Mit der Umsetzung von AIFM schreitet die Regulierung voran. dpn berichtet in der Titelgeschichte der Ausgabe Dez/Jan 2012/2013 über die Stimmung im Markt.

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Mit dieser Redensart könnte sich Dirk Lepelmeier beim Thema Regulierung trösten. Doch der Geschäftsführer der Nordrheinischen Ärzteversorgung verliert auch bei diesem Thema seinen Humor nicht. Ihm ist es wichtig zu betonen, dass sich die Rahmenbedingungen für alle gleichermaßen verschärfen und sich somit an der relativen Position seines Hauses nichts ändert. Als Anlagechef des zehn Milliarden Euro schweren Versorgungswerks nimmt er die drohenden Hemmnisse der Regulierung wie gottgegeben hin. „Das neue Kapitalanlagegesetzbuch wird unabwendbar dazu führen, dass das Asset Management aufwändiger und teurer wird. Dem steht nur ein winziger Zusatznutzen gegenüber“, weiß er – von Frustration ist da aber nichts zu spüren.

Das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) setzt die europäische AIFM-Richtlinie in deutsches Recht um und befindet sich auf der Zielgeraden des Gesetzgebungsverfahrens. Das Werk regelt eine Vielzahl von Sachverhalten – insbesondere die Vorschriften für Spezialfonds und Depotbanken, aber auch die Regeln für geschlossene Vehikel sind für Investoren relevant (siehe dazu den Roundtable ab Seite 23).

Einig sind sich beim Thema Regulierung die Administratoren, Custodians und Investoren darin, dass es Geld kosten wird. Für Christian Wutz, Geschäftsführer der SGSS Deutschland Kapitalanlagegesellschaft, wird das neue KAGB „schlichtweg ein Preisthema werden“. Da das Regulierungslevel der Spezialfonds in Richtung Publikumsfonds angehoben werde, seien Kostensteigerungen unvermeidlich. „Auch durch die verschärfte Depotbankhaftung könnte die Rendite etwas unter Druck kommen.“

Dieter Lehmann, Leiter der Vermögensanlage der Volkswagen-Stiftung, hält das neue Gesetzeswerk „für uns weniger relevant“. Da aber Spezialfonds zunehmend verbürokratisiert werden, fürchtet er, dass es auch für ihn zu einer Erhöhung der Kosten kommen wird, weil die KAGen im Durchschnitt die Preise erhöhen dürften. „Da es keine Alternativen gibt, sind wir gezwungen mitzumachen. Auf die schützende Hülle des Spezialfonds wollen wir nicht verzichten.“ Wenig Sorgen macht sich Lehmann, der etwa 2,3 Milliarden Euro verwaltet, ob sein Haus als professioneller Investor eingestuft wird – davon geht er fest aus. Die Unterteilung in professionelle und nichtprofessionelle Investoren im KAGB könnte dagegen für kleine Stiftungen schon ein Thema werden.

Bei Versicherungen dürften Kostenargumente der zunehmenden Regelungsdichte ebenfalls eine Rolle spielen. Doch bei dem Stichwort Regulierung denken die Anlageverantwortlichen der Assekuranz weniger an das neue Kapitalanlagegesetzbuch, sondern haben Solvency II im Kopf. Ein Fachmann einer der zehn größten Adressen fordert hier: „Es muss weitere Modifikationen geben, weil die Kapitalanforderungen sehr hoch sind.“ Für sein Haus – das nicht genannt werden möchte – habe es beim Thema KAGB dagegen Sinn abzuwarten.

Jörg Ambrosius, Deutschland-Geschäftsführer der State Street Bank, sieht einen „erheblichen Mehraufwand“ im Bereich der Systeme und weist darauf hin, dass es bei der Umsetzung von AIFM in der EU relativ stark abweichende Regelungen gebe. Aber auch aus seiner Sicht steht bei vielen Investoren nicht das KAGB oben auf der Agenda, sondern die Regulierung beim Derivate Clearing und Collateral Management. „Das ist im operativen Geschäft relevanter.“

In Umfragen zum Thema Regulierung kristallisiert sich eine skeptische Einstellung heraus. Laut einer Befragung von Universal Investment zur AIFM-Umsetzung erwarten 53 Prozent der Investoren, dass vor allem bürokratische Hürden aufgebaut werden und sich die Qualität der Asset Manager durch die neuen Regulierungs- und Transparenzvorschriften nicht verbessern wird. 47 Prozent rechnen mit einer Auslese bei den Asset Managern. Befragt wurden mehr als 80 institutionelle Investoren, die insbesondere Pensionsgelder, Versicherungsanlagen, Konzerngelder sowie Stiftungsvermögen verwalten, zu den Folgen von AIFM und KAGB. Ein weiteres Resultat der Befragung: Nur für 30 Prozent der Investoren sind geschlossene Fonds – die nun reguliert werden – ein wichtiger Bestandteil ihrer Kapitalanlagen. Der Rest investiert entweder aufgrund regulatorischer Anforderungen oder wegen fehlender Liquidität schon jetzt nicht in geschlossene Vehikel.

Die Beratungsfirma Greenwich Associates kommt in einem Survey zu der Erkenntnis, dass die Institutionellen in ihren Anlageentscheidungen durch Regulierung behindert werden. So würden deutsche Versicherer durch die Solvency-II-Regeln davon abgehalten, vertretbare Risiken zu nehmen. Andere Investoren sagen, dass sie sich mit Anpassungen des Risiko-Rendite-Profils ihrer Portfolios zurückhalten, bis beispielsweise die AIFM-Richtlinie umgesetzt ist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 212 deutschen Investoren. „Regulatorische Unsicherheiten halten Institutionelle davon ab, sich von europäischen Staatsanleihen zu trennen und andere Fixed Income Investmens zu nutzen“, nennt Greenwich-Berater Marc Haynes ein weiteres Ergebnis.

Mehr Regulierung bedeutet weniger Rendite – kein überraschendes Resultat einer weiteren Befragung von Union Investment. 84 Prozent der Investoren erwarten bei weniger Restriktionen eine – etwas – höhere Rendite. So eine Studie im Auftrag der Anlagegesellschaft. Ein Drittel der Befragten erwartet sogar, dass die Rendite um mehr als 100 Basispunkte steigen könnte. Zumindest in der Theorie. Was bringen
die neuen Vorschriften?

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