Im MSCI ACWI Index enthaltene Unternehmen müssen der Studie zufolge bis 2025 insgesamt Bewertungsabschläge von 3,1 bis 4,5 Prozent hinnehmen. Das entspricht einem Volumen von 1,6 bis 2,3 Billionen US-Dollar.

Angesichts bisher nur mäßiger Erfolge beim weltweiten Klimaschutz wird die Politik mit klimapolitischen Maßnahmen kurz‐ und mittelfristig verstärkt in die Märkte eingreifen, so Principles for Responsible Investment (PRI). Auf die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen ist die Finanzwirtschaft bislang nicht vorbereitet, heißt es in der Studie “Inevitable Policy Response”.

Lediglich zwei Prozent der Signatoren der PRI – darunter einige der größten Anleger weltweit – hätten sich mit dem Thema bisher ausreichend auseinandergesetzt. “Investoren müssen sich jetzt auf die regulatorisch bedingte Disprution an den Märkten einstellen, um signifikante Branchenrisiken zu minimieren und von braunen zu grünen Assets zu wechseln”, so Fiona Reynolds, CEO bei PRI.

Portfolios prüfen und anpassen

Die Studie biete ein geeignetes Hilfsmittel, mit dem Anleger ihre Portfolios überprüfen und anpassen können. “Es ist Zeit, zu handeln”, sagte Reynolds. Denn es sei keine Frage, dass die Politik auf den Klimawandel reagieren werden. Unklar sei lediglich, wie stark die Reaktion ausfalle. Es sei allerdings davon auszugehen, dass die regulatorischen Maßnahmen um so schärfer ausfallen werden, je weniger effektiv man beim Klimaschutz vorankomme.

“Unsere Analyse verdeutlicht, inwieweit die Märkte das Risiko des Klimawandels unterbewerten. Jedes fünfte der weltweit wertvollsten Unternehmen ist von Bewertungsveränderungen in Höhe von mindestens 10 Prozent in beide Richtungen betroffen.”

Fiona Reynolds, CEO bei PRI

Die Gewinner etwa im Automobilsektor oder bei Versorgungsunternehmen könnten ihre Bewertungen mehr als verdoppeln, während die Verlierer sich auf erhebliche Wertminderungen einstellen müssen. Die größten Herausforderungen würden sich vor allem für die Sektoren Energie, Automobilbau, Versorgung, Mineralstoffe und Agrarwirtschaft ergeben.

Die wichtigsten Treiber von Marktveränderungen

  • Verbote für Verbrennungsmotoren bis 2035. Diese werden zu einem Nachfragerückgang nach fossilen Brennstoffen führen und sich auf Preise und Margen auswirken.
  • CO2‐Bepreisung und erhebliche, durch die Klimapolitik erhöhte CO2‐Kosten werden emissionsintensive Unternehmen belasten.
  • Die Umstellung auf ULEVs (Ultra Low Emission Vehicles) wird sich signifikant auf die Automobilindustrie und die Nachfrage nach grünen Mineralstoffen auswirken.
  • Die Umstellung von 93 Prozent der gesamten Stromerzeugung bis 2050 auf kohlenstoffarme Energiequellen wird den Versorgungsssektor durcheinanderwirbeln.
  • Der erhöhte Schutz für Wald‐ und Ackerflächen bis 2030 hat Auswirkungen auf entsprechende Lieferketten im Bereich wirtschaftlich genutzter Naturressourcen.

Die wichtigsten finanziellen Auswirkungen

  • Die 100 am stärksten negativ betroffenen Unternehmen des MSCI ACWI verlieren 43 Prozent ihres aktuellen Wertes. Das entspricht 1,4 Billionen US‐Dollar. Die 100 am stärksten profitierenden Firmen könnten um 33 Prozent ihres gegenwärtigen Wertes zulegen, was 0,7 Billionen US‐Dollar entspricht.
  • Die Automobilhersteller mit den höchsten Investitionen in Elektrofahrzeuge werden ihren Wert um 108 Prozent steigern.
  • Die größten börsennotierten Kohleunternehmen der Welt könnten ihren Wert nahezu halbieren (‐44 Prozent).
  • Die zehn größten Unternehmen im integrierten Sektor der Öl‐ und Gasexploration und -produktion verlieren nach Marktkapitalisierung fast ein Drittel (31 Prozent) des aktuellen Wertes oder 0,5 Milliarden Dollar.
  • Stromversorger mit zukunftsfähigen Strategie für erneuerbare Energien könnten ihre Bewertung verdoppeln (104 Prozent), während die Bewertungen der Nachzügler um 66 Prozent fallen können.
  • Unternehmen, die für den Übergang erforderliche Mineralstoffe produzieren, können um 54 Prozent nach oben gehen. Diejenigen mit dem geringsten Anteil an “grünen Mineralstoffen” müssen sich auf Bewertungsabschläge von 49 Prozent einstellen.
  • Agrarunternehmen mit einem hohen Anteil an nachhaltigen Biokraftstoffen und Produzenten von Nicht‐Rindfleisch‐Proteinquellen, deren Nachfrage steigt, legen im Wert um mindestens zehn Prozent zu. Rindfleischproduzenten verlieren mehr als 15 Prozent. Noch starker fällt der Bewertungsverlust bei Firmen aus, deren Geschäftstätigkeiten direkt mit der Abholzung von Wäldern verbunden sind. Hier könnte der Abschlag bis zu 43 Prozent betragen.

Das Projekt “The Inevitable Policy Response” wurde von den Partnern PRI, Energy Transition Advisors, Vivid Economics, Carbon Tracker Initiative, 2 Degrees Investing Initiative und Grantham Institute on Climate Change and the Environment entwickelt.

 

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