Eine Mehrheit der Versicherten wünscht sich nachhaltig angelegte Vorsorgegelder. Die Politik lehnt Anlagebeschränkungen für Pensionskassen ab. Diese müssten einen genügend hohen Ertrag erzielen und Anlagerisiken angemessen verteilen können.

Zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer möchten, dass ihre Vorsorgegelder nachhaltig angelegt werden, wie eine repräsentative Umfrage der AXA Schweiz unter mehr als 1.000 Personen zeigt. Bei Jüngeren zwischen 18 und 25 Jahren ist dieses Interesse mit einer Zustimmung von rund 73 Prozent besonders hoch. Sie sind Sparerinnen und Sparer der Zukunft. Eine Studie der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2017 kommt zum selben Schluss: Danach wünschten sich 72 Prozent der befragten 1.200 Personen aus allen Sprachregionen nachhaltige Anlagen der Pensionskassen. Siehe dazu auch die IFZ Sustainable Investments Studie 2020. Der Druck auf Pensionskassen und Vorsorgeanbieter, diesem Bedürfnis auch gerecht zu werden, dürfte also weiter zunehmen.

Nachhaltigkeitskriterien sind auch in der Säule 3a zunehmend wichtiger

Anders als in der beruflichen Vorsorge, wo die meisten Versicherten nicht aktiv mitbestimmen können, wie ihre Vorsorgegelder angelegt werden, entscheiden Vorsorgesparerinnen und -sparer in der private Altersvorsorge selber, wie und wo sie ihr Geld anlegen möchten. Wie die Umfrage zeigt, hat die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien für die Wahl der Säule 3a-Lösung in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen.

Während 2019 noch 18 Prozent der Befragten angaben, vorwiegend oder ausschliesslich in nachhaltige 3a-Lösungen zu investieren, sagten dies 2021 bereits 22 Prozent. Um einiges stärker hat sich die Anzahl derjenigen erhöht, die zumindest versuchen, nachhaltig anzulegen, sofern auch die Rendite stimmt: Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt, von 26 Prozent 2019 auf 46 Prozent in diesem Jahr. Parallel dazu hat sich der Anteil jener, für die Nachhaltigkeit bei der Wahl der 3. Säule keine Rolle spielt, von 46 Prozent 2019 auf 18 Prozent 2021 reduziert.

Nachhaltigkeit muss nicht zulasten der Rendite gehen

Für Daniel Gussmann, Chief Investment Officer der AXA Schweiz, ist klar, dass ein Grossteil der Befragten insbesondere sehr negative Auswirkungen ihrer Anlagen vermeiden möchte. «Dafür wären sie sogar bereit, auf einen Teil der Rendite zu verzichten. Sobald ein gewisses Mass an Nachhaltigkeit erfüllt ist, rückt die Rendite wieder stärker in den Vordergrund», sagt er. Dabei müsse Nachhaltigkeit nicht zulasten der Rendite gehen: «Es ist beides möglich!»

Altersvorsorge soll klimaverträglich sein

Um die Klimaverträglichkeit der Anlagen von Vorsorgeeinrichtungen zu stärken, soll das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) geändert werden. Dies wurde im Juni 2020 mittels einer Parlamentarischen Initiative beantragt. Danach sollen die Vorsorgeeinrichtungen verpflichtet werden, periodisch die Klimaverträglichkeit ihrer Anlagen zu messen. Auch sollen sie ihre Versicherten jährlich in geeigneter Form über die Klimaverträglichkeit ihrer Anlagen informieren müssen. Schliesslich sollen sie verpflichtet werden Massnahmen zu ergreifen, um die Klimaverträglichkeit der Anlagen zu verbessern.

Politik lehnt Anlagebeschränkungen für Pensionskassen ab

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats beantragte jüngst, der Parlamentarischen Initiative für eine klimaverträgliche Altersvorsorge keine Folge zu leisten. Die Pensionskassen müssten bei der Verwaltung ihres Vermögens für einen genügend hohen Ertrag sorgen und die Anlagerisiken angemessen verteilen können. Die Kommission lehnt zusätzliche Regulierungen daher ab. Im Rat ist der Vorstoss noch nicht behandelt worden.

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