13.03.2019 | Von Olivia Harder

Investoren erwarten massiven Rückgang der Private-Equity-Aktivität

Europäische Private-Equity-Investoren zeigen sich für 2019 skeptisch: Sie erwarten einen massiven Rückgang der Dealaktivitäten. Ein Grund dafür sind hohe Unternehmensbewertungen. Doch die Finanzinvestoren sind gut aufgestellt.

Erstmals seit Jahren erwarten Private-Equity-Experten (PE) einen Rückgang der Dealaktivität am europäischen PE-Markt: Fast die Hälfte der Befragten rechnet mit einem sinkenden Transaktions-Volumen in 2019. Das geht aus dem Private-Equity-Ausblick von Roland Berger hervor, für den mehr als 2.500 PE-Anleger in ganz Europa zu den Trends, Herausforderungen und Geschäftsmodellen für 2019 befragt wurden.

Ins Auge sticht dabei die Skepsis der Fondsinvestoren: Denn noch vor zwei Jahren erwartete ebenfalls knapp die Hälfte der Befragten einen Anstieg der Private-Equity-Transaktionen. Für 2019 hingegen rechnen lediglich etwas mehr als 30 Prozent mit mehr Private-Equity-Deals.

Stagnierende Konjunktur und politische Instabilität drücken auf PE-Stimmung

Gründe für diese moderaten Aussichten gibt es viele. Dass sich das Marktumfeld aktuell in einer schwierigen konjunkturellen Phase befindet und daher für weniger abgeschlossene Transaktionen sorgt, glauben rund 84 Prozent der Befragten.

Knapp zwei Drittel sehen auch in der zunehmenden politischen Instabilität, besonders mit Blick auf den Handelskrieg zwischen den USA und China, sowie den immer noch währenden Brexit-Verhandlungen, größere Risiken und damit verbunden einen Rückgang der Deal-Zahlen. Auch der Wettbewerb um gute Zielunternehmen drückt auf die Stimmung, meinen 60 Prozent der Private Equity-Unternehmen.

Top-Target bleibt Pharma & Healthcare

Zumindest mit Blick auf die Top-Targets hat sich wenig getan: Wie im Vorjahr und auch schon 2017 schätzen mehr als zwei Drittel der Experten die Pharma-Industrie und den Gesundheitssektor als die attraktivsten Target-Branchen. Dicht darauf folgen Technologie & Medien, hier rechnen rund zwei Drittel mit den meisten Transaktionen, sowie Business Services & Logistik, wo 65 Prozent eine hohe PE-Aktivität prognostizieren.

Auch was die Segmente angeht, sind sich die Investoren einig: Investitionen in kleine und mittelständische Unternehmen sollen 2019 am vielversprechendsten sein. Dabei liegt der Small-Cap-Sektor mit einem Umsatz von unter 100 Millionen Euro auf Platz eins, denn fast die Hälfte der Befragten sehen in diesem Bereich einen leichten Anstieg der Transaktionen kommen. Im unteren Mid-Cap-Sektor (bis 250 Millionen Euro Umsatz) sehen 34 Prozent der Investoren einen Aufwärtstrend, ebenso wie 18 Prozent der Befragten für den oberen Mid-Cap-Bereich (bis 500 Millionen Euro Umsatz).

Unternehmensbewertungen erreichen hohe Summen

Für 2019 rechnen die Investoren aber auch mit zahlreichen Herausforderungen, darunter zu hohe Unternehmensbewertungen, wie mehr als 90 Prozent aller Befragten finden. Gründe hierfür sehen die Investoren bei den Nullzinsen, dem favorisierten Kreditmarkt sowie den wenigen vorhandenen Zielunternehmen, um die sich die Investoren reißen. Dass sich dies jedoch künftig ändern wird, glauben 63 Prozent der Befragten: Sie erwarten sinkende Unternehmensbewertungen.

Eine baldige Verbesserung im Hinblick auf den Konkurrenzkampf zwischen Investoren sieht zumindest die Hälfte der Befragten nicht kommen. Auch den Wettbewerb mit chinesischen Investoren schätzen die Befragten zu 43 Prozent ähnlich stark wie in den Vorjahren ein, was mit Blick auf die regulatorischen Hürden für M&A-Deals in Europa, ebenso wie die steigende Selektivität chinesischer Investoren, auch nicht verwundert.

Aufgabenportfolio der Finanzinvestoren ist vielfältig

Um den hohen Bewertungen und dem Konkurrenzkampf zu trotzen, haben die Finanzinvestoren ihr Aufgabenportfolio überarbeitet. Um lukrativer zu investieren, planen 32 Prozent der Befragten, ihre bestehenden Portfoliounternehmen weiterzuentwickeln. Damit gewinnt dieser Aufgabenbereich im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Gewicht. Für 2018 sahen hier lediglich 22 Prozent der PE-Investoren Handlungsbedarf.

Ein Viertel der Befragten hat vor, neue Investments zu tätigen und 22 Prozent wollen in diesem Jahr ihre bestehenden Unternehmen weiterverkaufen. Mit diesem Ranking rutscht dieses Aufgabenfeld um zwei Platzierungen nach unten, war es doch im Vorjahr noch das wichtigste Aufgabenfeld.

Diejenigen, die auf den Verkauf ihrer Portfoliounternehmen setzen, tun dies vermehrt über einen Secondary-Buyout. Das schätzen 35 Prozent der Befragten. Knapp ein Drittel geht davon aus, dass Verkäufe an strategische Partner ansteigen werden. Als immer unattraktiver erachten fast 80 Prozent der Experten einen Börsengang des Unternehmens.

Wer hingegen Zukäufe plant, sieht sich wie auch schon 2018 zu 65 Prozent bei Familienunternehmen um, wie aus der Untersuchung hervorgeht. 46 Prozent der Investoren würden immerhin vermehrt einen Blick auf Unternehmen, die bereits in Private-Equity-Hand sind, werfen.

Kooperation mit Hedgefonds gewinnt an Bedeutung

Bleibt noch eine letzte Frage: Wie schätzen die Finanzinvestoren ihre Geschäftsmodelle für 2019 ein? Mehr als zwei Drittel planen, ihr Portfolio Management aktiver zu gestalten und rund 56 Prozent wollen ihre Portfoliounternehmen künftig besser gegen Konjunkturschwankungen wappnen. Auch hat rund ein Drittel der Private-Equity-Investoren vor, mehr Club-Deals mit anderen Finanzinvestoren einzugehen, sowie stärker mit Hedgefonds und strategischen Investoren zu kooperieren.

Ein Rückblick ins vergangene Jahr bestätigt die moderaten Aussichten für 2019: Schon 2018 ging das Buyout-Transaktionsvolumen um 17 Prozent zurück und erreichte einen Stand von 1.209 Deals. Im Vorjahr waren es noch mehr als 1.400 Transaktionen.

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