Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ist es gelungen, der Überalterung in Deutschland mit einer speziellen Sichtweise Chancen und First-Mover-Potenziale abzugewinnen, die in dieser Form wohl einmalig sei dürfte.

Auf der der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung Mitte Mai in Berlin, die mit dem 75. Geburtstag der aba zusammenfiel, sagte die Ministerin, dass in 25 Jahren ein Drittel der Menschen in Deutschland über 65, die Zahl der 80jährigen verdoppelt und die der Menschen im erwerbstätigen Alter um acht Millionen gesunken sein wird. „Je länger ich mich damit auseinandersetze, desto mehr faszinieren mich die Chancen, die darin liegen“, verriet die Ministerin. Denn bezogen auf das Tempo der Überalterung sei Deutschland mit Japan weltweit Spitzenreiter, aber betroffen sei von diesem Schrumpfungsprozess grundsätzlich die gesamte Nordhalbkugel. „Doch das bedeutet übersetzt, dass die Gesellschaft, die zuerst die richtige Antwort auf diese Entwicklung findet, der Trendsetter sein wird, der Treiber, der Exporteur für Lösungen für diejenigen Gesellschaften, die uns in der Überalterung folgen werden,“ so die CDU-Politikerin fast enthusiastisch. „Wir haben also die Chance, die Eisbrecher, die Pioniere zu sein, Neuland zu betreten und Veränderungen zu schaffen, von denen wir hoffentlich in zwanzig, dreißig, vierzig Jahren sagen werden, dass es gut war, diesen Weg einzuschlagen, der uns damals unheimlich war.“ Als Beispiel nannte sie eine jüngst von ihr besichtigte Autofabrik, die auf die Bedürfnisse alter Arbeitnehmer zugeschnitten war: „Wenn die gesamte Welt altert, dann werden wir eines Tages Exporteure dieses Wissens und dieser Ingenieurskunst und damit wieder an der Spitze sein.“ Nun, den Optimismus möchte man haben.

Im weiteren Verlauf ihrer gut halbstündigen Rede ging es folglich nur am Rande um die bAV, was angesichts der großen Chancen, die sie in der Vergreisung Deutschlands sieht, ja auch irgendwie verständlich ist. Ohnehin vermied die Ministerin jede inhaltliche Festlegung in politischen Einzelfragen der bAV. So hatte aba-Chef Heribert Karch unmittelbar vor ihrer Rede zwar konkret auf die in der Tat drängende Notwendigkeit verwiesen, dass eine möglicherweise anstehende weitere Kürzung der Unverfallbarkeitsfristen nicht den Bestand tangieren darf, doch blieb die Ministerin hier vage und stellte Mobilität der Arbeitsmärkte der Bindungskraft der bAV entgegen. Wenig konkret blieb dann auch ihre Zusage an die Branche: „Sie wissen mich fest an Ihrer Seite.“

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