Als die europäische Aufsichtsbehörde Eiopa Mitte Oktober den Auftakt zu ihrer umstrittenen ersten Auswirkungsstudie (QIS) für die betriebliche Altersversorgung gab, übte sie sich im Anachronismus. Möglicherweise zumindest.

Denn die ständigen Verschiebungen, denen Solvency II ausgesetzt ist, könnten auf ein langsames Verscheiden des risikobasierten Eigenkapitalregimes für die Assekuranz hindeuten. Beginnt man in Brüssel zu begreifen, dass man der europäischen Versicherungslandschaft angesichts der von Politik und Notenbanken künstlich herbeigeführten Niedrigzinsen ein eigenmittelforderndes und prozyklisches Regime schlicht nicht mehr zumuten kann? Sorgenfalten und Unruhe in den Chefetagen der europäischen Versicherer sind schließlich auch so bereits tief genug; und für den Fall, dass die EZB die Strategie des Quantitative Easing nicht in aller Konsequenz und Kaltblütigkeit durchzieht, wird sie angesichts von ausufernder Staatsverschuldung und schwacher Realwirtschaft auf absehbare Zeit keinerlei Spielraum für höhere Leitzinsen haben. Dass beizeiten via Wahlen zum Europäischen Parlament auch in der Kommission alle Karten ohnehin neu gemischt werden, ist dabei angesichts der Schwere der Krise nur noch eine Frage am Rande. Wie dem auch sei, so manchem EU-Kommissar dürfte in Sachen Solvency II dieser Tage ein bekanntes indianisches Sprichwort durch den Kopf gehen: „Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“

Jedoch: Wo kein Solvency II für die Versicherer, da auch kein risikobasiertes Regime für Einrichtungen der bAV, so viel steht fest. Tja, und auch die an sich spannende Frage, wie sich denn der holistische Ansatz bei den regulierten Pensionskassen auswirkt, also ob das Fehlen der eigenmittelmindernden Zugehörigkeit zu einem Insolvenzsicherungssystem die Kosten einer Teilnahme an einem solchen überkompensiert, muss dann nicht mehr beantwortet werden. ■

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