Mit unterschiedlichen Strukturen und Allokationen sind die Versicherer DEVK und VHV unterwegs.

Zehn Millionen Euro oder 100? Schon bei Publikumsfonds kann kaum ein Fachmann sagen, ab welchem Volumen es sich rechnet. Wie sollte es beim Betrieb einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) anders sein. „Haben oder Nichthaben“ lautet für viele Investoren aus dem Bereich der Versicherungen die Frage. Der Blick in die BVI- Statistik zeigt: Die Spanne der Volumina bei Versicherungs-KAGen reicht von zwei bis 200 Milliarden Euro.

Mittelgroße Versicherer kommen oft zu einem unterschiedlichen Ergebnis was die eigene KAG angeht. Das zeigen zwei Beispiele. Für Bernd Zens, Vorstand für Kapitalanlagen bei der DEVK-Gruppe, stellt sich die Situation einer eigenen KAG so dar: „Es ist klar, dass man die Kostenseite im Griff haben muss. Bei uns kommt als Argument für eine KAG die Verflechtung mit den Sparda-Banken hinzu.“ Die DEVK hat vor zwölf Jahren mit den Sparda-Banken und dem Bankhaus Oppenheim die Monega Kapitalanlagegesellschaft gegründet, die rund fünf Milliarden Euro verwaltet. Den größten Teil der Assets verwaltet die Versicherung im Direktbestand, doch die rund vier Milliarden Euro Volumen in Spezialfonds der Partner stellen die Grundauslastung sicher.

quoteWenn wir gezwungen werden sollen, am Ende überwiegend Staatspapiere zu kaufen, scheint einiges faul zu sein.

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Mit der Monega, die mit verschiedenen Vermögensverwaltern zusammenarbeitet, möchte man auch den Boutiquen-Ansatz fördern; das Spektrum der aufgelegten Publikumsfonds ist daher breit. Die Einheit ist extrem schlank aufgestellt und hat praktisch alle Bereiche, in denen das möglich ist, ausgelagert.

Fünf Milliarden Euro – das halten andere in der Branche für deutlich zu wenig. Die VHV Gruppe in Hannover operiert nicht mit einer eigenen Kapitalanlagegesellschaft. „Das ist aus unserer Sicht auch sinnvoll, weil wir das Volumen nicht generieren. Für eine eigene KAG liegt die Hürde bei einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag. Diese Schwelle haben wir noch nicht überschritten“, meint Boris Sonntag, Vorstand der WAVE Management. Die Gesellschaft ist eine 100-prozentige Tochter der VHV Gruppe, die das Kapital der Versicherung verwaltet. „In der Administration arbeiten wir mit externen Kapitalanlagegesellschaften zusammen, die die Leistungen im einstelligen Basispunktebereich anbieten können“, sagt Sonntag. Die WAVE Management ist keine eigene KAG, doch sie tritt am Markt auch nach außen als Finanzdienstleister auf und berät einen Total-Return-Publikumsfonds, der über die LBBW aufgelegt wurde. Gemessen am insgesamt verwalteten Volumen ist dieser Bereich jedoch eher klein.

quoteIn der Administration arbeiten wir mit externen KAGen zusammen, die die Leistungen im einstelligen Basispunktebereich anbieten.

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Unabhängig davon, wie die Anlageverwaltung strukturiert ist, schaffen die beiden Versicherer ein gutes Ergebnis. Für das vergangene Jahr weist die DEVK Lebensversicherung eine Nettoverzinsung von 4,17 Prozent aus, die VHV Gruppe gibt einen Wert von 4,2 Prozent an. Damit liegen beide Häuser leicht über dem Durchschnitt von 4,14 Prozent, der vom Branchendienst Map-Report ermittelt wurde. Der Weg dahin ist aber – wie die Frage der Organisation – durchaus unterschiedlich.

