Das Pharmaunternehmen Roche Diagnostics, der Testsystemehersteller Advantest und REWE sind die Gewinner des diesjährigen Deutschen bAV-Preises in der Kategorie „Großunternehmen“. In der Kategorie „KMU“ konnten sich der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen, der Pflegedienst Anja Schleder und das Autohaus Schrön über die Auszeichnung für vorbildliche betriebliche Altersversorgungsprojekte freuen.

Die Auszeichnungen wurden am 1. Juni im Rahmen der Konferenz „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ bekannt gegeben. Der Deutsche bAV-Preis wird seit 2014 jährlich verliehen. „Es zeigt sich deutlich, dass es den Unternehmen wichtig ist, eine attraktive und werthaltige bAV für ihre Mitarbeitenden anzubieten. Die Preisträger nutzen die bAV, um sich damit im Wettbewerb um Fachkräfte von ihren Mitbewerbern abzuheben oder um Mitarbeitende an das Unternehmen zu binden.“ So beschreibt die Jury des Deutschen bAV-Preises ihren Gesamteindruck aus der Vielzahl der eingereichten Bewerbungen. Gleichzeitig prüften die Unternehmen sorgsam, wie sie die mit der bAV verbundenen Risikopositionen in einem gut kalkulierbaren Rahmen halten können. Das Ergebnis ist, so die Jury, „eine gelungene Balance zwischen Risikobegrenzung einerseits und einem bemerkenswerten Vorsorgeangebot für die Mitarbeitenden andererseits“.

Während die Ampelkoalition zum Thema bAV allenfalls sagt, dass sie gestärkt werden solle, setzten viele Unternehmen durchdachte Pensionspläne tatkräftig um. „Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zu einer substanziellen und langfristig tragfähigen Altersversorgung“, betont Jury-Mitglied Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Freiburg. „Gerade in einer Zeit, die durch Unsicherheit, etwa infolge der Corona-Krise, aber auch durch eine steigende Inflation geprägt ist, werden Mitarbeitende somit von Finanzsorgen im Hinblick auf ihren Ruhestand entlastet“, ergänzt bAV-Experte Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Westeuropa bei WTW. Studien belegen, dass Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden bei der Altersvorsorge unterstützen, im Gegenzug mit einer längeren Betriebstreue und einem größeren Engagement rechnen können. „Dies haben insbesondere die Preisträger-Unternehmen erkannt. Sie investieren signifikante Beträge, um ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachzukommen, und zwar mit Gewinn: durch positive personalwirtschaftliche Effekte“, sagt Jasper.

Preisträger aus Großunternehmen und KMU

Der Deutsche bAV-Preis wird jährlich in den Kategorien „Großunternehmen“ und „KMU“ vergeben, um die je nach Unternehmensgröße unterschiedlichen Ausgangsituationen angemessen zu würdigen.

Kategorie Großunternehmen

1. Platz: Roche Diagnostics GmbH
Garantie und Chance in Einklang gebracht: „Zur Mitarbeitergewinnung und -bindung gehört im Rahmen des Gesamtvergütungspaketes auch die Betriebsrente“, betont Roche. Das Pharmaunternehmen bietet seinen Mitarbeitenden eine lebenslange Betriebsrente, deren Verrentungszins trotz des Niedrigzinsumfelds deutlich über dem Markt liegt. Möglich wurde dies durch eine zweigleisige Strategie: Die Betriebsrente teilt sich auf in eine Garantierente und eine nicht garantierte „Kapitalmarktprämie“, deren Höhe an die Überschüsse aus der Anlage des Pensionsplanvermögens gekoppelt ist. Die Kapitalanlage wurde optimiert und diversifiziert. Die Eigenvorsorge seiner Mitarbeitenden bezuschusst Roche und bietet damit eine sehr werthaltige Altersversorgung an, während Risiken, Bilanzkosten und Volatilität für das Unternehmen eingegrenzt werden.

2. Platz: Advantest Europe GmbH, München
Ganzheitliche Modernisierung und Flexibilisierung: „Als Weltmarktführer für Testsysteme wollen wir unseren Mitarbeitenden auch in der bAV mehr als nur ein ‚Standardpaket‘ bieten“, sagt Advantest. Nachdem das Unternehmen durch Zukäufe stark gewachsen war, galt es, die zersplitterte bAV-Landschaft zu einem einheitlichen Pensionsplan zusammenzuführen. Das Unternehmen bietet eine arbeitgeberfinanzierte Grundsicherung und verdoppelt die flexiblen Eigenbeiträge seiner Mitarbeitenden. Ein neues Online-Portal bietet den Mitarbeitenden jederzeit Einblick in die Entwicklung ihrer Leistungsansprüche und senkt den Administrationsaufwand für das Unternehmen. Flexibel ist der Pensionsplan auch in der Auszahlungsphase mit Blick auf den Ruhestandsbeginn ab Alter 62 und die Auswahl zwischen einer lebenslangen Versicherungsrente oder Kapitalauszahlungen.

