Der Alte Kontinent hat ein technologisches Erwachen erlebt und könnte jetzt vor einem goldenen Zeitalter stehen. Investments in Europas Tech-Werte sind daher spannender denn je.

Autor: Thomas Hodges, Investmentspezialist für europäische Aktien bei Baillie Gifford

Alle Anlagestrategien können Gewinne und Verluste mit sich bringen, und Ihr Kapital oder das Ihrer Kunden kann einem Risiko ausgesetzt sein.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir den kometenhaften Aufstieg der Tech-Giganten erlebt. Ihr Einfluss auf unser Leben und auf die Aktienmärkte ist enorm. Die hinter gebräuchlichen Abkürzungen wie FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und die Google-Mutter Alphabet) oder BAT (Baidu, Alibaba und Tencent) stehenden Unternehmen haben in den USA und China einen Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar erreicht.

Europa hingegen hat relativ wenige dieser Erfolgsgeschichten hervorgebracht. Wenn es um digitale Plattformen geht, hat Europa einfach nicht Schritt gehalten. Es ist jedoch an der Zeit, diesen Befund zu revidieren; denn die Zukunft sieht viel rosiger aus als die jüngste Vergangenheit. Europa hat in den vergangenen Jahren eine Art technologisches Erwachen erlebt und verfügt jetzt, da sich das Umfeld ändert, über ein Ökosystem, das von Dauer ist.

Kapital im Tech-Sektor hat sich verfünffacht

Die Grundlagen dafür wurden in einer Zeit geschaffen, in der Kapital im Überfluss vorhanden war und geduldige, unterstützende Investoren auftauchten. Diese starke Kombination hat eine Welle von europäischen Unternehmern hervorgebracht, die bereit sind, es mit der Welt aufzunehmen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich das in das europäische Tech-Ökosystem investierte Kapital mehr als verfünffacht – und zwar auf kolossale 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021, was die 22 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2017 in den Schatten stellt. Auch die Zahl der europäischen Tech-„Unicorns“ (Unternehmen mit einem Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar) hat sich zwischen 2014 und 2021 mehr als verfünffacht. Und europäische Politiker wie etwa der französische Staatspräsident Macron sprechend davon, dass Europa bis 2030 zehn Tech-Giganten im Wert von 100 Milliarden Euro hervorbringen soll.

All dies wäre ohne einen Wandel der Ambitionen nicht möglich gewesen. Die florierenden Tech-Ökosysteme in verschiedenen europäischen Städten – von Amsterdam über Berlin bis Stockholm – haben ein Umfeld geschaffen, das es Unternehmern ermöglicht, sich ehrgeizige Ziele zu stecken. Und sie streben hoch hinaus. Daniel Ek von Spotify nimmt es im Bereich Musikstreaming mit den amerikanischen Giganten Apple und Amazon auf, während Pieter van der Does von Adyen einen wahrhaft globalen Champion im Zahlungsverkehr geschaffen hat. Erfolg gebiert Erfolg: Ek und van der Does inspirieren die nächste Generation, und so verstetigt sich die Geschichte.

Diese neuen technologiebasierten Unternehmen waren lange die Helden der Aktienmärkte, sind aber in letzter Zeit in Ungnade gefallen. Da sich das wirtschaftliche Umfeld verändert hat, sind die Bewertungen weitaus schneller gesunken als der breite Markt, und Kommentatoren haben viele Geschäftsmodelle mit Hohn und Spott überschüttet. Es stimmt, dass der Überschuss an Kapital im System zu einer Überfinanzierung einiger Vermögenswerte geführt hat. Dieses Phänomen hat es in der Geschichte immer wieder gegeben, von den amerikanischen Eisenbahnen im 19. Jahrhundert bis heute. Nun sehen sich die Unternehmen mit erhöhten Finanzierungskosten konfrontiert – eine existenzielle Bedrohung für diejenigen, die eine hohe Cash-Burn-Rate haben und deren Wachstum von externem Kapital abhängt. Für die etablierteren und besser kapitalisierten Unternehmen ist dies jedoch eine Chance.

Goldenes Zeitalter steht bevor

Wir glauben, dass wir in der Zukunft eine Reihe von Bereinigungen im Wettbewerb sehen werden, da wir von der „Sturm und Drang“-Phase in die Phase der Anwendung und damit des goldenen Zeitalters der technologischen Revolution übergehen (um es mit den Worten von Professor Carlota Perez zu sagen). Aus diesen Umwälzungen werden die Gewinner in zuvor wettbewerbsintensiven Branchen hervorgehen. Für uns gibt es in unseren europäischen Aktienportfolios kein offen-sichtlicheres Beispiel als den Online-Lebensmittelversand. Das veränderte Finanzierungsumfeld wird die Markteintrittsbarrieren erhöhen, was wahrscheinlich einen erheblichen Druck auf jüngere, kleinere Konkurrenten ausüben wird, wovon große Unternehmen wie Just Eat Takeaway.com und Delivery Hero profitieren werden. Wir haben bereits gesehen, dass Unternehmen wie Gorillas, Getir und Zapp eine Reihe von Stellenstreichungen vorgenommen haben. Just Eat Takeaway.com und Delivery Hero können ihre Größe und ihre Erfolgsbilanz beim Aufbau eines profitablen operativen Geschäfts nutzen, um die Lücken zu füllen, die ihre Konkurrenten durch den Rückzug hinterlassen. Diesen Effekt haben wir vor einigen Jahren bei HelloFresh erlebt, als das Unternehmen seine Konkurrenten überlebte und so noch mehr Marktanteile erobern konnte. Wir gehen davon aus, dass dies auch in anderen, sogar nicht auf Technologie basierenden Branchen der Fall sein wird.

Europa-Investments sind spannender denn je

Die Unternehmen, die es noch nicht an die Börse geschafft haben, werden aufgrund der geringeren Liquidität, die ihnen zur Verfügung steht, gezwungen sein, anpassungsfähiger und letztlich auch langlebiger zu werden. Sie werden ihre Barbestände klug verwalten müssen und dazu angehalten sein, stärkere Wettbewerbsvorteile zu entwickeln, anstatt Wachstum um des Wachstums willen zu verfolgen. Für uns als europäische Investoren bedeutet dies, dass wir zunehmend Zugang zu wachstumsstarken, qualitativ hochwertigen Unternehmen haben werden, sobald diese auf den Markt kommen.

Europa steht vor zahllosen Problemen, die für Schlagzeilen sorgen – aber mangelnder unternehmerischer Elan gehört sicher nicht dazu. Die Zeit, in der wir in europäische Unternehmen investieren können, ist spannender als je zuvor, was durch die Fülle an bahnbrechenden Technologieunternehmen, in die wir jetzt investieren können, unterstrichen wird. Der irrationale Hype mag sich zwar dem Ende zuneigen, aber das wirklich goldene Zeitalter für die europäische Technologiebranche könnte gerade erst beginnen.

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