21.02.2019 | Von Dr. Eckhard Bergmann

Absatzgewinn durch „langweiliges“ Fondssparen

Union Investment berichtet auf seiner Jahrespressekonferenz 2018 von einem schwierigen Börsenjahr, das insbesondere von der unerwarteten Börsenschwäche im letzten Quartal geprägt war. Zugleich ist das Absatzergebnis der Fonds aber erstaunlich stabil geblieben. Da zahlt sich die Zugehörigkeit zum gemeinhin als „langweilig“ geltenden Genossenschaftssektor mit seinen 915 Banken aus, ebenso wie die frühzeitige Suche nach nachhaltigen Lösungen, bei denen sich die Fondsgesellschaft als Marktführer sieht.

Das schwierige Kapitalmarktumfeld hat sich auch in der Wertentwicklung vieler Fonds von Union Investment niedergeschlagen. Über alle Asset-Klassen hinweg lag die Ein-Jahres-Performance bei minus 5,4 Prozent, berichtet der Vorstandsvorsitzende Hans Joachim Reinke. Durch die vorteilhafte Kursentwicklung zu Anfang 2019 ist dieses Minus aber bereits wieder zur Hälfte aufgeholt. „Einmal mehr“, so Reinke, haben sich dabei im vergangenen Jahr die Offenen Immobilienfonds als verlässlicher Renditeanker erwiesen – mit einem Wertzuwachs zwischen 2,1 und 2,8 Prozent.“

Das Neugeschäft blieb indessen respektabel: Insgesamt konnte 2018 ein Nettoabsatz von über 15 Mrd. Euro erzielt werden, der sich relativ gleichgewichtig auf Publikumsfonds und Spezialfonds verteilt. Reinke charakterisiert 2018 daher als „eines der absatzstärkeren Jahre in der Unternehmensgeschichte von Union Investment“. Was mehr ist: Mit diesem Absatzergebnis konnte die Fondsgesellschaft zwei Drittel des Nettoabsatzes aller BVI-Gesellschaften auf sich vereinen – allerdings bezogen nur auf aktiv gemanagte Fonds, also ohne passive Konzepte.

Diesen phänomenalen Marktanteil im Neugeschäft führt Reinke auf verschiedene Umstände zurück: Zum einen das ratierliche Fondssparen, das bei Union Investment stärker ausgeprägt ist als bei allen anderen Fondsgesellschaften (abgesehen vielleicht noch von der Deka). Ein zweiter Grund ist die Stärke im Immobilienfondsgeschäft, und ein dritter die „Ausgewogenheit der Geldanlage im Fondsportfolio“, wie sich Reinke ausdrückt. Gemeint sind insbesondere Fonds mit Multi-Asset-Lösungen. Hinzu kommen Akquisitionsgewinne im institutionellen Geschäft.

So konnten im vergangenen Jahr 64 neue institutionelle Kunden gewonnen werden. Grundsätzlich stand bei den institutionellen Anlegern das Ziel einer breiteren Diversifikation weiterhin im Vordergrund. Mit Blick auf die steigende Volatilität bauten die Investoren einerseits ihre Risikopositionen ab – insbesondere bei jährlicher Bilanzierungserfordernis -, andererseits suchten Investoren aber auch selektive Renditechancen. Fondsabflüsse ergaben sich im kurzlaufenden Rentenbereich sowie bei Unternehmensanleihen. Zuflüsse richteten sich auf speziell ausgerichtete Aktienfonds, Mischfonds und Offene Immobilienfonds.

Erfolgsfaktoren: Immobilienfonds …

Im Publikumsfondsgeschäft waren vor allem die sog. PrivatFonds gefragt, die den Anlegern Multi-Asset-Lösungen bieten. Daneben erfreuten sich die vier Offenen Immobilienfonds starker Nachfrage – stärker, als das begrenzte Angebot an Qualitätsimmobilien hergab. Ein neuer Schwerpunkt der Zuflüsse war daher ein neuer Wohnimmobilienfonds, der zusammen mit ZBI aufgelegt wurde. Der Vorteil: „Der Fonds konnte fast auf gleicher Höhe auf der Investitionsseite An- und Verkäufe generieren“, so Reinke. Ein weiteres Plus: Zusätzlich zu gewerblichen Immobilien wird den Anlegern damit der interessante Wohnimmobilienmarkt erschlossen. Dies wurde durch die Beteiligung an ZBI möglich gemacht.

Insgesamt hat Union Investment 2018 beim Immobilien-Fondsvermögen die 40 Mrd. Euro-Marke übersprungen und gehört damit zu den größten und kompetentesten Immobilienfondsanbietern.

… und Fondssparen

Die klassischen Fondssparpläne sind darüber hinaus eine Stärke der Fondsgesellschaft. Die Zahl der Fondssparpläne (ohne Riester- oder VL-Sparen) hat sich innerhalb von 3 Jahren verdoppelt und im Jahr 2018 die 2,3 Millionen erreicht. Die durchschnittliche Sparrate der Kunden liegt bei 162 Euro monatlich. „Grob gerechnet“, so Reinke, „lässt sich inzwischen mehr als die Hälfte unseres Neugeschäfts dem regemäßigen Sparen zuordnen.“ Inklusive vermögenswirksamer Leistungen und Altersvorsorge beläuft sich die Zahl der Sparverträge sogar auf 4,8 Mio.

Fazit von Reinke: „Der Fondssparplan ist heute dort angekommen, wofür er vor fünfzig Jahren konzipiert wurde.“ Perspektivisch bedeutet das in Zeiten von Niedrigzinsen auch: Der Fondssparplan beginnt das Sparbuch zu ersetzen. Nach einer Forsa-Umfrage würden 47 Prozent der Sparer 2019 Investmentfonds als Anlagemöglichkeit präferieren – deutlich vor dem Sparkonto mit 35 Prozent. Insofern will man bei Union Investment das ausgewogene (Fonds-)Sparen weiter voranbringen.

Marktführer bei nachhaltigen Anlagen

Als weiteren Erfolgsfaktor wertet man bei Union Investment das Thema Nachhaltigkeit. Diesem Thema widmet die Fondsgesellschaft bereits seit Jahren großes Engagement. „Nachhaltigkeit ist dabei, neben Rendite, Sicherheit und Liquidität zur vierten Dimension der Geldanlage zu werden“, betont Vorstandsmitglied Alexander Schindler. Bislang wird das Interesse hauptsächlich von Institutionellen getragen. „Bereits ein Viertel aller von uns beobachteten Mandatsausschreibungen hatte 2018 einen Bezug zur Nachhaltigkeit“, so Schindler.

Da gibt es noch Potential. Mit ihrem Aktionsplan treibt nun auch die EU-Kommission das Thema voran. So sollen künftig Nachhaltigkeitsrisiken von institutionellen Anlegern offengelegt werden. Das würde die Integration der ESG-Kriterien bei den Investoren zur Treuhänderpflicht machen. Davon könnte Union Investment profitieren. Denn, so Schindler, „wir sehen uns hier als Marktführer in Deutschland und aufgrund unserer fast dreißigjährigen Erfahrung mit nachhaltigen Investments sehr gut aufgestellt.“ Daher will man im laufenden Jahr das ESG-Analystenteam um weitere fünf Personen aufstocken und das hauseigene Researchtool SIRIS weiter entwickeln. Ziel ist eine umfassende ESG-Integration über alle wesentlichen Anlageklassen hinweg. In fünf Jahren soll das im Wesentlichen geschafft sein.

Artikel teilen