Die Asset Management-Firma Petercam Institutional beschäftigt sich in einer Research Note mit der Inflation. Sie wagt keine eindeutige Prognose.

Seit der Rezession im Nachgang der Finanzkrise treibt die niedrige Inflation die Politik und Währungshüter um. Trotz massiver Ausdehnung der Geldmenge und niedriger bis negativer Zinsen sind die Notenbanken bisher am Inflationsziel gescheitert. Führt dies zur Deflation und in einen Teufelskreis aus Pleiten und noch mehr Deflation?

Auf diese Frage versucht Hans Bevers, Chefökonom bei Petercam Institutional Asset Management eine Antwort zu geben. Im ersten Teil seiner Research Note listet er die ökonomische Theorie der Inflation auf und beschreibt die Wirkung von Kostendruck-Inflation, Nachfrage-Inflation und monetärer Inflation.

Darauf aufbauend zieht er zwei wichtige Lehren aus der jüngsten Vergangenheit. So führte die Ausdehnung der Notenbank-Bilanzen nicht zur gleichen Erhöhung der breiteren Geldmenge. Es kam auch nicht zu einer galoppierenden Inflation. Dieselbe Erfahrung machte Japan. Die Inflationisten lagen mit ihrer Prognose daneben. Aber auch die Deflationisten lagen falsch, obwohl die sogenannte Philips-Kurve eine Deflation voraussagte.

Basiseffekt bringt höhere Inflation

Bevers geht davon aus, dass die Inflation per Ende 2016 höher sein wird. Grund ist der Basiseffekt durch höhere Öl- und Rohstoffpreise. Doch sowohl die Energie- als auch die Rohstoffpreise zeigen sich volatil. Gleichzeitig dürfte die Kerninflation tief bleiben. Sowohl in der Euro-Zone als auch in Japan ist die Wirtschaft noch nicht über dem Berg. Dies dämpft die Inflation.

In den USA ist die Situation komplexer. Ein beschleunigtes Lohnwachstum, ausgehend von einem tiefen Niveau, könnte das Produktivitätswachstum abwürgen. Mit der Konsequenz, dass der Kerninflationsdruck steigt. Gleichzeitig zeigen Umfragen zur Preisentwicklung, dass die Kerninflation bescheiden bleiben dürfte.

Vieles ist möglich

Auch für Bevers geht das Rätselraten weiter: „ Die Inflations-Aussichten sind in der mittel- bis längerfristigen Perspektive mit viel Unsicherheit behaftet“. Mit konkreten Prognosen bleibt er vorsichtig, vor allem vor dem Hintergrund der Geldschwemme durch die Zentralbanken. Sollten allerdings Unternehmen bei den Investitionen die Handbremse lösen, könnte die Inflation rascher steigen als heute angenommen.

Anfangs der 1980-er Jahre gelang es den Nationalbanken, die hohe Inflation zu stoppen. Allerdings auf Kosten einer Rezession. Die jüngsten Erkenntnisse aus Japan, der Eurozone und den USA zeigen, dass es viel schwieriger ist, die Inflation zu erhöhen, wenn sie niedrig ist. Bevers verweist auf die Liquiditätsfalle, wenn die Zinsen in der Nähe der Nullgrenze oder niedriger sind. Und bringt das Helikoptergeld ins Spiel, um ein höheres Inflationsziel zu erreichen. Auch für den Ökonomen bleibt die Inflations-Zukunft ungewiss.

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