Investoren definieren ihre Nachhaltigkeitspläne sehr unterschiedlich. Das „Versagen von Klimaschutzmaßnahmen“ und weitere durch den Klimawandel bedingte Gefahren werden im Global Risk Report 2022 des World Economic Forums als schwerwiegendste Risiken der nächsten Jahre eingeschätzt. Klimarisiko ist somit eine bedeutende Komponente unserer Wirtschaft und sollte damit auch im Pensions-Risikomanagement eine Rolle einnehmen.

Autoren: Dr. Maximilian Franke, Senior Investment Consultant bei Mercer Deutschland, und Cäcilia Lugauer, Senior Investment Consultant bei Mercer Deutschland

Bei der Zusammenarbeit mit unseren Kunden hat sich gezeigt, wie unterschiedlich ihre Nachhaltigkeitspläne sind. Einige legen den Schwerpunkt auf Klimarisiken, während andere sich mit Themen wie ethischen Werte oder sozialverträglichem Investment befassen. Der Schwerpunkt wird in der Regel durch die Branche bestimmt, in der sie tätig sind. Im Global Risk Report 2022 des World Economic Forums befürchten 42 Prozent der Befragten ein „Versagen von Klimaschutzmaßnahmen“, welches damit als die größte langfristige Bedrohung für die Welt und das Risiko mit den potenziell schwerwiegendsten Auswirkungen angesehen wird. Auch die am zweit- und drittschlimmsten befürchteten Risiken hängen mit dem Klimawandel zusammen. Dies zeigt, dass Klimarisiken eine bedeutende Komponente unserer Wirtschaft sind und damit auch im Pensions-Risikomanagement eine Rolle einnehmen müssen.

Herausforderungen an etablierte Risikomanagementverfahren

Es hat sich bisher als schwierig erwiesen, den Klimawandel für Investoren zu quantifizieren und in typischen Risikobewertungsmethoden zu berücksichtigen. Die Finanzmodelle, die heutzutage verwendet werden, wurden in einer Zeit entwickelt, in der lediglich (Human-)Kapital eine beschränkte Ressource war. Diese Modelle müssen in naher Zukunft um natürliche Ressourcen erweitert werden, um die daraus entstehenden Risiken besser verstehen zu können. Die Hauptkomplexität liegt darin, dass der Klimawandel kein homogenes Risiko ist, sondern vielmehr ein heterogenes „Risiko aus Risiken“, das sich um den gesamten Globus spannt.

Auch wenn die ersten Auswirkungen des Klimawandels schon heute zu sehen sind, sind die schlimmsten Auswirkungen erst in Jahrzehnten zu erwarten. Das sehr langfristige Denken fordert Anleger heraus: Der Zeitpunkt, die Geschwindigkeit und das Ausmaß sind ungewiss. Transitorische Maßnahmen, die eine Klimakatastrophe vermeiden könnten, sind unabdingbar und stellen die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfungskette vor Herausforderungen.

Anleger sind sich immer mehr ihrer Verantwortung bewusst, ihr Kapital möglichst wertstiftend für eine nachhaltige Wirtschaft einzusetzen. Die Motivation der Anleger ist nicht unbedingt altruistischer Natur. Durch eine entsprechende Allokation können Risiken vermieden werden. Anleger denken beim Thema Klimawandel auch nicht ausschließlich in Risiken, sondern sehen auch die Renditechancen.

Das durch den Klimawandel bedingte Kapitalanlagerisiko kann mit verschiedenen Instrumenten und Verfahren bewertet und überwacht werden, einschließlich der nachfolgend beschriebenen Top-Down-Modellierung.

Unterschiedliche Szenarien

Mercer erwartet, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf der Ebene der einzelnen Sektoren am deutlichsten zu spüren sind. Das geht einher mit einer divergierenden Performance. Ein stärkeres strategisches Denken von Investoren auf Sektorenebene wird notwendig.

Im Falle eines Zwei-Grad-Szenarios könnte es negative Auswirkungen auf die Renditen von Unternehmen aus Industrieländern geben, welche fossile Brennstoffe nutzen oder davon stark abhängig sind. Diese machen knapp 60 Prozent der Marktkapitalisierung der Industrieländer aus.

