17.10.2018 | Von BERNHARD RAOS

Mehr Zins und tiefere Renten

Im letzten Jahr haben Schweizer Versicherte auf ihr Alterskapital bei Pensionskassen einen Durchschnittszins von 2,25 Prozent erhalten. Gleichzeitig sinkt der für die Höhe der Rente relevante Umwandlungssatz.

Die effektive Verzinsung der Sparkapitalien der aktiv Versicherten von Schweizer Pensionskassen ist im Jahr 2017 deutlich angestiegen. Sie lag im Durchschnitt bei 2.25 Prozent und damit über dem Vorjahreswert von rund 1.64 Prozent. Dies ist eines der Resultate der aktuellen Studie “Analyse der Geschäftsberichte von Pensionskassen” des Zürcher Beratungsunternehmens PPCmetrics. Sie basiert auf den revidierten Geschäftsberichten von 294 Kassen mit einem kumulierten Vorsorgevermögen von rund 655 Milliarden Franken.

Gleichzeitig setzte sich der Trend zu sinkenden technischen Zinsen, dem sogenannten Bewertungszins, fort. Er reduzierte sich um 0.21 auf 2.06 Prozent. Damit war die Verzinsung der Vorsorgekapitalien für Rentner (technischer Zins) tiefer war als die Verzinsung der Sparkapitalien der aktiven Versicherten. Seit Messbeginn 2008 ist dies zum ersten Mal der Fall.

2017 war ein gutes Anlagejahr. Die durchschnittliche absolute Rendite 2017 aller betrachteter Pensionskassen betrug rund 7,57 Prozent. Die Spannweite ist mit Resultaten zwischen 2,50 Prozent bis 13,52 Prozent allerdings sehr groß

Um die Ergebnisse von Pensionskassen vergleichbar zu machen, verwendet PPCmetrics den sogenannten “risikotragenden Deckungsgrad”. 2017 stieg der durchschnittliche risikotragende Deckungsgrad der Vorsorgeeinrichtungen im System der Vollkapitalisierung deutlich von 88,4 auf 102,4 Prozent. Ein risikotragender Deckungsgrad unter 100 Prozent bedeutet, dass per Stichtag die garantierten Renten nicht ohne Unterstützung der Risikoträger finanziert werden können. In einem solchen Fall müssen aktiv Versicherte und gegebenenfalls der Arbeitgeber mit potenziellen Leistungseinbussen oder Sanierungsmassnahmen rechnen. Die deutliche Verbesserung ist primär dem guten Anlagejahr geschuldet.

Was die Versicherten am meisten interessiert, ist der Umwandlungssatz. Mit diesem Satz wird das Alterskapital in eine Rente umgewandelt. Die ausgewiesenen Umwandlungssätze aller betrachteten Vorsorgeeinrichtungen betrugen per 01.Januar 2018 im Durchschnitt und im Median rund 5,9 Prozent. Das ist um 0,1 Prozent tiefer gegenüber anfangs 2017.Auch hier ist die Spannweite groß; sie umfasst Sätze zwischen 4,2 und 7,0 Prozent.

Wobei der ökonomisch neutrale Umwandlungssatz laut PPCmetrics bei 3,8 Prozent liegt. Das  Beratungsunternehmen hebt denn auch den Warnfinger: “Ökonomisch gesehen wird zur Finanzierung einer Altersrente rund die Hälfte mehr an Kapital benötigt, als bei der Pensionierung an Altersguthaben vorhanden ist.” Das Umfeld für Vorsorgeeinrichtungen bleibt auch in der Schweiz herausfordernd. Die komplette Studie kann von der Homepage www.ppcmetrics.ch heruntergeladen werden.

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