09.05.2019 | Von Olivia Harder

Wandelanleihen: Die risikoärmere Aktien-Alternative?

Von steigenden Aktienmärkten zu profitieren, bei fallenden Kursen jedoch nach unten hin abgesichert zu sein, scheint der Traum institutioneller Investoren zu sein. Doch Wandelanleihen, die genau das versprechen, haben auch ihre Kehrseite.

Stiftung
Stiftung(Bildquelle: anyaberkut/iStock/GettyImagesPlus)

Ein erster Blick hinter die Türen einiger Asset-Management-Häuser verrät: Wandelanleihen sind hochattraktiv. Denn sie kombinieren die Risiko-Eigenschaften einer herkömmlichen Unternehmensanleihe mit dem Renditepotenzial einer Aktie. Das bedeutet: Der Investor legt sein Kapital in einer Anleihe an und sammelt regelmäßig die vereinbarten Zinsen ein, bloß hat er bei der Wandelanleihe – im Gegensatz zum gewöhnlichen Produkt – zu einem bestimmten Zeitpunkt die Option, auf die Kapitalrückzahlung zu verzichten und die Anleihe stattdessen in Aktien umzuwandeln.

Das Versprechen: Hohe Renditepotenziale bei gleichzeitigem Kapitalschutz

Mit dieser Eigenschaft soll sich die Wandelanleihe gerade in Zeiten, zu denen die Aktienmärkte besonders volatil sind, rentieren: Steigen die Aktienpreise, so wird es für den Investor immer lohnender, in Wandelanleihen zu investieren. Denn es besteht die Aussicht, zum Wandlungszeitpunkt die Anleihe in wertvollere Aktien zu tauschen und somit einen Gewinn einzufahren. Da sich die Aktien sogleich verkaufen lassen, erhält man den Gewinn unmittelbar.

Sinken während der Haltezeit die Aktienkurse, kann sich der Anleger immer noch auf die Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des Kapitals durch den Emittenten der Anleihe verlassen. In dem Fall, in dem die Wandlungsoption nicht gezogen wird, verhält sich die Wandelanleihe wie ihr herkömmliches Pendant.

„Wandelanleihen eignen sich besonders für Investoren, die auf Aktien-Exposures setzen, zugleich aber von defensiven Eigenschaften traditioneller Anleihen profitieren wollen“, kommentiert Marc Basselier, Head of Convertible Bonds bei der Union Bancaire Privée (UBP). „Auf lange Sicht bieten Wandelanleihen Aktien-ähnliche Renditen, dafür aber eine signifikant niedrigere Volalität sowie eine Absicherung nach unten hin. Zudem sind sie nicht so anfällig für Zinsänderungen.“

Dieses Profil lockt vor allem institutionelle Investoren an: Vorsorgeeinrichtungen etwa sind nur in eingeschränktem Maße bereit, hohe Verlustrisiken beim Anlegen – wie zum Beispiel bei reinen Aktieninvestments – einzugehen. Versicherungen und Pensionskassen sind mit Wandelanleihen daher auf der sicheren Seite, da sie ihr angelegtes Kapital nicht verlieren und immerhin die Zinserträge kassieren. Entwickelt sich der Markt positiv, so besteht die Möglichkeit, das Renditepotenzial noch besser auszuschöpfen – und das vor dem Hintergrund eines gleichbleibenden Risikos.

Hauptrisiko: Kapitalverlust durch Kreditrisiken

Das klingt verlockend? Wie jede Asset-Klasse bleiben aber auch Wandelanleihen mit Blick auf Nachteile und mögliche Risiken nicht verschont. Zunächst bringt die Wandelanleihe dieselben Risiken wie eine traditionelle Unternehmensanleihe mit. Wird der Emittent etwa zahlungsunfähig, verhält sich die Wandelanleihe nämlich wie ein Kredit: In diesem Szenario sind die Kapitalrückzahlung sowie die Zinszahlungen an den Investor nicht mehr gewährleistet.

Hinzu kommt: Die Absicherung gibt es nicht kostenlos. Tendenziell sind Wandelanleihen, bedingt durch Prämien- oder Aufschlagszahlungen, teurer als Anleihen. Zugleich versprechen sie niedrigere Zinsen als Unternehmensanleihen. Erhöht das Unternehmen vor der Wandlung außerdem seine finanziellen Mittel, kommt es zu einer Kapitalverwässerung.

Des Weiteren sollte der Investor genau auf die Produktbeschreibung achten: Falls nämlich keine Wandlungsoption, sondern eine Wandlungspflicht – und diese vielleicht noch zu einem festen Zeitpunkt – besteht, drohen massive Verluste, wenn die Aktienkurse derzeit eingebrochen sind und der Investor gezwungen ist, seine Anleihen zu einem schlechteren Kurs zu tauschen.

Was bleibt für Wandelanleihen unter dem Strich?

Wie vieles haben auch Wandelanleihen ihre Vor- und Nachteile. Zuletzt sollte jeder Investor vor Augen haben, dass Wandelanleihen Aktieninvestments nicht ersetzen. Sie sind lediglich eine defensive Alternative, um von der Volatilität der Aktienmärkte zu profitieren, ohne das gleiche Risiko eines Aktienkaufs einzugehen. Zudem sollte sich jeder Anleger genau darüber informieren, wie das entsprechende Produkt funktioniert: So läuft man nicht Gefahr, seine Anleihe plötzlich und unter Druck zu einem schlechten Kurs wandeln zu müssen.

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