Gesunkene Zinsen und die sehr gute Performance haben 2019 sowohl Pensionsverpflichtungen als auch Planvermögen auf ein Rekordniveau gehoben. Die aktuelle Krise trifft die Unternehmen aber an beiden Flanken negativ, schreibt Manfred Mönch.

Das Volumen der bilanzierten Pensionsverpflichtungen hängt stark von der Höhe des zu ihrer Berechnung verwendeten Diskontsatzes ab. Angesichts des gegenüber dem Vorjahr auf 1,1 Prozent fast halbierten Diskontsatzes sind die Verpflichtungen der 90 DAX- und MDAX-Unternehmen 2019 um nahezu ein Sechstel auf ziemlich genau eine halbe Billion Euro angestiegen. Gut zwei Drittel davon entfallen auf inländische Leistungsversprechen, mehr als vier Fünftel decken die DAX-Unternehmen ab. Die durchschnittliche Duration der Verpflichtungen schwankt je nach Unternehmen zwischen 12 und 23 Jahren und hat sich 2019 im Mittel aller Unternehmen um fast ein Jahr auf über 17 Jahre erhöht.

Aber auch das zur Finanzierung der Verpflichtungen bereitgestellte Planvermögen wuchs 2019 sehr dynamisch. Die 30 DAX-Unternehmen verwalteten Ende 2019 ein Planvermögen von rund 277 Milliarden Euro, die 60 Betriebe aus dem MDAX zusätzlich rund 50 Milliarden. Insgesamt ergibt sich daraus mit gut 65 Prozent ein leicht geringerer Ausfinanzierungsgrad als im Vorjahr, der allerdings je nach Unternehmen zwischen 0 und fast 100 Prozent schwankt. Bei DAX-Unternehmen ist der Wert mit knapp 67 Prozent etwas höher als bei den MDAX-Vertretern. Der Ausfinanzierungsgrad inländischer Verpflichtungen ist zudem leicht geringer, da in Deutschland – anders als in Ländern wie zum Beispiel der Schweiz – keine Mindestunterlegung vorgeschrieben ist. Das Kapitalanlagevolumen hat sich seit 2008 damit mehr als verdoppelt. Von den rund 327 Milliarden Euro betreffen mehr als 60 Prozent inländisches Planvermögen.

Renditen zwischen 2,6 und 15 Prozent

2019 haben die Unternehmen eines der besten Anlagejahre verzeichnen können. DAX/MDAX-Unternehmen mit einem Mindestanlagevolumen von 500 Millionen Euro haben eine Marktwertrendite zwischen 2,6 und 15 Prozent erzielt. Der kapitalgewichtete Mittelwert (Median) betrug 10,2 Prozent (10,7). Im Vorjahr lag der Wert bei -2 Prozent.

Für den Zeitraum der letzten zwölf Jahre seit 2008 erzielten die untersuchten Unternehmen durchschnittlich eine jährliche Rendite von knapp 5 Prozent p.a. (geometrisches Mittel). Der Wert schwankt jedoch von Unternehmen zu Unternehmen erheblich zwischen 2,5 und 7,3 Prozent p.a. Von den DAX/MDAX-Unternehmen verwalten 33 Unternehmen ein Milliardenvermögen, 18 davon ein Planvermögen von mindestens 5 Milliarden Euro. Das Kapital wird überwiegend in ausgelagerten Treuhandstrukturen (CTA) verwaltet. Darüber hinaus nutzen einige Unternehmen auch rechtlich eigenständige Pensionskassen, Pensionsfonds oder Unterstützungskassen.

Anteil von Fixed Income sinkt leicht

Das Anlagevolumen von 327 Milliarden Euro war Ende 2019 wie folgt angelegt: Die wichtigste Asset-Klasse ist mit rund 55 Prozent weiterhin der Bereich der festverzinslichen Anlagen (direkte und indirekte Bond-Anlagen). Ihr Anteil ist in den letzten Jahren von über 60 Prozent allerdings leicht gesunken. Unternehmensanleihen machen davon gut 60 Prozent und damit deutlich mehr als Staatsanleihen aus.

Die Aktienquote liegt seit 2009 zwischen 20 und 25 Prozent, betrug vor der Finanzkrise jedoch deutlich über 30 Prozent. 2019 ist die Quote um 1,5 Prozentpunkte auf rund 21,5 Prozent angestiegen. Bei knapp zwei Drittel der Pensionsvermögen ist die Quote überwiegend marktbedingt deutlich angestiegen, bei gut einem Drittel nahezu konstant geblieben oder vereinzelt sogar gesunken.

Der Immobilienanteil ist leicht auf gut ­4 Prozent gesunken. Alternative Anlagen wie Private Equity, Hedgefonds oder Infrastrukturanlagen machen fast 7 Prozent aus. Den Rest decken Mischanlagen, Versicherungslösungen und Liquidität ab, wobei Letztere 2019 um rund 2 Milliarden Euro abgebaut wurde.

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