Mercer-Studie: Verpflichtungswerte im DAX 30 steigen auf 407 Milliarden Euro, Pensionsvermögen klettert auf 266 Milliarden Euro

Der Wert der Pensionsverpflichtungen der DAX 30-Unternehmen ist im Jahr 2020 von etwa 389,9 Milliarden Euro auf etwa 407 Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig wuchs das Pensionsvermögen im IFRS-Abschluss von 258,6 Milliarden Euro auf etwa 266 Milliarden Euro. Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen beträgt etwa 65 Prozent und ist gegenüber dem Vorjahr mit damals 66 Prozent leicht gesunken. Damit hat sich das Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen deutlich besser entwickelt, als es der Kapitalmarkt erwarten ließ. Zu diesen Ergebnissen kommt die Beratungsgesellschaft Mercer in einer Hochrechnung auf der Basis der Geschäftsberichte der DAX 30-Unternehmen, die bis zum 17. März veröffentlicht wurden, sowie aktueller Kapitalmarktinformationen.

Im Jahr 2020 haben Lufthansa und Wirecard den DAX 30 verlassen, Deutsche Wohnen und Delivery Hero kamen neu hinzu. Aufgrund dieser strukturellen Veränderungen im DAX 30 ging der Verpflichtungswert von 414,6 Milliarden Euro um 24,7 Milliarden Euro auf 389,9 Milliarden Euro zurück. Durch Währungsumrechnungen, Änderungen im Konsolidierungskreis und Sondereffekte sank der Verpflichtungswert um weitere 9 Milliarden Euro. Dies wurde teilweise kompensiert durch den weiter gesunkenen Rechnungszinssatz.

Dadurch stieg der Verpflichtungswert bis zum Jahresende auf etwa 407 Milliarden Euro, also um gut 17 Milliarden Euro bzw. etwa 4 Prozent, an. „Aufgrund der extremen Zinsschwankungen zu Beginn der Corona-Pandemie war das Zinsniveau zum Jahresende ungewiss“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland. „Tatsächlich ging der Zins im letzten Quartal noch einmal um 0,15 Prozentpunkte nach unten. Insgesamt haben die DAX-Unternehmen den Rechnungszins im Jahr 2020 um etwa 0,4 Prozentpunkte gesenkt.“

Hohe Divergenz bei den Ergebnissen der Kapitalanlage im DAX 30

Durch die geänderte Zusammensetzung des DAX 30 sank das Pensionsvermögen 2020 um etwa 18 Milliarden Euro. Das Pensionsvermögen in der neuen Zusammensetzung des DAX 30 belief sich zum 1. Januar 2020 auf 258,6 Milliarden Euro und stieg im Laufe des Jahres auf 265,5 Milliarden Euro. Da die Ein- und Auszahlungen in etwa gleich hoch waren und das Pensionsvermögen damit nicht nennenswert verändert haben, bedeutet das Ansteigen eine positive Rendite von etwa 3 Prozent inklusive Währungsumrechnungseffekten.

Analysen von Mercer haben ergeben, dass sich die Planvermögen der DAX-Unternehmen bis Ende 2020 positiver entwickelt haben, als es sich mit einer unveränderten Asset-Allocation zu Jahresanfang und einer Asset-Entwicklung gemäß angenommener Benchmark ergeben hätte. So ließ sich durch unterjährige Anpassungen der Strategien und der tatsächlichen Kapitalmarktrendite im Vergleich eine Steigerung um circa 11 Milliarden Euro im Vergleich zur Prognose erzielt werden.

Die durchschnittliche gleichgewichtete Gesamtrendite über alle Unternehmen hinweg betrug 3,3 Prozent. Die Rendite weist zwischen den einzelnen Unternehmen jedoch eine deutliche Schwankungsbreite auf. Zwar bewegt sich die prozentuale Rendite des Planvermögens bei den meisten Unternehmen zwischen 1,1 Prozent und 5,5 Prozent, bereinigt um etwaige Zuführungen und Entnahmen. Einzelne Unternehmen konnten aber auch Renditen oberhalb von 12 Prozent am Kapitalmarkt erzielen. Im Gegensatz dazu gab es auch vereinzelt Unternehmen, die eine deutliche prozentuale Reduktion des Planvermögens von knapp 10 Prozent verzeichnen mussten.

Schwankende Währungskurse

Einen signifikanten Einfluss auf die Renditen und somit auch auf die Entwicklung des Planvermögens im vergangenen Jahr hatten auch Schwankungen und Veränderungen der einzelnen Währungskurse. Stand der US-Dollar zum 31. Dezember 2019 noch bei 0,89 Euro, fand bis Ende 2020 eine deutliche Abwertung von circa 8 Prozent auf 0,82 Euro statt. Aufgrund von Währungskursveränderungen in 2020 wurde die Gesamtrendite um ca. 1,7 Prozentpunkte reduziert. Ohne diesen Effekt hätte die durchschnittliche gleichgewichtete Gesamtrendite bei 5 Prozent gelegen.

Im vergangenen Jahr ist die durchschnittliche berichtete Aktienquote der Unternehmen im Schnitt von 19,1 Prozent auf 18,6 Prozent gesunken. Analog zu den unterschiedlichen Ergebnissen am Kapitalmarkt wählten Unternehmen in Bezug auf die Aktienquote als Reaktion auf die Krise verschiedene Ansätze. In Einzelfällen sind deutlich größere Veränderungen zu beobachten als die genannten moderaten Anpassungen. So wurden die Quoten im Vergleich zum Vorjahr bei einzelnen Unternehmen nahezu halbiert. Teilweise hoben Unternehmen sie auch um 5 bis 7 Prozentpunkte an.

„In der hohen Divergenz der Ergebnisse zeigt sich die Relevanz von taktischen Entscheidungen und Umschichtungen in Krisen. Unternehmen, die diese Chancen in 2020 genutzt haben, konnten hierdurch höhere Renditen generieren,“ sagt Jeffrey Dissmann, Leiter Investment Consulting bei Mercer Deutschland.

 

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