Die Hochrechnung der OAK BV weist am Ende des ersten Halbjahres 2021 eine gute Deckungssituation für die Schweizer Pensionskassen aus. Nur wenige Vorsorgeeinrichtungen befinden sich noch in Unterdeckung.

Die Hochrechnung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) zur finanziellen Lage der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen zeigt per Ende Juni 2021, dass sich die Deckungssituation der Vorsorgeeinrichtungen im ersten Halbjahr sehr gut entwickelt hat. Die für die ersten sechs Monate hochgerechneten Zahlen weisen eine deutliche Verbesserung bei den Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie und ohne Vollversicherungen aus. Der durchschnittliche Deckungsgrad stieg von 113,5 Prozent Ende 2020 auf 115,5 Prozent per Ende März 2021. Per Ende Juni kletterte dieser Wert auf 119,9 Prozent. Dies entspricht einer signifikanten Verbesserung im Vergleich zum Vorjahresniveau (102,0 Prozent per Ende März 2020 beziehungsweise 107,9 Prozent per Ende Juni 2020). Kapitalgewichtet befinden sich damit aktuell lediglich 0,6 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung. Das bedeutet, dass nur 0,6 Prozent der Rentenverpflichtungen nicht zu 100 Prozent gedeckt sind.

Kassen profitieren von positiver Marktentwicklung im ersten Halbjahr

Die Oberaufsichtskommission führt die gute Deckungssituation auf die ausgesprochen positive Marktentwicklung im ersten Halbjahr 2021 zurück. Bei unverändert tiefen Marktzinsen erzielten die Vorsorgeeinrichtungen per Ende Juni vor allem in den Kategorien Aktien (14,2 Prozent) und alternative Anlagen (13,6 Prozent) sehr gute durchschnittliche Renditen. Dies ist ein weiterer Sprung im Vergleich zur bereits guten Performance von Aktien (6,1 Prozent) und alternativen Anlagen (6,0 Prozent) per Ende März 2021.

Zielerreichungsgrad der Wertschwankungsreserven steigt

Das Anlegen von Vorsorgegeldern auf den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden. Damit Vorsorgeeinrichtungen Schwankungen auf den Kapitalmärkten tragen können, sind sie gesetzlich verpflichtet, Wertschwankungsreserven zu bilden. Die durchschnittliche Zielgrösse der Wertschwankungsreserven liegt bei 17,8 Prozent der Vorsorgekapitalien. Per Ende 2020 hatten 30 Prozent der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ihre Zielwertschwankungsreserven vollständig aufgebaut. Per Ende März 2021 stieg dieser Wert auf 42 Prozent an, und per Ende Juni 2021 haben zwei Drittel der Vorsorgeeinrichtungen ihre Zielwertschwankungsreserven vollständig geäufnet.

Vorsorgeeinrichtungen müssen immer höhere Anlagerisiken tragen

«Dieser Wert bleibt jedoch volatil», hält die OAK BV fest. «Im aktuellen Tiefzinsumfeld müssen viele Vorsorgeeinrichtungen immer höhere Anlagerisiken auf sich nehmen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.» Die Corona-Pandemie habe zuletzt gezeigt, wie rasch es zu massiven Verwerfungen am Markt kommen könne, welche die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen bedrohten. «Ein genügend hoher Deckungsgrad, das heisst ausreichende Wertschwankungsreserven, ist deshalb für die finanzielle Stabilität der Vorsorgeeinrichtungen essentiell», betont die Oberaufsichtskommission.

Kassen nahe am BVG-Obligatorium haben Mühe, die Verpflichtungen zu erfüllen

«Die errechneten Durchschnittswerte zur Deckungssituation und zur Marktentwicklung in der ersten Jahreshälfte dürfen jedoch nicht über die andauernden Herausforderungen im System der zweiten Säule hinwegtäuschen», mahnt die OAK BV. Während viele Vorsorgeeinrichtungen mit Leistungen weit über dem BVG-Obligatorium zukunftsgerichtet aufgestellt seien, bleibe die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität für andere Vorsorgeeinrichtungen eine schwierige Aufgabe. «Im derzeitigen Tiefzinsumfeld ist es besonders für Einrichtungen nahe am BVG-Obligatorium schwierig, die gesetzlich vorgeschriebenen Verpflichtungen mittel- und langfristig zu erfüllen. Die aktuellen unrealistischen Vorgaben beim Mindestumwandlungssatz führen neben höheren Anlagerisiken zu einer ungewollten Umverteilung von Aktiven zu Rentenbeziehenden», so die Kritik der Oberaufsichtskommission.

Reformbedarf bleibt hoch

Die OAK BV sieht deshalb die Politik in der Pflicht, die nötigen Anpassungen im Gesetz vorzunehmen, damit Vorsorgeeinrichtungen im Rahmen realistischer gesetzlicher Parameter für ihre Versicherten Vorsorgeleistungen produzieren können.

Für das Monitoring der Oberaufsichtskommission werden monatliche Hochrechnungen erstellt, die auf den individuellen Anlagestrategien der Vorsorgeeinrichtungen sowie der effektiven Entwicklung der Anlagemärkte fussen. Insgesamt flossen die Daten von 1.345 Vorsorgeeinrichtungen mit einer Bilanzsumme von rund 798 Milliarden Franken in die Hochrechnung per Ende Juni 2021 ein.

Anbei der «Bericht finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2020»

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