Wo finden Pensionierte die besten Lebensbedingungen? Nach Island ist das die Schweiz. In einem Vergleich von 44 Ländern erreicht sie den zweiten Platz basierend auf den Faktoren Gesundheit, Materieller Wohlstand, Finanzen im Ruhestand und Lebensqualität.

Der Global Retirement Index, der jährlich von Natixis Investment Managers und CoreData erstellt wird, listet die Länder auf, welche ihren Rentnern die besten Lebensbedingungen bieten. Auch in diesem Jahr liegt die Schweiz trotz eines leichten Rückgangs der Gesamtpunktzahl an der Spitze der Rangliste und verteidigt den zweiten Platz. Die Messung wird von 18 Indikatoren bestimmt, die in die vier Kategorien Gesundheit, Materieller Wohlstand, Finanzen im Ruhestand und Lebensqualität eingeteilt sind. Der Index berechnet die relative Leistung aller Länder für jedes dieser Kriterien, was zu einem Gesamtranking von 44 Ländern führt. Die Schweiz liegt 2021 mit einem Durchschnittswert von 81 Prozent (gegenüber 82 Prozent im Jahr 2020) knapp hinter Island (83 Prozent), aber vor Norwegen (80 Prozent), Irland (78 Prozent), den Niederlanden (76 Prozent), Neuseeland (76 Prozent) und Australien (76 Prozent). Diese sieben Länder, welche die Rangliste anführen, haben ihre Position zwischen 2020 und 2021 beibehalten.

Schweiz hat in drei Kategorien aufgeholt

Die Schweiz konnte sich in drei Kategorien verbessern. So etwa in der Kategorie Finanzen im Ruhestand, wo sie nun den zweiten Platz belegt (gegenüber Platz vier im Jahr 2020). Dies, obwohl sie in den Bereichen Steuerbelastung, Bankkredite, Zinssätze, Altersabhängigkeit und Governance schlechter abschneidet. Etliche dieser Indikatoren befinden sich jedoch nach wie vor unter den ersten zehn. Dies ist bei Governance (Platz vier), der Kreditvergabe der Banken (Platz sechs) und den Zinssätzen (Platz neun) der Fall.

In der Kategorie Lebensqualität ist die Schweiz auf dem vierten Platz. In dieser Kategorie punktet sie mit guten Leistungen bei der Qualität der Wasser- und Abwassersysteme, der Zufriedenheit der Einwohner sowie der Sicherheit und Sauberkeit der Umwelt. Gut aufgestellt ist die Schweiz auch in der Kategorie Gesundheit: Lebenserwartung und Gesundheitsausgaben pro Kopf liegen auf Platz fünf.

Einige Indikatoren zeigen eine Verschlechterung auf

Allerdings ist die Schweiz 2021 aus einigen der Top Ten Indikatoren herausgefallen: Sie befindet sich beim materiellen Wohlstand neu auf Platz 14 statt 9. Sie ist auch beim Indikator Arbeitslosigkeit vom 19. auf den 22. Platz gerutscht und bei der Einkommensgleichheit vom 18. auf den 20. Platz.

Zukunft ist für Rentner zunehmend unsicher

Die Risiken in Zusammenhang mit Inflation, Zinssätzen, Staatsverschuldung, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung wurden durch die Covid-19-Pandemie noch verschärft. Rentner sind besonders anfällig für niedrige Zinsen und steigende Inflation, die sich beide auf ihre Einkommenssituation auswirken.

Das bestätigt auch aktuelle Umfrage von Natixis IM unter 400 Privatanlegern in der Schweiz, wonach 61 Prozent die Inflation als eines der grössten Risiken für ihr Alterseinkommen betrachten; 65 Prozent sehen in der Höhe der Staatsverschuldung ein Hindernis für ihren Ruhestand; 67 Prozent glauben, dass die Gesundheitskosten einen erheblichen Einfluss auf ihre Finanzen im Ruhestand haben werden und 78 Prozent gehen davon aus, dass sie ihren Ruhestand selbst finanzieren müssen.

Demgegenüber sind 79 Prozent der Befragten der Meinung, dass Unternehmen für die finanzielle Absicherung ihrer Mitarbeitenden im Ruhestand verantwortlich sein sollten und 84 Prozent gaben an, dass sie eher für einen Arbeitgeber mit einem Rentenplan arbeiten würden.

Für die Schweiz sieht Timo H. Paul, Head German-speaking Switzerland bei Natixis Investment Managers, wachsende Herausforderungen makroökonomischer, demografischer und soziologischer sowie nachhaltiger Art. Einzelpersonen wiederum müssten für ihre Altersvorsorge immer mehr Verantwortung bei der Auswahl von Investmentanbietern tragen. Es sei für sie daher entscheidend, dass sie Zugang zu geeigneten Altersvorsorgeinstrumenten hätten, welche ESG-Kriterien berücksichtigen und Anreize zum Sparen setzen würden.

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