Im Fremdkapitalmarkt sind heute neben klassischen Banken auch private und institutionelle Investoren aktiv. Über Online-Plattformen buhlen sie um Kunden, wobei sich ihr Marktvolumen seit 2017 verdreifacht hat.

Neue Technologien, das Niedrigzinsumfeld und ein verändertes Kundenverhalten schwächen gewisse Wettbewerbsvorteile traditioneller Banken und lassen neue Geschäftsmodelle im Finanzsektor entstehen. Ein Beispiel hierfür sind Marketplace Lenders, die mit Online-Plattformen im Schweizer Fremdkapitalmarkt aktiv sind. Das Marktvolumen dieser Plattformen erreichte im Jahr 2020 rund 15,4 Milliarden Franken. Gegenüber 2019 bedeutet dies ein Wachstum von 42 Prozent. Das zeigt der neu lancierte Marketplace Lending Report der Hochschule Luzern.

Marketplace-Lending-Plattformen nehmen im Gegensatz zu Banken weder Einlagen entgegen, noch vergeben sie selbst Kredite über die eigene Bilanz. Kreditgeber sind in der Regel Privatpersonen oder professionelle und institutionelle Investoren, wie beispielsweise Versicherungen, Fonds, Pensionskassen, Banken oder Family Offices.

Marktvolumen hat sich seit 2017 verdreifacht

Das Gesamtvolumen an Fremdkapital, das 2020 über Onlineplattformen verliehen wurde, betrug 15,4 Milliarden Franken. Das Gesamtmarktvolumen an neuen Krediten und Anleihen wuchs zwischen 2019 und 2020 um 42,5 Prozent. Die Volumina und Wachstumszahlen der verschiedenen Segmente von Marketplace Lending unterscheiden sich aber deutlich. Das Segment der Crowdlending-Kredite erreichte 2020 rund 448 Millionen Franken, dasjenige der Broker für Hypothekarkredite, die von institutionellen und professionellen Anlegern finanziert werden, 5,5 Milliarden Franken. Das Volumen im Segment der Kredite und Anleihen für mittlere und grosse Unternehmen sowie öffentlich-rechtliche Körperschaften betrug 9,4 Milliarden Franken.

Hypothekarkredite stellen den volumenmässig grössten Fremdkapitalmarkt dar

Vermittlungsplattformen erreichten 2020 ein Volumen von rund 5,5 Milliarden Franken, was einem Marktanteil von 3 Prozent bis 3.5 Prozent der neu ausgegebenen Hypothekarkredite entspricht. Erste Plattformen sind bereits seit 2012 im Markt. In den vergangenen Jahren konnte man beobachten, dass zunehmend auch Banken solche Marktplätze aufbauen.

Kredite an Gemeinden und Städte haben sich auf Plattformen etabliert

Gemessen am Marktanteil, hat das Segment der Kredite an öffentlich-rechtliche Körperschaften eindeutig die höchste Relevanz aller Marketplace-Lending-Segmente erzielt. Die Studienautoren schätzen, dass rund 10 bis 15 Prozent aller Kredite an Gemeinden, Städte und Kantone in der Schweiz über Plattformen vermittelt werden.

Crowdlending-Segment ist stark von der Covid-19-Krise betroffen

Obwohl das Crowdlending-Segment 2020 insgesamt um 7,1 Prozent gewachsen ist, waren bestimmte Kreditarten stark von Covid-19 betroffen. So war der deutliche Rückgang bei den KMU-Krediten eine unmittelbare Folge des Covid-19-Kreditprogramms des Bundes. Das Segment der Konsumkredite war aufgrund der zurückgehenden Konsumnachfrage ebenfalls stark von der Covid-19-Krise betroffen. Auf der anderen Seite stiegen die hypothekarisch gesicherten Kredite stark an und bewirkten ein Gesamtwachstum des Volumens im Crowdlending-Segment. Die Studienautoren erwarten nach der Pandemie eine Erholung des Marktes und eine Beschleunigung des Wachstums.

Die Hochschule Luzern, die Swiss Marketplace Lending Association (SMLA) und die TMF Group haben den Marketplace Lending Report dieses Jahr lanciert. Es handelt sich um die erste umfassende Analyse zur Fremdkapital-Finanzierung von Schweizer Unternehmen, öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Privatpersonen über Plattformen im Internet.

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