Auf dem dpn-Roundtable äußerte sich Martin Thiesen, Geschäftsleitung der Metzler Pension Management GmbH, zum Asset Liability Management in Krisenzeiten.

Herr Thiesen, wie sollten Investoren im ALM reagieren?

Da wir viele unterschiedliche Anlagekonzepte von Kunden im Pensionsfonds umsetzen, können und sollten wir bei unserem Pensionsfonds nicht so kurzfristig reagieren. Wir müssen uns eine langfristig solide Asset Allocation mit verschiedenen Szenarien anschauen und über die ALM-Studie ableiten, darin sind Extremereignisse wie die aktuellen Reaktionen der Kapitalmärkte prinzipiell abgebildet. Es wird und soll uns nicht die eine Asset-Klasse wegbrechen, und es wird uns auch nicht die eine Asset-Klasse aus dem Schlamassel herausziehen. Vielmehr kommt es darauf an, in der strategischen Asset Allocation gut diversifiziert zu sein, sich das Risiko der einzelnen Asset-Klassen anzuschauen, zu entscheiden, ob man sie einbeziehen möchte, und schließlich einen soliden Aufsatz zu wählen.

Eine ALM-Studie ist das richtige Mittel, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie man aufgestellt sein möchte. Als Nächstes sollte man einfache Stresstests für einzelne Szenarien durchführen. Daraus erschließt sich einerseits, wie viel Risiko beispielsweise in Form von Aktien und Spreads man sich vorstellen kann, und andererseits, welche Ausschläge man jeweils in einer solchen Krise aushalten kann, gemessen daran, wie viele Anteile der jeweiligen Asset-Klasse man aus der strategischen Asset Allocation abgeleitet hat. Der dritte Schritt wäre, das Portfolio so aufzustellen, dass man bei Bedarf kurzfristig reagieren kann. Aktives Management wird immer wichtiger, um bei Verwerfungen an den Märkten in einzelnen Asset-Klassen schnell reagieren zu können.

Wichtig ist beim ALM zudem, nicht nur auf das A, also die Kapitalanlage, sondern stärker auch auf das L, die Verpflichtungen, zu schauen. Die in der Krise rauslaufenden Credit Spreads – insbesondere für die schlechter gerateten Anleihen – betreffen vor allem die Kapitalanlageseite, aber auch über die AA-gerateten Anleihen in der internationalen Rechnungslegung die Bewertung der Verbindlichkeiten. Ende 2019 hatten wir enorm niedrige Diskontraten von rund 1 Prozent bei den meisten international bilanzierenden Unternehmen. Im Januar und Februar 2020 waren die Diskontraten eher stabil oder vielleicht sogar wieder auf dem Weg nach Süden, was die Bilanzsituation aufgrund der gestiegenen Verbindlichkeiten wieder angespannt hat. Dann kam die Credit-Spread-Ausweitung über alle Rating-Klassen hinweg. Das hat sich auch auf der L-Seite widergespiegelt: Ende März sehen wir in den Bewertungen wieder Sätze von 1,60 bis 1,70 Prozent für die IFRS-Liabilities. Die Ausweitung haben wir natürlich auch auf der A-Seite gesehen in Form einer negativen Marktwertentwicklung, aber die Auswirkung auf die Ausfinanzierung wurde durch die gesunkenen Liabilities abgefedert.

Ist man bei der Asset Allocation solide aufgestellt, schafft man aus der ALM-Sicht für die Bilanz und die Auswirkungen auf das Unternehmen im Pensions-Bereich die Grundlage für ein gutes Risikomanagement. Das muss flexibel sein, um bei Bedarf auch kurzfristig auf größere Verwerfungen reagieren zu können. Hier haben sich einfache Stresstests bewährt, mit denen sich unter Betrachtung der Kapitalanlage in Verbindung mit den Verbindlichkeiten auf einem Blatt Papier durchrechnen lässt, ob man noch weitere negative Schocks aushalten könnte.

Im Pensionsfonds sind wir zudem in einer regulierten Welt: Ausfinanzierungsgrade und Überdeckungen, bezogen auf die Mindestdeckungsrückstellungen, müssen wir der BaFin immer fortlaufend melden. Die Visibilität des eventuellen Risikos, dass Trägerunternehmen in einer ohnehin angespannten Situation Mittel in eine ausgelagerte Pensionszusage nachschießen müssen, ist der Aufsicht überaus wichtig. Insbesondere dann, wenn dieses Risiko mit negativen Effekten aus der aktuellen Krise verbunden ist, wie zum Beispiel mit wegbrechenden Umsätzen.

Lesen Sie das gesamte Gespräch zum Thema Asset Liability Management in der aktuellen dpn-Sonderausgabe Mai 2020.  Zu Gast waren Horst Grögler, Head of Pension Asset Management der TRATON SEDr. Nicolas Vogelpoth, SVP und Head of Asset Management & Quantitative Strategy bei Uniper, Eberhard Haug, Director Asset Management – Liquid Assets bei EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Wolfgang Murmann, Head of Solutions Germany von Insight Investment, Martin Thiesen, Geschäftsleitung der Metzler Pension Management GmbH, und Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director und Head of Sales and Client Management bei Willis Towers Watson.

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