Volker Kurr, Head of Europe, Institutional beim britischen Vermögensverwalter Legal & General zu Pragmatic Indexing und was das den institutionellen Kunden bringt.

dpn: Sie werben damit, dass Sie das Index-Management anders als Ihre Wettbewerber machen. Wie anders?

Volker Kurr: Wir betreiben Index-Management bereits seit über 30 Jahren, haben ein Team mit langjähriger Erfahrung und eine bewährte, wertsteigernde Methode, unseren „Pragmatic Indexing Ansatz“. Das Gesamtvermögen passiv gemanagter Fonds beträgt bei LGIM knapp 400 Milliarden Euro, davon knappe 300 Milliarden in Aktien und gut 100 Milliarden im Fixed-Income-Bereich. Damit haben wir in allen Asset-Klassen signifikante Volumina. Der wesentliche Unterschied bei unserem Investmentansatz liegt darin, dass unsere Fondsmanager den Index nicht einfach nur replizieren. Vielmehr nutzen wir die monatlichen Indexveränderungen, um eine Outperformance gegenüber dem Index zu generieren. Durch die ständige Analyse und den regelmäßigen Austausch mit dem Indexprovider kann LGIM wesentliche Indexereignisse antizipieren und entsprechend agieren.

Also nicht nur Knöpfchen drücken?

Kurr: Definitiv nein. Den Index nachbilden, das klingt natürlich erst mal einfach. Doch ein Index kennt keine Steuern, keine Gebühren, keine Handels- und Transaktionskosten, keine Depotbankgebühren.

dpn: Kommen wir zu dem, was Sie als „Pragmatic Indexing“ bezeichnen.

Kurr: Wir haben den Anspruch, am Ende des Tages eine Outperformance gegenüber dem Index zu erzielen. Bildet man den Index nach, habe ich durch die Handelskosten und Steuern etc. per Definition erst mal eine Underperformance. Wir wollen jedoch den Index übertreffen.

dpn: Ist das nicht Enhanced Indexing?

Kurr: Das ist Definitionssache, wir betrachten dies nicht als Enhanced Indexing. Beim Enhanced Indexing versuchen Sie, durch kleine Wetten den Index zu schlagen. Es ist immer die Frage, wo fängt aktiv an und wo hört passiv auf. Im Aktienbereich liegt der Tracking Error für aktives Management bei > 3 Prozent. Unsere passiven Strategien haben einen Tracking Error in der Regel von 0,2 Prozent.

dpn: Was ist dann Pragmatic Indexing?

Kurr: Ganz nah am Index. Wir sind passiv. Enhanced Indexing wäre zum Beispiel, wenn ich eine kleine Durationswette eingehe, oder wenn ich Titel außerhalb des Indizes nehme. Das sind Dinge, die wir nicht machen. Wir beobachten trotzdem das Marktgeschehen und die Entwicklung des Index und erzielen durch aktives Kostenmanagement eine sehr geringe Kostenquote, unter anderem durch Turnover Reduction, also das Senken der Umschlagshäufigkeit. Unser Pragmatic Indexing-Ansatz erzielt durch aktives Kostenmanagement eine sehr geringe Kostenquote.

dpn: Sind Sie damit tatsächlich besser als andere passive Anbieter?

Kurr: Ja, das nehmen wir für uns in Anspruch und das ist das Ziel. Wir sind kostenbewusst, verstehen unser Handwerk und haben ein extrem leistungsfähiges Handelsdesk mit einem Handelsvolumen von 6.900 Milliarden Euro in 2017, von dem unsere Anleger beispielsweise durch effiziente Tradingsstrategien oder interne Crossing Opportunities profitieren. Mit zusätzlichen Strategien werden Couponerträge und Maßnahmen aus Corporate Actions maximiert, um auch dadurch eine weitere Alphaquelle zu erschließen.

dpn: Was meinen Sie zu Smart Beta?

Wenn der Kunde das möchte, kriegt er das bei uns. Er kann definieren, welche Strategie er möchte – wie Momentum oder Value Strategie. Auch im Faktor Based Investing gibt es Hunderte von Indizes. Werden wir nach unserer Meinung gefragt, können wir Hilfestellung geben. Die Index-Anbieter sind heutzutage alle professionell, da gibt es keine grossen qualitativen Unterschiede. Was beim passiven Management und bezüglich Zusatzerträge wichtig ist, das ist die Wertpapierleihe. Dazu haben wir die Geschäftsmodelle erfasst.

dpn: Was heisst das konkret?