Bei der dominierenden Asset-Klasse Bonds nimmt der DEVK-Vorstand Zens eine radikale Position ein. Ein kategorisches „Nein“ ist die Antwort auf die Frage, ob er als Anlagechef des Hauses schon mal Bundesanleihen besessen hat. „Wir haben immer Pfandbriefe gekauft, da stehen 0,3 Prozent mehr drauf. Warum sollten wir dann deutsche Staatsanleihen kaufen?“ Das gilt nicht erst, seitdem Renditen von Bundespapieren auf Rekordtief notieren und etwa eine gut 30-jährige Anleihe einen Kupon von 2,5 Prozent bei einem Kurs von 110 bietet. Die gute Performance von Bundesanleihen, die seine Reserven hätte aufbessern können, grämt Zens nicht. „Wir gucken auf den laufenden Ertrag.“

Bei anderen Staatsanleihen kann seine Investitionsbereitschaft anders aussehen. So hat die DEVK in diesem Jahr ungefähr ein Prozent in Spanien und Italien investiert. „Eine langlaufende italienische Anleihe mit 70 zu kaufen bei einer laufenden Verzinsung von 6,5 Prozent schien uns attraktiv. Sollte es in Italien mal zu einem Schuldenschnitt kommen, dann müsste der eigentlich besser ausfallen als in Griechenland“, findet Zens. Absurd findet er dagegen das Thema Null-Eigenkapitalunterlegung bei Euro-Staatsanleihen. „Wenn wir so gezwungen werden sollen, am Ende überwiegend Staatspapiere zu kaufen, scheint einiges faul zu sein.“

Deutlich zurückhaltender ist die VHV mit Aussagen zu ihrem Anleiheportfolio. Klar, dass eine Rendite von 1,3 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen zu wenig ist. Aber auch bei anderen Papieren ist WAVE-Vorstand Boris Sonntag vorsichtig. „Wir meiden derzeit Staatsanleihen aus der Peripherie Europas und haben dort Risiken weiter reduziert. Ich kann nicht ausschließen, dass in der Zukunft Länder den Euroraum verlassen und sich die Krise somit weiter zuspitzt.“ Der Bestand an Staatsanleihen der Peripherieländer liegt derzeit unter drei Prozent der Kapitalanlagen. „Damit sind wir im Vergleich zur Branche konservativ aufgestellt.“

Sonntag setzt dagegen verstärkt auf Covered Bonds. „Im aktuellen Zinsumfeld sind Anlagen mit guten Bonitäten und auskömmlichen Renditen rar gesät. Bei Bankanleihen mit einer zusätzlichen Deckungsmasse, die in etwa dem Pfandbrief entsprechen, ist es noch möglich, Renditen zwischen 3,40 und 3,60 Prozent zu erzielen. In einer Qualität, die zweifelsfrei gut ist, und von Emittenten, deren Namen und Bonität überzeugen“, meint der Anlagemanager. Diese Anlageklasse eignet sich aus seiner Sicht auch am besten für Neuanlagen – wobei die VHV Gruppe momentan keinen großen Anlagedruck hat.

Auch die DEVK in Köln hat die Bücher weitgehend geschlossen und muss im zweiten Halbjahr kaum noch etwas anlegen. Wenn, dann entscheidet sich Vorstand Zens für Sicherheit. „Daher investieren wir gern in Covered Bonds von allen möglichen Instituten – von UBS über SocGen bis BNP. Aber so viel kommt zurzeit nicht auf den Markt“, beschreibt er die Lage. Daher kann er sich nicht auf den Primärmarkt beschränken. „Wir haben im Sekundärmarkt eine spanische Emission gekauft, nachdem wir den Sicherungspool geprüft haben und sicher sind, dass wir das Geld zurückbekommen, selbst wenn sich die Immobilienpreise halbieren.“

Der Spread von Covered Bonds ist einer der Erfolgsfaktoren. Hinzu kommt die relativ lange Ausrichtung im Bond-Portfolio. „Wir sind bei den Anleihen relativ lang aufgestellt und haben in der Lebensversicherung eine Duration um die acht“, sagt Zens und VHV-Anleger Sonntag ergänzt: „Bei den Kapitalanlagen der Lebensversicherungen sind wir bei der Modified Duration im Vergleich zur Branche länger aufgestellt.“ Eine konkrete Zahl nennt die VHV aber nicht.

