15.03.2018 | Von BERNHARD RAOS

Noch viel Luft nach oben

Die Versorgungslücke bei der Alterssicherung wächst trotz bAV.

Das Versorgungsniveau der arbeitgeberfinanzierten bAV beträgt im Median zwischen 4,4 und 4,8 Prozent des letzten Grundgehalts. Das reicht nicht, um die sinkende gesetzliche Rente zu kompensieren. Dies zeigt der aktuelle deutsche bAV-Index, für den das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson total 200 Unternehmen mit 332 arbeitgeber- oder mischfinanzierten Versorgungszusagen analysiert hat.

Es brauche, so Heinke Conrads, Bereichsleiter Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson, mindestens eine doppelt so hohe Dotierung der betrieblichen Altersvorsorge, um die Lücke bei der gesetzlichen Rente zu füllen. Und: „Die Unternehmen allein können diese Last nicht stemmen. Die Arbeitnehmer sind gefordert, sich stärker mit Eigenbeteiligungen einzubringen.“

So erhält ein Angestellter mit Tarifgehalt nach 42 Vertragsjahren eine Altersleistung im Mittel von 4,6  Prozent des letzten Grundgehalts. Im aussertariflichen Bereich sind es nach 32 Jahren im Schnitt 4,4 Prozent und für Führungskräfte beläuft sich die Altersleistung nach 22 Jahren auf 4,8 Prozent der letzten Grundvergütung.

Grosse Unterschiede nach Branchen

Wie die Studie zeigt, steigt die Höhe der bAV mit der Grösse des Unternehmens. Gross sind die Unterschiede zwischen den Branchen: Arbeitnehmer in der Rohstoffverarbeitung und Warenherstellung können im Median mehr als doppelt so hohe Leistungen erwarten wie Angestellte der Informations- und Kommunikationsbranche.

Im bAV-Markt ist es mittlerweile Praxis, den Mitarbeiter mit Matching-Modellen zur Mitfinanzierung seiner zweiten Säule zu motivieren. Bei solchen Versorgungssystemen ist die Höhe der Arbeitgeberbeiträge ganz oder teilweise an die Eigenbeteiligung des Mitarbeiters gekoppelt. In 45 Prozent der Unternehmen ist dies Voraussetzung für arbeitgeberfinanzierte Beiträge zu bAV. Weitere 39 Prozent der Unternehmen setzen auf ein moderateres Modell: Es gibt einen festen Grundbetrag, der aufgestockt wird, wenn sich der Mitarbeiter zu einer Entgeltumwandlung entschliesst.

Für Mitarbeiter gilt in der Regel bei den Auszahlungsoptionen grosse Flexibilität. Arbeitnehmer entscheiden sich gemäss bAV-Index indes zu 95 Prozent für eine Rente.

Die Studienautoren verbinden ihren bAV-Index mit einer Forderung an die Politik. Nicht nur die Verbreitung der Betriebsrente sei wichtig, sondern auch die Höhe der bAV. Das Betriebsrentenverstärkungsgesetz setze zwar Impulse, ob das Niveau der betrieblichen Altersvorsorge tatsächlich steige, sei aber noch offen.

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