Der durchschnittliche Deckungsgrad der Vorsorgeverpflichtungen von SLI-Unternehmen lag Ende 2020 nur rund 1 Prozent tiefer als im Vorjahr. Die Entwicklung der Anlagemärkte im ersten Halbjahr 2021 stimmt ebenfalls positiv.

Die Vorsorgeverpflichtungen der analysierten SLI-Unternehmen sind im Vergleich zum Vorjahr um 1.0 Milliarden Franken gesunken (-0,1 Prozent). Das Planvermögen stieg im gleichen Zeitraum um 3.0 Milliarden Franken (+1,4 Prozent), sodass der aggregierte Deckungsgrad für die SLI-Unternehmen von 92 Prozent im Jahr 2019 auf 93 Prozent im Jahr 2020 stieg. Der durchschnittliche Deckungsgrad, bei welchem alle Unternehmen gleichgewichtet werden, sank hingegen leicht von 85 Prozent auf 84 Prozent, weil neue im Index enthaltene Firmen einen tieferen Deckungsgrad haben als ausgeschiedene, und weil für zwei Unternehmen Zahlen auf dem Höhepunkt der Covid-19-Krise per 31. März 2020 vorliegen.

Dies geht aus der Pension Risk Studie zum Deckungsgrad der SLI-Unternehmen von Willis Towers Watson hervor. Das Beratungsunternehmen analysierte bei den 30 führenden SLI-Unternehmen in der Schweiz die Deckungssituation der Vorsorgeverpflichtungen in den Bilanzen sämtlicher leistungsorientierter Vorsorgepläne gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP inner- und ausserhalb der Schweiz.

Finanzierungsbedarf für die Vorsorgepläne ist tiefer als befürchtet

«Aufgrund der beobachteten Inflationstendenzen und den bereits rekordtiefen Leitzinsen der Notenbanken ist damit zu rechnen, dass die Diskontierungssätze weiterhin tief bleiben, mittelfristig jedoch wieder steigen dürften», erklärt Peter Zanella, Pensionskassenexperte und Senior Director bei Willis Towers Watson in Zürich. Hinzu komme, dass sich die in verschiedenen Ländern beobachtete Zunahme der Lebenserwartung verlangsame. «So ist es möglich, dass sich der Finanzierungsbedarf der Vorsorgepläne trotz der immer stärker werdenden Rentnerbelastung mittelfristig weniger stark erhöhen wird als bisher befürchtet», ergänzt er. Diese Entwicklungen sowie die guten Anlageergebnisse der letzten Monate sollten einen dennoch nicht unvorsichtig werden lassen, mahnt er. «Es bleibt wichtig, entlastende Massnahmen in Betracht zu ziehen, um jederzeit flexibel und aus eigener Kraft auf unerwartete Krisen reagieren zu können», rät Zanella.

Schweiz fällt im internationalen Vergleich zurück

Der durchschnittliche Deckungsgrad in (US-)Unternehmen, zusammengefasst im Willis Towers Watson Pension 100 Index, ist von 88 Prozent 2019 auf 90 Prozent 2020 gestiegen. Damit fällt die Schweiz (2019: 85 Prozent, 2020: 84 Prozent) gegenüber den US-Plänen wieder etwas zurück. Der Deckungsgrad der DAX-Unternehmen verzeichnete ebenfalls einen Rückgang von 66 Prozent (2019) auf 65 Prozent (2020). Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet die Schweiz schlechter ab, was vor allem auf das viel tiefere Zinsniveau infolge der Negativzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zurückzuführen ist.

Optimierung der Anlagestrategie hilft Vermögenserträge zu steigern

Die Einführung von 1e-Plänen oder die Anpassung der Leistungsparameter sowie der Finanzierung helfen weiterhin, die Verpflichtungen zu stabilisieren. Die Optimierung der Anlagestrategie, unter Berücksichtigung von weiteren Kriterien wie Nachhaltigkeit und ESG-Trends, kann dazu dienen, die erwarteten Vermögenserträge bei gleichbleibendem Risiko zu erhöhen. «Damit können bessere Bedingungen sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber geschaffen werden, um die kommenden Herausforderungen zu meistern», sagt Zanella.

Aktuelle Beiträge

dpn Newsletter – Kompetent & unabhängig – Jede Woche neu
Jetzt anmelden »
dpn Newsletter
Jetzt anmelden »
Kompetent – unabhängig – jede Woche neu