22.03.2019 | Von Olivia Harder

Anleiheinvestoren prognostizieren Ende des Aufschwungs

Der aktuelle Konjunkturzyklus dauert bereits zehn Jahre an und die Investoren sitzen auf heißen Kohlen: Ihre Sorgen über eine baldige Rezession werden immer größer. Daher treffen sie jetzt schon präventive Maßnahmen, wie aus einer aktuellen Studie von Invesco hervorgeht.

Ist nach zehn Jahren Aufschwung schon bald Schluss mit Boom? Institutionelle Investoren sind pessimistisch – sie erwarten ein baldiges Ende des aktuellen Konjunkturzyklus und suchen schon jetzt nach möglichen Indikatoren für eine Rezession.

Das geht aus einer Untersuchung des Anlageverhaltens von Anleiheinvestoren vor, für die die Investmentgesellschaft Invesco 145 Anleiheexperten und CIOs interviewt hat. Die Befragten stammen aus den Regionen EMEA, Nordamerika und Asia-Pazifik und verwalten zusammengerechnet rund 14,1 Billionen US-Dollar (12,3 Billionen Euro).

Konjunktur-Aufschwung dauert noch höchstens zwei Jahre

Demnach schätzt fast die Hälfte der Befragten, dass der aktuelle Konjunkturzyklus noch ein bis zwei Jahre dauern und der nächste Abschwung somit zwischen Ende 2019 und Ende 2020 einsetzen wird. Fast ein Drittel ist sogar der Meinung, dass der Konjunkturzyklus schon innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate enden könnte.

Die Erwartungen gehen dabei regional auseinander: Während Anleger aus dem Raum Asia-Pazifik pessimistisch sind, glauben nordamerikanische Investoren an ein Zyklusende innerhalb des nächsten Jahres. Befragte aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika sind am optimistischsten und schließen sich der Ein-bis-zwei-Jahres-Prognose an.

Nervosität an den Aktien- und Anleihemärkten

Ein Blick auf die Aktien- und Anleihemärkte verrät zudem: Auch hier sind die Investoren eher nervös. 60 Prozent der Befragten denken, dass sich die Kreditspreads in den nächsten drei Jahren ausweiten werden, etwas mehr als ein Drittel der Anleiheinvestoren ist besorgt über einen Anstieg der Inflation.

Knapp die Hälfte rechnet mit einer Zinsstrukturkurve, die noch für längere Zeit flach bleiben wird und fast ein Drittel erwartet in den kommenden Jahren sogar eine Invertierung der Zinskurve. Steigen die Zinsen wieder an, glauben die Investoren, dass dies signifikant Einfluss auf die Zinskosten und Ausfallraten nehmen wird.

Staatsverschuldung größter Rezessions-Risiko-Faktor

Doch welche Gründe haben die negativen Erwartungen der Investoren? Folgt man der Analyse, dann sehen die Anleger im aktuellen Markt bereits jetzt Auslöser für eine mögliche Rezession und sind deshalb pessimistisch. Die größten Bauchschmerzen bereiten den Investoren dabei die Staatsverschuldung. Eine Krise in den Emerging Marktes halten die Anleger für das zweitgrößte Abschwung-Risiko, danach folgt eine mögliche Schuldenblase in China.

Aber die Investoren sehen einem Abschwung nicht tatenlos zu. Um ihre Renditepotenziale aktiver auszuschöpfen, wollen sie sich alternativen Investmentstrategien oder Schwellenländeranleihen öffnen. Auch China-Investments stehen trotz ihrer Risiken hoch im Kurs: Knapp ein Drittel der Anleiheinvestoren will in den kommenden drei Jahren sein chinesisches Produktportfolio ausbauen. Überraschenderweise – mit Blick auf die Handelsstreitigkeiten – sind davon fast 60 Prozent nordamerikanische Investoren.

Chinesischer Markt öffnet sich ausländischen Investoren

Trotz der anlageklassenspezifischen Risiken, möglicher staatlicher Interventionen und potenziell restriktiverer Kapitalverkehrskontrollen ist der chinesische Markt laut Invesco nicht gerade unattraktiv: Besonders die relative Bewertung sowie die mögliche Gesamtrendite sprechen für chinesische Anleihen.

Zudem werden die Schranken vor dem chinesischen Markt kontinuierlich geöffnet. Das dürfte gut die Hälfte der Befragten freuen: Denn genau so viele Investoren planen ein langfristiges und strategisches Engagement am drittgrößten Anleihemarkt der Welt.

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