Die Niedrigzinspolitik wäre leichter zu ertragen, wenn die Aufsichtsregeln in sich abgestimmter wären. Karl Ruffing, Bereichsleiter für die Kapitalanlage des WWK-Konzerns, im Gespräch.

Niedrige Zinsen und hohe Volatilitäten haben das Umfeld verändert. Ist Ihr Geschäftsmodell noch intakt?

Mit dieser Frage ist hauptsächlich die konventionelle Lebensversicherung mit ihrem Garantiezins angesprochen. Seit Anfang der 70er Jahre haben wir aber auch die fondsgebundene Lebensversicherung. Sie ist jetzt unser Kerngeschäft. Das Verhältnis des Kapitalanlagebestandes beträgt zwar erst circa ein Drittel zu zwei Drittel. Auf Sicht von fünf Jahren wird es bereits eins zu eins sein. Insofern trifft die Problematik vor allem Versicherer, die nicht ausreichend über Produktalternativen verfügen.

Aber wie lange können Sie bei der konventionellen Lebensversicherung mit niedrigen Zinsen leben?

Es ist richtig, die Hochprozenter sind längst aus dem Portfolio raus. Aber es gab zwischenzeitlich trotzdem noch interessante Phasen mit höheren Zinsen, zuletzt 2010/2011, als große europäische Covered-Bond-Emissionen mit hohen Risikoprämien bei Renditen zwischen vier und fünf Prozent an den Markt gekommen sind. Oder es gab 2008/2009 Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich mit enormen Zinsaufschlägen. Ich denke, von der festverzinslichen Seite her dürften wir auf absehbare Zeit nicht in Probleme kommen.

Wo sehen Sie die Herausforderungen in den kommenden Jahren?

Natürlich in der Eurokrise und den niedrigen Zinsen. Auch wenn die politischen Maßnahmen greifen sollten, werden die Zinsen niedrig bleiben. Das ist politisch gewünscht, damit bestimmte Länder oder auch Banken schneller gesunden.

Um Ihren Rechnungszins von 3,2 Prozent zu erreichen, müssen Sie also mehr Risiko eingehen. Wie viel Spielraum haben Sie dafür noch?

Das Risikobudget ist in der Tat enger geworden. 2008 hatten wir teilweise nur 60 Prozent unseres Risikokapitals ausgenutzt. Aktuell ist unsere Auslastung 80 bis 90 Prozent. Aber auch damit ist noch ausreichend Risikospielraum vorhanden.

Wie steht es mit einer Optimierung des Risikomanagements?

Unser Ansatz konzentriert sich auf Value at Risk und bestimmte Kapitalmarktszenarien, für die wir Korrelationen rechnen und daraus unsere Risikobudgets ermitteln. Entscheidend ist ja, dass man die Korrelation zwischen den Anlageklassen für das Risikomanagement stärker nutzt, und zwar in der Form, dass ich hier bewusst bestimmte Einzelrisiken durch Diversifikation auf Gesamtportfolioebene reduziere und damit weniger Risikokapital benötige. Die Korrelationen bestimmen letztlich die Volatilität des gesamten Masterfonds. Wir untersuchen dabei verschiedene Marktphasen, normale Marktphasen und Stressphasen, also unruhige Börsenzeiten wie während der Finanzmarktkrise. Durch die besondere Berücksichtigung dieser Krisenzeiten braucht man zwar mehr Risikokapital, man sieht aber auch, dass es
die Diversifikationswirkung immer noch bei vielen Anlageklassen gibt.

Macht dabei auch die zunehmende Regulierungsdichte für Sie „Stress“?

Die Niedrigzinsen haben eine Problematik verschärft, die sonst nicht so dramatisch wäre. Denn isoliert betrachtet mag manche Regelung sinnvoll sein, aber im Gesamtkontext kann sie eher kontraproduktiv sein. Unter Solvency II wird zum Beispiel stärker auf die Abstimmung zwischen Aktiv- und Passivseite geachtet. Das ist isoliert gesehen sicher gut. Aber Laufzeitdifferenzen zwischen den Kapitalanlagen und den Versicherungszusagen zwingen viele Versicherer dazu, auf der Aktivseite immer länger zu gehen – ungeachtet der aktuellen Zinsphase. Das bedeutet, man loggt sich sehr niedrige Zinsen für lange Zeiten ein.

Eine unlösbare Gleichung …?

BaFin-Stresstests, Solvency II und Risikosteuerung nach MaRisk mit ihren teilweise unterschiedlichen Vorgaben erschweren es zumindest, eine vernünftige Kapitalanlagepolitik zu betreiben. Das stellt besonders in dieser Niedrigzinsphase das Hauptproblem für die konventionelle Lebensversicherung dar. Denn wenn sie höhere Risiken gehen will, steht ihr das begrenzte Risikokapital im Wege. Wenn sie andererseits nur sichere Staatsanleihen kauft, kann sie irgendwann ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Wenn die Zinsen höher stünden, wäre das nicht so dramatisch.

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