Wird der Niedergang Griechenlands und Portugals Akteure auf den Plan rufen, die noch keiner auf der Rechnung hat?

Zinslast, drohender Staatsbankrott, EZB-Bazooka beherrschen zwar die Schlagzeilen, sind für Portugal und Griechenland aber nur kurzfristige Aspekte. Strategisch müssen beide Staaten die Frage beantworten, wie sie wieder zu Nord- und Mitteleuropa technologisch-industriell aufschließen, zumindest nicht weiter zurückfallen wollen.

Könnte hier ein Land als Vorbild dienen, das in den letzten vier Jahrzehnten eine solche Aufholjagd erfolgreich absolviert hat? Südkorea spielt heute hochtechnologisch allererste Liga und verfügt über Global Player lupenreiner Qualität. Leider gibt es ein paar klitzekleine Unterschiede, die skeptisch stimmen: Die Asiaten konnten den Durchmarsch im verhältnismäßig langsamen analogen Zeitalter beginnen, während in der digitalen Welt industrielle Generationen schneller vorüberziehen als ein südeuropäischer Politiker das Wort „Nachhaltigkeit“ buchstabieren kann. Außerdem ist Südkorea nie von billigem Cash eingelullt worden, während unsere geschätzten EU-Freunde seit zig Jahren mit Subventionen und Niedrigzinsgeld öffentliche und private Sektoren derartig aufblähen, dass nun selbst milder Entzug schwerste Verwerfungen auslöst. Hinzu kommt der Brain-Drain junger technischer Köpfe Südeuropas ausgerechnet nach Deutschland. Vor allem jedoch mangelt es beiden faktischen Schwellenländern augenscheinlich an kollektivem Willen zu einer echten Wende ebenso wie an Härte, Disziplin und Entsagungsbereitschaft.

Fazit: Was wir derzeit sehen, ist nicht nur der Finanzkrise zweiter Teil, sondern nicht weniger als das Ende Portugals und Griechenlands als gleichberechtigte Mitglieder der ersten Welt, als souveräne, industrialisierte Nationen. Oder boshaft: Sie verwirklichen in ihrer bald völligen Abhängigkeit von Brüssel als Erste den europäischen Gedanken des supranationalen EU-Gebildes. Ein Schicksal, das nur Sowjetbetoneuropäer als Verheißung empfinden können und das auch Spanien und Italien zumindest Warnung sein sollte. Bei Spanien verhindert die strategische Tiefe eines großen Landes, dass die Rückständigkeit sichtbarer zutage tritt, und auch der hochgelobte „Pragmatiker“ Mario Monti scheint sich dieser Tage darauf zu verlegen, im Heroin (will sagen: billigen deutschen Hilfsgeld) nicht Ursache des Dilemmas, sondern Lösung zu sehen.

Politik ist bekanntlich von unkalkulierbarer Eigendynamik. Könnte der tiefe Souveränitätsverlust Portugals und Griechenlands also beizeiten Akteure auf den Plan rufen, die keiner auf der Rechnung hat? Ein griechischer Freund, Unternehmer in Athen, nannte jüngst die für ihn einzige Lösung, dem Niedergang seines Landes eine entschlossene Wende zu geben: Militärregierung.

Selbstverständlich zutiefst entsetzt grüßt

Baz

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