Das Risiko physischer Schäden wird wahrscheinlich in der nächsten Hälfte dieses Jahrhunderts am größten sein, kann sich aber schon heute auf die Preisgestaltung von Vermögenswerten auswirken, insbesondere von Sachwerten wie Infrastruktur. In Mercers Szenarioanalyse wurden die physischen Schäden in die Auswirkungen von Naturkatastrophen und in die Verfügbarkeit von Ressourcen unterteilt.

Wenn wir berücksichtigen, dass bereits ein Temperaturanstieg von einem Grad erreicht wurde, wird der Stellenwert von Maßnahmen, die über die bisherigen hinausgehen, deutlich. Eine entsprechende Klimapolitik wird für die Wirtschaft und Gesellschaft stark und verändernd sein. Neben den physischen Schäden sind die strukturellen Veränderungen und Maßnahmen für die Kapitalmärkte weitere Risikofaktoren.

Konkret werden die Übergangsrisiken durch Transformation und erforderlichen Investitionsausgaben aufgeteilt. Dies kann vor allem für die Unternehmen mit Kosten verbunden sein, die ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Diese Übergangsrisiken werden wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten größer als die physischen Schäden sein. Sie sind aber der Preis, der zu bezahlen ist, um die langfristigen Schäden zu vermeiden.

Investitionsausgaben

Übergangsfähigkeit

Naturkatastrophen

Natürliche Ressourcen

Rate der Investitionsausgaben, um den Übergang zu katalysieren

 

Entwicklung von Technologien und kohlenstoffarmen Lösungen sowie der internationalen, nationalen und subnationalen politischen Ziele, Gesetze und Vorschriften, die darauf abzielen, das Risiko eines weiteren vom Menschen verursachten Klimawandels zu verringern

 

Physische Schäden durch extremes Wetter (z. B. Dürre, Flut, Überschwemmung, Wirbelstürme)

 

Langfristige Änderungen des Wetters bzw. Klimas (z. B. bei Temperatur oder Niederschlägen) haben Auswirkungen auf die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen wie Wasser.

 

Neben den geschilderten Risikofaktoren ist ein wichtiges Element der Temperaturpfad und die Umsetzung der Maßnahmen in den nächsten Jahren.

Bei einem geordneten Übergang zu kohlenstoffarmen Technologien werden wir die Auswirkungen wahrscheinlich früher spüren. Es werden Investitionsmöglichkeiten erwartet, zum Beispiel in kohlenstoffarme Technologien und nachhaltige Infrastrukturen.

Das andere Extrem wäre ein ungeordneter Übergang: Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend und die gesetzten Ziele werden nicht erreicht. Die Emissionen steigen weiter. Dies würde bedeuten, dass die physischen Risiken hoch sind. Gleichzeitig sinkt mit jedem Jahr, in dem politische Maßnahmen und notwendige Innovationen hinausgezögert werden, die Wahrscheinlichkeit eines Transformationserfolgs.

Dies könnte Investitionen, die das Übergangsrisiko absichern sollen, entwerten. Zumindest kurzfristig könnte dieser Pfad günstiger erscheinen. Wir sollten jedoch beachten, dass ein Transformationsergebnis nach einer gewissen Verzögerung noch aggressivere politische Veränderungen mit entsprechend schnelleren und stärkeren Preisschocks nach sich ziehen würde. Ein plötzlicher, ungeordneter Übergang fände statt.

Wie können diese Erkenntnisse nun im Pensions-Risikomanagement verankert werden?

Die gewonnenen Informationen können als Grundlage für eine Reihe potenzieller Risikomanagemententscheidungen dienen. Wir sind der Meinung, dass plötzliche Veränderungen in der Realität wahrscheinlicher sind als ordentliche, gleichmäßige jährliche Auswirkungen auf die Rendite, weshalb Stresstests ein wichtiges Instrument zur Vorbereitung auf diese Eventualität sind.

Treuhänder sollten das Risikoniveau überprüfen. Wenn dies nicht vertretbar ist, sollte das Portfolio widerstandsfähiger gegenüber Übergangsrisiken aufgestellt werden. Obwohl es sich bei der Desinvestition um ein relativ stumpfes Instrument handelt, kann dies manchmal erforderlich sein. Eine ganzheitliche Due-Diligence-Prüfung hilft hier weiter. Gleichzeitig kann eine Allokation in nachhaltige Chancen Zugang zu neuen Renditequellen bieten.

Wie Sie prüfen können, ob Ihre Kapitalanlage sicher aufgestellt ist, erfahren Sie hier.

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