14.01.2019 | Von BERNHARD RAOS

Trends 2019: Weiche Landun

Der US-amerikanische Vermögensverwalter Neuberger Berman definiert zehn Punkte, die das Finanzjahr 2019 massgeblich bestimmen. Es wird weniger schlimm als befürchtet.

Brexit, italienische Haushaltspläne, Aufstieg der Populisten in Osteuropa und das Ende von Draghis Amtszeit bei der EZB rücken Europa in den Fokus der Investoren. Der Vermögensverwalter Neuberger Bermann ortet bei Aktien bessere Aussichten für Japan, China und die Emerging Markets. Bei Anleihen seien Titel mit mittlerer Kreditqualität und kurzen bis mittleren Laufzeiten chancenreich und bei gleichbleibender Marktvolatilität werde das Interesse an alternativen Anlagen steigen.

Welche 10 Trends sehen die Asset Manager?

1. Wachstum geht zurück 
Das amerikanische BIP-Wachstum wird 2019 von 3,5 auf etwa 2,0 bis 2,5 Prozent zurückgehen. Weil die US-Löhne weiter steigen, geraten die Unternehmensgewinne unter Druck. Gegen einen stärkeren Inflationsanstieg sprechen die niedrigeren Rohstoffpreise. Was wiederum die Dollar-Aufwertung des Vorjahres und die moderaten globalen Liquiditätsbedingungen dämpft. Das Wachstum in den USA und den übrigen Ländern wird sich wieder annähern.

2. Erholung ausserhalb der USA
Das höhere Tempo der US-Wirtschaft für 2018 war vorhersehbar. Überraschender war aber der frühe Zeitpunkt, die Intensität und die lange Dauer der Divergenz. Aktuell scheint sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China zu beruhigen und die chinesischen Konjunkturmaßnahmen zeigen Wirkung. Ausserdem dürften sich Japan, Europa und den Emerging Markets erholen. Neuberger Bermann geht davon aus, dass sich viele Volkswirtschaften noch in der Mitte des Konjunkturzyklus befinden, während in den USA bereits die Endphase begonnen habe.

3. Die Notenbanken stehen auf die Bremse

Die US-amerikanische Notenbank wird die Zinsen zurückhaltender anheben als erwartet. Bei der Bilanzsteuerung werden aber keine Veränderungen erwartet, sodass die Liquidität weltweit abnehmen dürfte. Auch die Europäische Zentralbank wird wohl nicht erneut zum Quantitative Easing greifen und die Leitzinsen bis nach dem Sommer unverändert lassen.

4. Europa im Blickpunkt
In den USA sorgen der Außenhandel, die chinesische Konjunktur und die Innenpolitik noch immer für Risiken. Der Brexit, die italienischen Haushaltspläne, der Aufstieg der Populisten in Osteuropa, die schwache Regierung in Spanien und das Ende von Mario Draghis Amtszeit bei der EZB sprechen aber dafür, dass Europa im Blickpunkt bleibt.

5. Die Fed operiert vorsichtig 
Die Fed dürfte die Leitzinsen zumindest in der ersten Jahreshälfte unverändert lassen. Dennoch bleibt die Versuchung, etwas gegen den drohenden Inflationsdruck zu tun. Strafft die Fed ihre Geldpolitik nicht zu stark, könnte den USA eine weiche Landung gelingen und Investoren würden mit risikobehafteten Anleihen moderate Erträge erzielen.

6. Der Wind dreht sich erneut
Für 2018 erwartete Neuberger Bermann, dass die Credit Spreads aufgrund der anhaltend niedrigen Ausfallquoten weniger stark auf Fundamentaldaten und stärker auf technische Entwicklungen reagieren. Das war bis November auch so. Danach wurde an den Märkten stärker differenziert, sowohl nach Sektoren als auch nach der Kreditwürdigkeit der Emittenten. Auch 2019 ist davon auszugehen. Chancenreich sind dann vor allem Titel mit mittlerer Kreditqualität und kurzen bis mittleren Laufzeiten.

7. Weniger berechenbar 
2018 war für US-Aktien das hohe Gewinnwachstum entscheidend, dem allerdings fallende Bewertungen gegenüberstanden. 2019 können Anleger vom Gegenteil ausgehen. Wenn der Konjunkturzyklus fortschreitet, wird die Entwicklung weniger berechenbar. In Neuberger Bermans Basisszenario geraten die Umsätze der Unternehmen wegen des nachlassenden Wachstums in den USA unter Druck, und die Gewinnmargen leiden unter der Lohninflation. Zum Ausgleich dürften die zurzeit moderaten Bewertungskennziffern aber steigen.

8. Interessante Emerging-Market-Aktien
Besser als für die USA sind die Aussichten Japans, Chinas und der Emerging Markets – wegen ihrer noch günstigeren Bewertungen und weil die Konjunktur hier noch nicht in die Jahre gekommen ist. Die Schwellenländer gelten als die interessanteste Region, da in Europa die politischen Risiken höher sind und die EZB weniger berechenbar.

9. Unkorrelierte Strategien gefragt
Hält die Marktvolatilität an und bleiben die Korrelationen zwischen den Assetklassen so eng, können Anleger ihr Portfolio mit klassischen Anlagen immer weniger diversifizieren. Die meisten Hedgefonds-Strategien haben ihre Gewinne vom Jahresbeginn 2018 zum Jahresende wieder abgegeben. Daher bleibt 2019 das Interesse an unkorrelierten Strategien und Absolute-Return-Konzepten gross.

10. Ausgereizte Private-Equity-Buyouts
Bei Private-Equity-Buyouts sind die Bewertungen – und die Fremdkapitalquoten – jetzt so hoch, dass höhere Bewertungen kaum mehr möglich scheinen. Daher werden sich Private-Asset-Investoren zunehmend für Alternativen interessieren und beispielsweise auf Co-Investments und Nischenanlagen wie Verbriefungen von Lizenzgebühren, sogenannten Royalty Streams, setzen. Interessant sind auch Private-Debt-Manager, die an volatilen Leveraged-Credit-Märkten noch Chancen finden.

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