwei Grundtypen zu unterscheiden: Core Infrastructure und Value-added Infrastructure. Core Infrastructure ist gewissermaßen das beständige, zuverlässige Ende des Investment-Spektrums. Dabei geht es um Anlagen, die in erster Linie Erträge erwirtschaften. Zu diesen Vermögenswerten gehören klassische Infrastrukturprojekte wie Mautstraßen, Brücken, Krankenhäuser oder neuerdings auch Speicheranlagen, etwa für Cloud-Betreiber. Auch viele Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien zählen zu Core Infrastructure.

Was diese Vermögenswerte gemeinsam haben, ist, dass sie in der Regel sehr langfristig ausgerichtet sind und von den Anlegern über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte gehalten werden. Die Wertentwicklung ergibt sich in erster Linie aus stabilen und regelmäßigen Cashflows und nicht aus Kapitalzuwachs. Diese Eigenschaft bietet einen gewissen Schutz gegenüber turbulenten Marktphasen und damit verbundenen Wertschwankungen. Core Infrastructure ist daher gut mit einer langfristigen Ertragsstrategie im Rahmen des Asset Liability Managements vereinbar.

Die andere Seite des Investment-Spektrums bildet der Bereich von Value-added Infrastructure. Hier beruht die Wertschöpfung stark auf dem Kapitalzuwachs, der durch den Verkauf der Beteiligung an einer Anlage erzielt wird. Entsprechende Investments erfordern eine stärkere Beteiligung der Aktionäre an der Projektleitung und sind hinsichtlich ihres Risiko-Rendite-Profils sowie der Art und Weise, wie der Vermögenswert verwaltet wird, eher mit Private Equity vergleichbar. Bei Core Infrastructure kann die Haltedauer 20 bis 25 Jahre oder sogar länger betragen. Im Vergleich dazu beträgt der Lebenszyklus von Value-added-Infrastrukturprojekten in der Regel nur zehn Jahre. Diese Beteiligungen zielen auf den Exit, um die gewünschten Investment-Ziele zu erreichen.

Hohe Attraktivität für Versicherer

Verschiedene Eigenschaften von Core Infrastructure machen dieses Segment vor allem für langfristig ausgerichtete Investoren interessant. So bietet Core Infrastructure Renditen, die in der Regel höher sind als die traditioneller festverzinslicher Wertpapiere. Zweitens sind entsprechende Investments in hohem Maße von Anlageklassen wie Aktien und Anleihen abgekoppelt und bieten somit eine Diversifizierung in Zeiten hoher Marktvolatilität.

Drittens, und dieser Punkt ist insbesondere für Versicherungsunternehmen wichtig, lassen sich mit Core Infrastructure Investments das Schadensrisiko des Klimawandels sowie damit einhergehende potenzielle Verluste für das Unternehmen begrenzen. Dies liegt daran, dass bei der Planung und Realisierung von Infrastrukturprojekten weltweit verstärkt Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt und teilweise sogar vorgeschrieben sind. Versicherungen können mit der Anlage in Core Infrastructure also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie können ihr Portfolio entlang ihres Liability Managements optimieren und gleichzeitig einen Beitrag zur Bekämpfung des für sie besonders relevanten Klimawandels leisten. Letzterer Aspekt ist im Übrigen auch deshalb relevant, weil die Regulierungsbehörden die Versicherungsunternehmen zunehmend klimabezogenen Stresstests unterwerfen.

Regulatorische Anreize nutzen

Die Auswirkungen von Regulierungs- und Rechnungslegungsvorschriften sind ein weiteres Argument für Core Infrastructure. Solvency II etwa stellt für bestimmte Anlagekategorien hohe Kapitalanforderungen, die für manchen Versicherer kaum zu bewerkstelligen sind. Für Infrastrukturinvestitionen hat der Regulator jedoch eine Reihe von Schritten unternommen, um die Kapitalanforderungen zu reduzieren. Dies gilt insbesondere für Investitionen in nicht geratete, qualifizierte Infrastrukturanlagen mit vorhersehbaren und widerstandsfähigen Cashflows.

Auch mit Blick auf die Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9, die für Versicherer ab 2023 in Kraft tritt, kann Core Infrastructure punkten. Das Regelwerk wird von Versicherungsunternehmen verlangen, dass sie eine zunehmende Anzahl von Finanzanlagen zum vollen Zeitwert bewerten. Dies wird sich negativ auf volatile Vermögenswerte auswirken und eine stärkere Nutzung von illiquiden und weniger volatilen Vermögenswerten wie Infrastruktur fördern. Da Core Infrastructure auf laufende Erträge ausgerichtet ist, weisen entsprechende Anlagen in der Regel ein besonders niedriges Volatilitätsprofil auf.

Unterschiedliche Investment-Vehikel

Nur wenige Versicherer investieren direkt in Infrastruktur. Der Grund: Entsprechende Investments benötigen interne Ressourcen, viel Erfahrung und vor allem den Zugang zu geeigneten und lukrativen Deals. Nur wenige Investoren können all dies allein leisten. Viele investieren stattdessen indirekt über geschlossene Infrastrukturfonds, bei denen die Vermögenswerte mit denen anderer institutioneller Anleger zusammengelegt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, sich über Co-Investments an entsprechenden Projekten zu beteiligen. Diese bieten einen größeren individuellen Spielraum bei der Gestaltung der Verträge. So können Co-Investoren etwa ihre eigene Due-Diligence-Prüfung durchführen und das Projekt auf spezielle Bedingungen oder auf ihre individuellen Renditeerwartungen ausrichten.

 

 

Aktuelle Beiträge