Anleger sollten unabhängig von ihrem Ansatz für den Portfolioaufbau einen Teil ihres Vermögens in thematische Aktien investieren, meint Frank Böhmer, Head of Institutional Germany bei Pictet Asset Management.

Herr Böhmer, Ihr Haus propagiert thematische Aktienanlagen als Bausteine für ein diversifizierten Portfolios, warum?

Thematische Aktien investieren in Unternehmen mit unverwechselbaren Merkmalen. Solche Unternehmen sind in der Regel Spezialisten auf einem bestimmten Gebiet und in den dynamischsten Bereichen der Wirtschaft tätig. Aus diesen Gründen sind wir bei Pictet Asset Management überzeugt, dass sie ein hohes Potenzial für Kapitalwachstum haben.

Wie können thematische Investments in diversifizierte Investmentportfolios integriert werden?

Mithilfe von Methoden der Portfoliooptimierung können thematische Aktien effizient als Satelliten Investments in einem „Core-Satellite-Portfolio“ eingesetzt werden. Thematische Aktien können auch Bausteine für Anleger sein, die Kapital global allokieren und die Welt nach Regionen oder Länder einteilen. Hier empfehlen wir ein „globales Carve-out“ der Portfolios.

Können Sie diese Strategien näher beschreiben?

Für Anleger, die ohne großen Aufwand thematisch investieren möchten, bietet sich die “Core-Satellite-Strategie” an. Bei diesem Ansatz wird das Portfolio zweigeteilt: Der „Core-Teil“ beinhaltet traditionelle Anlagen wie Aktien und Anleihen und strebt die Erzielung der Marktrendite („Beta“) an. Im Gegensatz dazu investieren die „Satelliten“, die zwar kleiner sind, aber bis zu einem Viertel des Gesamtkapitals eines Portfolios ausmachen können, in unkonventionelle Anlagen. Allokationen in Satelliten erfolgen entweder langfristig – mindestens drei Jahre – oder für kürzere Zeiträume im Rahmen einer taktischen Anlagestrategie. In jedem Fall besteht das Anlageziel entweder darin, zusätzliche Alpha-Quellen zu erschließen – das heißt eine Rendite, die über derjenigen des Marktes liegt oder unabhängig von der Marktrendite ist –, oder das Risiko zu diversifizieren.

Ist dies ein effizientes Vorgehen?

Thematische Aktien sind aus mehreren Gründen effiziente Satelliten-Investments. Zunächst einmal werden Themenaktien von Unternehmen ausgegeben, die keinen bedeutsamen Platz in großen Indizes wie dem MSCI World einnehmen. Das Universum thematischer Investments enthält einen größeren Anteil an spezialisierten Unternehmen mit relativ geringer Kapitalisierung und Schwellenländeraktien. Hinzu kommt, dass das Angebot thematischer Investments breit gefächert ist – es gibt fast genauso viele Themenaktien wie in traditionellen globalen Aktienindizes vertretene Unternehmen.

Wie gewährleiten Sie ein effizientes Portfolios?

Um die Effizienz von thematischen Aktien als Satelliten-Investments zu gewährleisten, führen wir bei Pictet Asset Management eine Analyse mithilfe einer Portfoliooptimierung durch. Dabei werden Kennzahlen wie Rendite, Volatilität und Korrelation von Anlagen herangezogen, um festzustellen, mit welcher Kombination von Wertpapieren sich das optimale Portfolio zusammenstellen lässt. Das optimale Portfolio für eine bestimmte erwartete Rendite ist dasjenige mit der niedrigsten erwarteten Volatilität.

Gibt es eine optimale Allokation in Themenaktien?

Sehr gute Frage. Dazu haben wir mehrere Untersuchungen durchgeführt. Eine aktuelle Analyse dazu zeigt, dass ein optimales „Core-Satellite-Portfolio” abhängig vom Renditeziel eines Anlegers 20 Prozent seines Gesamtkapitals thematischen Aktien zuweisen würde. Um die Validität dieser Beobachtungen zu überprüfen, haben wir eine zweite Studie mit anderen Variablen durchgeführt. Diese Analyse basiert auf einer Portfoliosimulation anhand historischer Daten der vergangenen zehn Jahre. In diesem Fall verteilt sich das Vermögen des Basisportfolios wie folgt: 60 Prozent globale Aktien und 40 Prozent globale Anleihen; es werden dieselben Indizes wie bei der ersten Studie herangezogen. Die Daten zu den thematischen Aktien werden aus denselben Quellen und mit derselben Methodik bezogen. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass sich das optimale Portfolio aus einer Kernallokation zusammensetzt, deren Anlagen sich gleichmäßig auf die verschiedenen Anleihen verteilen, ergänzt um eine Allokation von 18 Prozent in thematische Aktien. Die Volatilität ist bei diesem Kern-Satelliten-Portfolio genauso hoch wie bei einem Aktien-Anleihen-Portfolio im Verhältnis 60/40, aber die Rendite ist höher.

Sie sprachen vorher noch thematische Aktien als Carve-out an. Können Sie diesen Ansatz noch näher erläutern?

Auch wenn der „Core-Satellite-Ansatz” recht beliebt ist, nehmen die meisten professionellen Investoren ihre Kapitalallokation nach Regionen vor. Bei dieser Strategie wird das Investmentuniversum in große regionale Blöcke wie Nordamerika, Westeuropa und Asien-Pazifik-Raum unterteilt. Auf den ersten Blick scheinen thematische Aktien in einem solchen Portfolio nicht gerade gut aufgehoben zu sein. Thematische Anlagestrategien sind meist von Natur aus global, überschreiten regionale Grenzen.

Dennoch spricht vieles dafür, eine Allokation in „anderen globalen Aktien“ neben größeren regionalen Allokationen aufzubauen. Bei regionalen Investments geht es darum, das Kapital auf Anlagen zu verteilen, die sich nicht im Gleichschritt entwickeln, aber dieser Ansatz hat auch seine Tücken. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass sich die regionalen Aktienmärkte synchron entwickeln können, vor allem in Zeiten hoher Volatilität. Daher kann die Integration einer differenzierten globalen Anlageklasse wie thematischen Aktien helfen, Risiko- und Renditequellen zu diversifizieren. Einige thematische Aktienstrategien sind als Ergänzung regionaler oder länderbasierter Portfolios besser geeignet als andere. Am besten funktionieren Strategien, die in mehrere Anlagethemen gleichzeitig investieren und somit breiter diversifiziert sind; sie können daher einen größeren Teil einer globalen Aktienallokation ausmachen.

Thematische Aktien sollen somit als Instrument zur Portfoliodiversifizierung dienen?

Richtig, wir bei Pictet Asset Management sind der Meinung, dass ein globales Portfolio mit Investments in einen diversifizierten Korb ergänzender thematischer Aktien eine potenziell effizientere Kapitalallokation ermöglicht als ein Portfolio, das mit traditionellen regionalen Bausteinen zusammengestellt wird. Und last but not least deuten unsere Analysen darauf hin, dass ein auf mehreren Themen basierendes thematisches Aktienportfolio Risiko- und Renditequellen genauso effektiv diversifizieren kann wie Anlagen, die durch einen globalen Aktienindex abgebildet werden.

Herr Böhmer, vielen Dank für das Gespräch.

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