Am 1. Januar 2020 ist das neue Finanzierungssystem der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse (KZVK) in Kraft getreten. Eckhard Bergmann berichtet.

Was lange währt, wird endlich gut, sagt das Sprichwort. 18 Jahre liegt die Entscheidung der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse des Verbandes der Diözesen Deutschlands (KZVK) zurück, die Rentenfinanzierung der Pensionskasse vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren umzustellen. Sie bildete den Ausgangspunkt für die notwendige Neukonzeption des Finanzierungssystems.

Juristische Auseinandersetzungen und schließlich ein richtungsweisendes Urteil des Bundesgerichtshofs 2015 zur Unwirksamkeit der seit 2002 erhobenen Sonderbeiträge, aber auch eine Neugestaltung von Satzung und Gremien insbesondere hinsichtlich Governance und Aufsicht säumten den Weg bis zur Einigung auf das neue Finanzierungssystem.

Abrechnungsverbände werden zusammengelegt

Herausgekommen ist ein komplexes Finanzierungssystem. Kernpunkt ist die Zusammenlegung der beiden bisherigen Abrechnungsverbände der Pflichtversicherung zu einem gemeinsamen, offenen Verband – nicht zuletzt, um mehr Flexibilität und Renditeorientierung in der Kapitalanlage nutzen zu können. Gleichzeitig sollen die unterschiedlichen Deckungsgrade der beiden bisherigen Verbände angeglichen werden, um gefühlte Ungleichbelastungen der Beitragszahler auszuräumen. Dies geschieht durch einen temporären Sonder- oder Angleichungsbeitrag, der sich über die sieben Jahre der Übergangsfrist auf eine Größenordnung von etwa 1,2 Milliarden Euro addiert.

Zudem geht es um eine Reduzierung der seit 2002 aufgelaufenen Finanzierungslücke. Sie betrug zuletzt 7,5 Milliarden Euro und geht auf die Rückzahlung der 2015 für unwirksam erklärten Sonderbeiträge, eine anfängliche Unterschätzung des Rückstellungsbedarfs sowie die 2002 noch nicht absehbare, zunehmende Niedrigzinsproblematik zurück.

„Diese Lücke ist natürlich unstrittig ein Problem“, konzediert Dr. Oliver Lang, das zuständige Vorstandsmitglied für die Kapitalanlage, „sie hat aber nichts mit einer Insolvenzgefahr zu tun.“ Sie bedeutet vielmehr, dass die weit in die Zukunft reichenden künftigen Zahlungsverpflictungen durch den heutigen Kapitalanlagebestand nur zu cirka 72 Prozent bedeckt sind. Langfristig soll dagegen als Zielwert ein Deckungsgrad in Richtung 90 Prozent angesteuert werden, so der ­heutige Planungsstand.

KZVK: Aufstockung des Kapitaldeckungsgrades

Wie soll dieses Ziel erreicht werden? Durch ein Drehen an der Beitragsschraube jedenfalls nicht – abgesehen von einem noch geplanten einmaligen Beitragssprung am Ende der Übergangsphase ab 2027. Das setzt voraus, dass der bisherige aktuarielle Rechnungszins von 3,25 Prozent gehalten werden kann.

Einen entscheidenden Beitrag hat deshalb die Kapitalanlage zu leisten. Und das Mittel dazu ist eine deutlich stärkere Ausrichtung der Allokation auf Realwerte. Dies kommt in der Zweiteilung der Gesamtanlage in ein ALM- und ein Renditeportfolio deutlich zum Ausdruck. Das ALM-Portfolio zielt auf die sichere Erfüllung der versicherungsseitigen Zahlungsverpflichtungen ab, das Renditeportfolio auf die langfristige Erfüllung der Ertragsziele.

Durch die Zusammenlegung der Abrechnungsverbände wird es möglich, dem Renditeportfolio größeres Gewicht zu geben. Über die nächsten fünf Jahre soll daher das Verhältnis beider Teilportfolios von einer 50:50-Gewichtung in Richtung „ein Drittel zu zwei Drittel“ ansteigen.

Das ALM-Portfolio, das sich ausschließlich aus festverzinslichen Wertpapieren im Direktbestand zusammensetzt, wird somit kaum noch wachsen. Das hat den Vorteil, dass seine Rendite dank der Altbestände im Wesentlichen bekannt ist, sodass in fünf oder sechs Jahren in diesem Teilportfolio immer noch mit einer Rendite oberhalb 2,5 Prozent gerechnet werden kann.

Mit fast 1,3 Millionen versicherten Personen, rund 176.000 Rentenempfängern, mehr als 5.800 beteiligten Arbeitgebern und insgesamt über 14.000 Abrechnungsstellen sowie einer Kapitalanlage von etwa 19,9 Milliarden Euro gehört die KZVK zu den größten Pensionskassen in Deutschland.

Vorstandsvorsitzende Mitzlaff bleibt bis 2026

Der Aufsichtsrat der KZVK hat in seiner Sitzung am 12. März 2020 beschlossen, den Vertrag mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Ulrich Mitzlaff um fünf Jahre bis zum 31. März 2026 zu verlängern. Mitzlaff (52) ist seit April 2017 in dieser Funktion tätig. Zuvor war er bei der Zurich Gruppe Deutschland tätig.

Lesen Sie mehr über die KZVK und das vollständige Interview mit Dr. Oliver Lang in unserer aktuellen Printausgabe. Um Sie auch in Zeiten der Krise bestmöglich mit Informationen zu versorgen, stellen wir Ihnen die April/Mai-Ausgabe der dpn auch kostenlos als E-Paper zur Verfügung. Bitte registrieren Sie sich hier.

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