Liability-Driven-Investing (LDI) ist ein Risikomanagementkonzept, das typischerweise innerhalb der Kapitalanlage von Pensionsplänen mit Leistungszusagen (DB-Pläne) Anwendung findet. Es soll vor sinkenden Zinsen, die in bestimmten Szenarien eintreten können, schützen. Innerhalb eines robusten Governance-Prozesses kann es sinnvoll sein, ein Framework zur Umsetzung von LDI auch vorzubereiten, um in Szenarien gestiegener Zinsen handlungsfähig zu sein.

Autor: Dr. Maximilian Franke, Investment Consultant bei Mercer Deutschland

Liability-Driven-Investing (LDI) ist ein Risikomanagementkonzept innerhalb des Asset-Liability-Managements, das vor allem für Pensionspläne mit Leistungszusagen (DB-Pläne) geeignet ist, die mit Hilfe ihrer Kapitalanlage das Bilanzrisiko steuern möchten, das sich aus der bilanziellen Bewertung der Pensionsverpflichtungen ergibt. Eine bilanzielle Bewertung der Pensionsverpflichtungen findet über Annahmen für einen Rechnungszins und für Rentenanpassungen (Inflation) statt. Je nach Bilanzierungsstandard (beispielsweise IFRS oder HGB) gibt es unterschiedliche Vorgaben zum Rechnungszins.

Umsetzung von LDI

Für LDI sind die Bewertungsparameter nicht die alleinige Maßgröße, sondern auch die Sensitivität der Verpflichtungen gegenüber diesen Bewertungsparametern. Zur Messung der Sensitivität gibt es verschiedene Kennzahlen:

  • Duration: Die Duration bezeichnet die durchschnittliche Laufzeit bis zur Zahlung (des Barwerts) der Verbindlichkeiten. Die Einheit wird in Jahren angegeben. Die Duration beschreibt damit die Sensitivität eines Barwerts gegenüber (kleinen) Änderungen des Diskontsatzes. Faustregel: Eine Eine-Prozent-Verschiebung des Diskontsatzes nach oben/unten entspricht einer prozentualen Veränderung in Höhe der Duration des Gesamtbarwerts der Verpflichtungen nach unten/oben.
  • PV01: Der PV01 entspricht der Wertänderung der Gesamtverbindlichkeiten (Barwert in Euro) aufgrund einer Änderung des Diskontierungszinssatzes um einen Basispunkt (0,01 Prozent per annum).
  • IE01: Der IE01 entspricht der Wertänderung der Gesamtverbindlichkeiten (Barwert in Euro) aufgrund einer Änderung der Inflation um einen Basispunkt (0,01 Prozent per annum).

Pensionsverpflichtungen haben typischerweise eine hohe Duration. Je nach Alter des Mitarbeiterbestands liegen Durationen in Deutschland typischerweise zwischen 10 und 30 Jahren. Das impliziert, dass schon kleine Änderungen in den bewertungsrelevanten Faktoren signifikante Auswirkungen auf die bilanzielle Bewertung der Pensionsverpflichtungen haben können.

Ein Ziel von LDI kann sein, den Ausfinanzierungsgrad des Pensionsplans zu stabilisieren und gegen ungünstige Bewegungen der bewertungsrelevanten Faktoren zu immunisieren. Dies geschieht durch eine Einbettung von LDI in die Kapitalanlage des Pensionsplans. Durch LDI sollen Bewegungen in den Bewertungen der Verpflichtungen auf Seiten der Kapitalanlage repliziert werden.

Bei für die Bewertung der Verpflichtungen negativen Veränderungen der bewertungsrelevanten Faktoren verändert sich das Defizit mit und ohne LDI-Komponente im Portfolio wie folgt:

Dies impliziert aber wiederum auch, dass, wenn der Rechnungszins steigt oder die Inflation sinkt, kein LDI zu einem geringeren oder geschlossenen Defizit führt. Mit LDI wäre das Defizit auch in diesem Fall relativ konstant.

Anwendungsmöglichkeiten von LDI

Typischerweise ist LDI für Pensionspläne interessant, bei denen schon ein hoher Ausfinanzierungsgrad besteht und die mit ihrer Kapitalanlage das Ziel verfolgen, den erreichten hohen Ausfinanzierungsgrad beizubehalten beziehungsweise zu stabilisieren. Damit einher geht eine Bilanzoptimierung, indem die bewertungsrelevanten Faktoren der Verpflichtungen auf der Kapitalanlageseite repliziert werden. Im Ergebnis hat die Allokation eine höhere Sensitivität zu Zins und Inflation.

Wie stark Zins- und Inflation-Hedging in einer Allokation vertreten ist, kann über Zins- und Inflation-Hedge-Ratios definiert werden. Das Zins-Hedge-Ratio (Inflation-Hedge-Ratio) entspricht dem PV01 (IE01) der Kapitalanlage in Relation zum PV01 (IE01) der IFRS-Verpflichtungen. Das Hedge-Ratio selbst ist unabhängig von der Allokation in das Hedging-Portfolio. Je nach gewählten Instrumenten kann das Zins- und Inflationsrisiko auch durch Leverage implementiert werden, sodass bei einer fixen Allokation in das Hedging-Portfolio das Hedge-Ratio auch erhöht werden kann.

Es gibt verschiedene Instrumente, die für die Umsetzung von LDI in Frage kommen können. Die folgende Darstellung zeigt eine Auswahl an Instrumenten und Anlageklassen, die genutzt werden können:

Im Wesentlichen kann zwischen physischen und derivativen Instrumenten unterschieden werden, die einen direkten Bezug zu den bewertungsrelevanten Parametern haben können.

Gegenüber den physischen Instrumenten bieten Swaps den Vorteil, dass sie auch für längere Laufzeiten verfügbar sind und damit das Cashflow-Profil der Pensionsverpflichtungen besser abbilden können. Swaps bieten wie andere Derivate ebenfalls die Eigenschaft, dass das Exposure mit Leverage aufgebaut werden kann. Das bedeutet für LDI, dass mit weniger Kapitaleinsatz die gleiche Zins- und Inflationssensitivität erreicht wird wie mit physischen Instrumenten. Durch den geringeren Kapitaleinsatz können die Risiken abgesichert werden, gleichzeitig kann aber eine Allokation in renditeorientierte Anlageklassen zum weiteren Aufbau der Ausfinanzierung beibehalten werden.

Eine ausführlichere Einführung zum Thema LDI können Sie hier herunterladen.

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