Kurr: Fangen wir mal mit dem aus unserer Sicht möglicherweise konfliktbelasteten Modell an, wo der Asset Manager einen Teil der Leihe-Erträge behält. Da ist bekanntlich das Gegenpartei-Risiko ein Knackpunkt. Es könnte sich ein Interessenskonflikt ergeben, weil ein Anreiz besteht, zu verleihen – auch wenn es vielleicht gar nicht markt- und sachgerecht ist. Wir praktizieren dieses Modell selber nicht. Stattdessen setzen wir auf ein konfliktfreies Modell, bei dem der Asset Manager die Erträge zu 100 Prozent an seinen Kunden weitergibt.

dpn: Wie selbstlos …

Kurr: Dafür ist unsere Management Fee wahrscheinlich einen Tick höher. Wenn ich nämlich stark von den Leiherträgen abhängig bin, fange ich möglicherweise an zu verleihen, was nicht niet- und nagelfest ist. Wir sind nicht generell gegen die Wertpapierleihe und nutzen diese auch im Aktienbereich. Dort, wo der Ertrag deutlich das Risiko überwiegt. Und wenn wir verleihen, fordern wir hohe Sicherheiten wie AAA Staatsanleihen

dpn: Beim Pragmatic Indexing ist Ihnen der Markt egal?

Kurr: Ja. Es gibt Asset-Klassen, wo ein höherer Ertrag generiert wird als bei anderen. Da gibt es dann auch verschiedene Gründe dafür, aber grundsätzlich können wir das bei jedem Index machen. Nehmen wir als Beispiel ein Bond-Portfolio an. Inzwischen haben wir knappe 10 Milliarden Euro in passiven Pragmatic Indexing Emerging Markets Debt. Wir haben da bedeutende Mandate – etwa von niederländischen Pensionskassen – gewonnen, die von aktiv auf passiv switchen, weil sie mit den aktiven Ergebnissen unzufrieden sind.

dpn: Bringt aktives Management überhaupt was?

Kurr: Ich glaube grundsätzlich an aktives Management. Wir haben eine überzeugende Global High Yield Strategie und eine ganze Reihe von aktiven Strategien, die über lange Zeiträume konstantes Alpha liefern. Das gilt auch für Schwellenländer-Anleihen. Noch was zum Handwerk: Rentenindizes werden in der Regel einmal pro Monat angepasst. Wenn ein Unternehmen eine Anleihe über eine Milliarde Dollar ankündigt und damit in den Index aufgenommen wird, kaufen wir diese Anleihe heute und warten nicht wie andere passive Manager bis zur definitiven Aufnahme am Monatsende.

dpn: Bringt das Mehrwert für den Kunden?

Kurr: Wir haben einen minimal höheren Tracking Error und sind überzeugt, dass wir Mehrwert generieren, wenn wir Indexveränderungen antizipieren. Bei Neu-Emissionen gibt es normalerweise leichte Preiszugeständnisse, weil keiner auf der Anleihe sitzen bleiben will. Und die Neu-Emission hat keine Handelskosten, weil sie ja emittiert wird. Zudem haben wir eine extrem hohe Zuteilungsquote von in der Regel 100 Prozent. Wenn wir sagen, wir möchten 50 Millionen von einer Neu-Emission, dann kriegen wir auch die 50 Millionen.

dpn: Sie wollen auch beim Thema Umschlagshäufigkeit punkten.

Kurr: Das tun wir. Nehmen wir als Beispiel den Emerging Markets Debt Index, wo die Umschlagshäufigkeit bei 66 Prozent liegt. Wenn Sie den Index immer eins zu eins nachbilden, müssen Sie also zwei Drittel des Portfolios umschichten. Das bedingt hohe Transaktionskosten. Wir handeln softwaregestützt im Schnitt unter 20 Prozent und senken so die Transaktionskosten um knapp 10 Basispunkte.

dpn: Das ist nicht gratis, weil Sie höhere Managementgebühren verrechnen.

Kurr: Sicher, aber unter dem Strich ist unser Modell für die Kunden günstiger. Wir sind wie Eichhörnchen. Mit den einzelnen Maßnahmen im Rahmen unseres Pragmatic Indexing Ansatzes sammeln wir hier mal eine Zehntel Nuss bzw. Basispunkt und dort mal eine Zehntel Nuss. Wenn Sie das 80, 100, 120-mal im Jahr machen mit diesen verschiedenen Werkzeugen, die wir zur Verfügung haben, dann generieren sie eine Outperformance zum Index, obwohl es grundsätzlich passiv ist.

dpn: Vielen Dank uns für das Gespräch.

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