So ähnlich die Ansätze bei Bonds sind, so unterschiedlich ist die Sichtweise bei Aktien. Die VHV geht recht radikal vor. „ Wenn man sich für Aktien entscheidet, muss man bereit sein, diese Schwankungen in Kauf zu nehmen. Für unsere Lebensversicherungsmandanten halten wir derzeit eine Nettoaktienquote von unter einem Prozent“, erläutert Boris Sonntag. Das liegt unter anderem daran, dass die Ergebnispuffer der Kapitalanlage aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sinken. „Außerdem ist die Volatilität immens hoch. Aktien haben in einer Allokation für Lebensversicherer derzeit nichts verloren“, ergänzt der WAVE-Vorstand. Etwas flexibler geht er auf der Sachversicherungsseite vor, auf der die Aktienquote wie bei einem Absolute-Return-Produkt gefahren wird. „Wichtig ist es, dass sich Investoren nicht an einer strategischen Quote festhalten, sondern taktisch positionieren. Das heißt für mich, dass sie auch kurzfristig bereit sind, sich von Aktienbeständen vollständig zu trennen.“

Um jederzeit ein genaues Gefühl dafür zu haben, was ein Prozent Kursschwankung am Aktienmarkt bedeutet, hat die DEVK die von der Monega gemanagten Aktienfonds indexnah ausgerichtet; mit diesen Vehikeln wird die Quote flexibel gesteuert. Hinzu kommt ein Direktbestand, der Value-getrieben ist. „Das sind Werte wie Münchner Rück, Kali & Salz und die Versorger. Aktien, die stinklangweilig sind, aber eine hohe Dividendenrendite zahlen“, erzählt Zens:„In der Lebensversicherung liegen wir zwischen fünf und 5,5 Prozent und in der Schaden-/Unfallversicherung zwei Prozentpunkte höher.“

Richtung fünf Prozent geht auch die Allokation beim Sachwert Immobilien. Die DEVK hat gut 4,5 Prozent investiert und will weiter zukaufen. Gleichzeitig soll das Portfolio-Management näher an das Unternehmen geholt werden. „Auf der Immobilienseite haben wir für die nichtdeutschen Investments bisher mit Kollegen in Vehikel von zum Beispiel Invesco und IVG investiert, aber das werden wir in der Tendenz ändern“, sagt Zens. Chancen am Markt sieht er in der Abwicklung von Immobilienfonds. „Ich habe die Hoffnung, dass durch die Auflösung mehrerer Vehikel das Angebot die Nachfrage übersteigt und wir vielleicht mit einer Anfangsrendite von 5,5 oder sechs Prozent zum Zuge kommen. Damit liegt man bei netto vier Prozent – und das ist doppelt so hoch wie am Rentenmarkt.“ Ärgerlich ist Zens über die diskutierte Eigenkapitalhinterlegung für Immobilien bei Solvency II. „Es ist doch abstrus, dass ich für Immobilien 25 Prozent Eigenkapital nachweisen muss. Angemessen wären zehn Prozent.“

Solvency II hält auch die VHV Gruppe nicht von der Erhöhung der Immobilienquote ab. Allerdings muss man suchen, da die Renditen in klassischen Core-Anlagen deutlich gesunken sind. Sonntag schaut sich selektiv im Bereich Logistikimmobilien um: „Die können interessant sein, wenn sie eine hervorragende Lage und Nutzungsqualität haben. In dem Bereich kann man noch Renditen erzielen, die über fünf Prozent liegen.“

Um auch in Zukunft überdurchschnittlich hohe Nettorenditen zu erzielen, nutzt man bei der DEVK in Köln auch die eigene Fondseinheit – quasi als Brutkasten für neue Ideen. „Unsere Kapitalanlagegesellschaft hat einen Mehrwert, weil wir mit vielen Partnern zusammenarbeiten und es einen intensiven Austausch gibt. So entstehen Investment-Ideen, die auch für die Eigenanlagen der DEVK über entsprechende Vehikel schnell umgesetzt werden können“, sagt Bernhard Fünger, Geschäftsführer der Monega. Und sein Aufsichtsrat Zens ergänzt: „Wir haben ein Problem mit der Industrialisierung der Prozesse, die insbesondere bei den großen Gesellschaften der Branche zu beobachten sind, und daher Sympathien für kleinere, effiziente Player.“ Er weiß, dass versuchsweise investierte 20 oder 30 Millionen die erste Nachkommastelle seiner Nettoverzinsung nicht bewegen werden. Doch ausgefallene Ideen fordern eine erhöhte Flexibilität und die Bereitschaft, sich mit neuen Ansätzen auseinanderzusetzen. Davon brauchen Investoren in Zeiten niedriger Zinsen in der Kapitalanlage immer mehr.

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