Aufgrund der tiefen Zinsen und des Kostendrucks will Swiss Life die Umwandlungssätze im obligatorischen und überobligatorischen Teil der Vollversicherung ab 2022 senken. Die Umverteilung soll damit reduziert werden.

Swiss Life, der grösste Lebensversicherungskonzern der Schweiz, will die Vollversicherung in der beruflichen Vorsorge, die gerade kleine und mittelgrosse Unternehmen nachfragen, auch langfristig gewährleisten können. «Die Garantien, die wir für die Schweizer KMU erbringen, sind von fundamentaler gesamtwirtschaftlicher Bedeutung», sagt Hans-Jakob Stahel, Leiter Unternehmenskundengeschäft Schweiz. Deshalb senkt Swiss Life die Umwandlungssätze in der Vollversicherung ab 1. Januar 2022 weiter ab und passt sie den gegebenen ökonomischen, demografischen und regulatorischen Rahmenbedingungen an. «Wir wollen die Leistungsversprechen auch in Zukunft und unter Berücksichtigung der Interessen aller Versicherten garantieren», ergänzt Stahel. Dabei würden die massgebenden gesetzlich vorgeschriebenen Mindestleistungen nach BVG jederzeit eingehalten. Bestehende Renten blieben unverändert.

Systemfremde Umverteilung belastet aktive Versicherte

Die berufliche Vorsorge steht aufgrund des Tiefzinsumfelds, der steigenden Lebenserwartung und des anhaltenden Reformstaus vor grossen Herausforderungen. Ein Problem ist die systemfremde Umverteilung der Vorsorgegelder im Kapitaldeckungsverfahren der zweiten Säule, von den aktiven Versicherten hin zu den Rentenbezügern. Wird die durchschnittliche Umverteilung ins Verhältnis zur Anzahl der Aktiven gesetzt, zeigt sich, dass zwischen 2015 und 2019 pro Jahr und aktivem Versicherten durchschnittlich 1.040 Schweizer Franken umverteilt wurden. Dabei ist die Umverteilung eines Anbieters tendenziell umso grösser, je mehr BVG-Obligatorium vorhanden ist. Das geht aus der Analyse der Universität St. Gallen «Berufliche Vorsorge in der Schweiz: Was ist ein Sparfranken wert?» hervor.

Tiefere Umwandlungssätze bedeuten weniger Unterlegungskapital

Die strengen Kapitalvorschriften der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA lasten ebenfalls schwer auf den Versicherern. Während autonome Pensionskassen den kantonalen BVG-Aufsichten unterstellt sind, müssen sich die Versicherer vor der FINMA verantworten. Dabei sind die Anforderungen beider Aufsichten unterschiedlich. Die FINMA verlangt die Verwendung tieferer technischer Zinsen als die BVG-Aufsichten für die teilautonomen Kassen. Damit wiegen künftige Verpflichtungen schwerer auf der Bilanz der Versicherer und müssen durch zusätzliches Kapital gedeckt werden. Weniger strenge Kapitalvorschriften der FINMA würden das Vollversicherungsgeschäft sicherlich wieder interessanter machen.

Dieser Ansicht ist auch Stahel: Er erachtet die Unterlegungsvorschriften in der Schweiz im Vergleich mit den europäischen Wettbewerbern als zu streng, wie er kürzlich gegenüber der «Handelszeitung» äusserte. Und er wähnt es im Interesse der Versicherten, wenn in diesem Bereich eine graduelle Lockerung vollzogen würde. Damit einher gingen eine höhere Risikofähigkeit und somit langfristig höhere Erträge.

Swiss Life senkt die Umwandlungssätze ab 2022 wie folgt

Sätze obligatorischer Teil des Altersguthabens
Frauen Alter 64: 2021: 6,80%; 2022: 6,50%; ab 2023: 6,20%
Männer Alter 65: 2021: 6,80%; 2022: 6,50%; ab 2023: 6,20%

Sätze überobligatorischer Teil des Altersguthabens
Frauen Alter 64: 2021: 5,00%; 2022: 4,76%; ab 2023: 4,54%
Männer Alter 65: 2021: 4,95%; 2022: 4,71%; ab 2023: 4,49%

Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes bleibt dringend

Eine nachhaltige Stabilisierung der beruflichen Vorsorge steht seit Längerem auf der politischen Agenda. In der aktuellen bundesrätlichen Botschaft zur BVG-Reform ist die Senkung des gesetzlichen Mindestumwandlungssatzes auf 6,0 Prozent vorgesehen. Diese Anpassung sei dringend und zwingend, findet Stahel. Zugleich bekräftigt er, dass das Vollsortiment in der zweiten Säule ein strategischer Grundpfeiler von Swiss Life bleibe.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »