Mittelständische Unternehmen (KMU) sind für institutionelle Investoren ein lukratives Investitionsziel. Aufgrund der Eigentümerstruktur ist eine Börsennotierung – vor allem im deutschen Mittelstand – eher die Ausnahme. Denn der Großteil der Mittelständler ist in privater Hand. Als Anlagemöglichkeit bieten sich stattdessen Co-Investmentfonds für Private Equity an.

Autor: Sebastian Römer, Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Mittelständische Unternehmen (KMU) sind kleine und mittlere Unternehmen mit einem Unternehmenswert zwischen 50 und 500 Millionen Euro. Sie sind meist in Nischen tätig, die von wirtschaftlichen Auf- und Abschwüngen weniger stark betroffen sind als Großunternehmen. Oft sind sie in der jeweiligen Nische sogar Marktführer und können auskömmliche Preise durchsetzen.

In schwierigeren Zeiten sind KMU in der Regel agiler und können schneller reagieren, indem sie beispielsweise die Kosten managen oder Investitionen reduzieren. Dank ihres geringeren Fremdkapitaleinsatzes und ihrer im Allgemeinen solideren Bilanzen können sie eine vorübergehende Verringerung des EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) und einen Anstieg ihrer Schulden leichter auffangen. Aber das Wichtigste für den Kapitalmarkt: Sie bieten in der Regel attraktivere Bewertungen als die großen Konzerne.

Investment über Small Caps oder PE-Fonds

Der Weg über eine Investition in börsengelistete Small Caps hat zwar den Vorteil einer breiten Diversifikation, einer gewissen Liquidität und einer standardisierten Transparenz der Unternehmen. Aufgrund der Eigentümerstruktur – vor allem im deutschen Mittelstand – ist jedoch die Börsen­notierung die Ausnahme; der Großteil der Mittelständler ist in privater Hand.

Für institutionelle Investoren bietet sich als Alternative die Beteiligung an einem Private-Equity-Fonds an. PE-Fonds finanzieren oftmals ähnliche Unternehmen und verheißen über konzentrierte Portfolios mit zehn bis 20 Investments hohe Renditen. Nachteile sind hier jedoch die Kostenstruktur der renommierten PE-Sponsoren und der limitierte Zugang zu erfolgreichen Fonds.

Co-Investmentfonds vorteilhafter

Co-Investments verbinden die Vorteile beider Konzepte: Erfahrene Co-Investmentfonds haben dank langer Beziehungen exklusiven Zugang zu den Topadressen im PE-Segment, können dadurch die Kosten reduzieren und durch Streuung auf mehrere Sponsoren eine breitere Diversifizierung für den einzelnen Kunden erreichen – und das bei gleich hohen Renditeerwartungen wie bei Direktinvestments.

Gleichwohl scheuen manche institutionelle Investoren die privaten Märkte, weil sie naturgemäß weniger transparent sind als die stark regulierten öffentlichen Märkte. Gerade ungelistete mittelständische Unternehmen haben in der Tat wenig Interesse daran, ihre Geschäftszahlen regelmäßig und detailliert zu veröffentlichen. Oft fehlen ihnen dafür auch die Ressourcen.

Doch gerade aus diesem Informationsdefizit speist sich der Wettbewerbsvorteil eines guten Private-Equity-Investors. Sein Ziel ist es, am Ende des Investitionszyklus das Unternehmen zu einem höheren Preis zu verkaufen, als er es gekauft hat. Was zunächst banal klingt, muss in der Regel durch Wertschöpfung und operative Verbesserungen erreicht werden; nur selten genügen Financial Engineering oder Multiple Arbitrage. Im Kern geht es darum, schon im Due-Diligence-Prozess das Potenzial für die spätere Wertsteigerung zu erkennen.

Beziehungen verhelfen zu Informationsvorsprung

Was dem Private-Equity-Investor dabei hilft, ist sein lokales Beziehungsnetz. Private-Equity-Transaktionen erstrecken sich in der Regel über mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate. Während dieses Prozesses engagiert der Investor Berater, Buchhalter und Anwälte und betreibt einen hohen Zeitaufwand, um jeden Winkel des Unternehmens zu erkunden. Dabei erhält er mehr Daten und Einsichten als jeder Analyst eines börsennotierten Unternehmens.

Der Aufwand dieses Verfahrens spiegelt sich in den Due-Diligence-Berichten wider. Wer einmal ein solches Werk zu einem Private-Equity-Fonds oder einem Unternehmen in den Händen gehalten hat, wird bestätigen, wie detailreich und präzise diese sind. Möglich ist dies, weil die Prüfungen ohne hohen Zeitdruck ablaufen. Dies gilt vor allem bei KMU, bei denen Vermittler nur eine geringe Rolle spielen. Weil Investoren dann keine Sorge haben müssen, dass ihnen ein anderer Käufer den Deal wegschnappt oder dass die Bank aufs Gaspedal tritt, um den Deal zu schließen, können sie ein Unternehmen in aller Ruhe und Gewissenhaftigkeit auf Herz und Nieren untersuchen.

Die persönliche Komponente ist im KMU-Segment viel wichtiger als am großen Ende des Marktes. Während dort meist Technokraten die Prozesse und Hierarchien führen, sind es im Mittelstand Unternehmerpersönlichkeiten, die den Unterschied machen. Auf sie einzugehen, erfordern Fingerspitzengefühl und lokale Vernetzung. Ein PE-Investor, der diese Klaviatur beherrscht, kann mehr und bessere Informationen erlangen als Analysten von börsennotierten Unternehmen. Und ein PE-Fonds, der auf langfristige und gedeihliche Beziehungen zu seinen Co-Investoren angewiesen ist, hat Interesse daran, diese Informationen mit ihnen zu teilen. Fehlende Transparenz sollte also keinen Co-Investor eines PE-Deals abschrecken.

Aktuelle Beiträge