3. Platz: REWE Zentralfinanz eG, Köln
Kapitalanlage im Niedrigzinsumfeld optimiert: Auch im Niedrigzinsumfeld wird die REWE Group ihren Mitarbeitenden eine werthaltige bAV anbieten – in einer Branche, in der eine attraktive bAV noch nicht selbstverständlich ist. Das vorherige Garantiezinsmodell löste der Handels- und Touristikkonzern daher durch ein Modell mit Beitragsgarantie ab. In diesem Rahmen werden Kapitalanlagechancen und -risiken für die Mitarbeitenden durch ein Lebenszyklusmodell bestmöglich ausgesteuert und gleichzeitig das Risiko einer Nachschussverpflichtung für die REWE Group minimiert. „Diese Versorgung passt zu den aktuellen Marktgegebenheiten und kann auch auf zukünftige Entwicklungen flexibel reagieren“, sagte Rainer Nicklas, Head of Corporate Finance der REWE Group.

Kategorie KMU

1. Platz: Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen LHO e. V., Gießen
Skaleneffekte durch Vorsorge-Tarif realisiert: „Das Berufsbild ‚Busfahrer/in‘ soll durch verbesserte Rentenleistungen attraktiver sowie Unternehmen im ÖPNV bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung unterstützt werden.“ So umreißt der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen das Ziel seines bAV-Angebots. Mit der „Busrente Hessen“ hat er eine kostenminimierte tarifvertragliche Großlösung für eine Branche eingerichtet, die vor allem durch sehr kleine Unternehmen geprägt ist. Sie bietet einen hohen Versorgungsgrad durch eine arbeitgeberfinanzierte bAV, die mit einer automatischen Eigenbeteiligung der
Mitarbeitenden (Opting-Out) kombiniert wird, einen provisionsfreien Versicherungstarif und die durch das BRSG eröffnete Geringverdienerförderung. Mitarbeitende können ihre bAV zudem bei einem Arbeitgeberwechsel innerhalb der Branche „mitnehmen“ und genießen somit einen Schutz vor Vertragssplitterung.

2. Platz: Pflegedienst Anja Schleder, Bad Liebenstein
Umfangreiches Benefits-Paket – persönlich vermittelt: „Fachkräfte binden und finden durch eine vertrauensvolle Unternehmensphilosophie ergänzt durch ein Benefit-Paket mit umfangreichem Mehrwert für meine Mitarbeitenden“ – so beschreibt Pflegedienst-Inhaberin Anja Schleder das Ziel ihres Personalinstruments. Obwohl die Branche stark von Kostendruck geprägt ist, ergänzt Schleder die Gehälter ihrer Mitarbeitenden um ein arbeitgeberfinanziertes Vorsorgeangebot, das eine Alters- und Invaliditätsabsicherung sowie umfangreiche Gesundheitsleistungen umfasst. Deren Wertschätzung wird durch individuelle Informationsgespräche, eine Broschüre und regelmäßige Anschreiben ausgebaut. Eine App ergänzt das Kommunikationsangebot. Die Administration wird durch Onlineverwaltungsprogramme und einen Dienstleister deutlich erleichtert.

3. Platz: Autohaus Schrön GmbH, Bad Salzungen
Betriebstreue umfangreich honoriert: Dass auch sehr kleine Unternehmen beachtliche Vorsorgelösungen auf die Beine stellen können, zeigt das Vorsorgeangebot des Autohauses Schrön, das mit dieser Maßnahme die Bindung seiner zwölf Mitarbeitenden an das Unternehmen stärken möchte. Nachdem ein bereits vorhandenes Entgeltumwandlungsangebot kaum genutzt wurde, setzt das Autohaus nun auf arbeitgeberfinanzierte, nach Unternehmenszugehörigkeit steigende Bausteine für die Altersvorsorge sowie auf Berufsunfähigkeits- und Gesundheitsleistungen. Die Verträge werden digital verwaltet. Den Mitarbeitenden steht eine passende App zur Verfügung, Fragen wurden in persönlichen Informationsgesprächen beantwortet. „Dieser ‚Ruhestandsassistent‘ bringt unsere Mitarbeitenden sicher ans Rentenziel“, betont Inhaber Mirko Schrön.

Die Jury

Der unabhängigen Jury des Deutschen bAV-Preises gehören folgende Experten an:

• Susanna Adelhardt, Leiterin Global Benefits, Evonik Industries AG
• Horst Grögler, Head of Pension Asset Management, TRATON SE
• Klaus Morgenstern, Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH
• Sabine Oxenknecht. Head of Occupational Pension, SICK AG
• Dr. Claudia Picker, Leiterin HR Solutions Germany, Bayer AG
• Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft
• Marcus Wilhelm, Leiter Corporate Pensions, Airbus

Preis mit zahlreichen Unterstützern

Initiiert wurde der Deutsche bAV-Preis 2013 von MCC und WTW. Unterstützung erhält dieser Vorstoß von zahlreichen Organisationen, darunter die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) sowie das ddn – Das Demographie Netzwerk e. V. Ebenso zählen namhafte Unternehmen, wie adesso insurance solutions, Allianz, Alte Leipziger, Fidelity International, Metzler Pension Management, R+V sowie Swiss Life Asset Managers, zu den Partnern des Deutschen bAV-Preises. Medienpartner sind COMP&BEN, dpn, Finanzwelt, Leiter-bAV.de, Personalmagazin und Personalwirtschaft.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »