Investoren und Asset Manager sollten sich mehr mit globalen Risiken wie dem Klimawandel auseinandersetzen.

Das Drama um die Umschuldung Griechenlands hat es gezeigt: Schon ein recht überschaubares Problem – gemessen an der Gesamtverschuldung Europas – kann das Funktionieren des Finanzsystems in Frage stellen. Doch was wird erst passieren, wenn sich eines der großen Risiken unserer Zeit manifestieren sollte? Zum Beispiel der Klimawandel? Dessen mögliche Auswirkungen sind – ähnlich wie die Probleme Griechenlands – dem interessierten Teil der Öffentlichkeit durchaus bekannt. Sie fließen aber dennoch bisher kaum ins Kalkül der Anlageverantwortlichen und ihrer Asset Manager ein.

Das könnte ein Fehler sein. Die Auswirkungen der De-facto-Pleite Griechenlands ließen sich noch mit vereinten Kräften eindämmen. Einer Beschleunigung des Klimawandels hätte die Staatengemeinschaft jedoch nichts Substanzielles entgegenzusetzen. Und haben die klimatischen Veränderungen erst einmal die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln in manchen Regionen der Erde zusammenbrechen lassen, dürfte eine starke Wanderungsbewegung in die besser versorgten Gebiete einsetzen.

Die zu erwartenden Gegenmaßnahmen würden die Reisefreiheit – und damit eine der Voraussetzungen für die internationale Arbeitsteilung – empfindlich einschränken. Spät einsetzende Maßnahmen gegen den Klimawandel – zum Beispiel eine drastische Einschränkung der Nutzung fossiler Brennstoffe – könnten zudem die Energiepreise massiv steigen lassen. Das wiederum wird die Margen energieintensiver Unternehmen schrumpfen lassen. Darunter werden die Aktienkurse dieser Firmen ebenso leiden wie die Ratings ihrer Anleihen. Rasche Verschärfungen der Energie-normen im Gebäudebestand könnten erhebliche Investitionen erfordern. Das träfe die Rendite von Immobilien-Investments empfindlich.

Gerade Langfristanleger wie Altersvorsorgeeinrichtungen sollten sich deshalb mit den latenten Risiken eines Klimawandels auseinandersetzen. Schließlich können sie nicht nur ein Teil des Problems sein, sondern auch ein Teil der Lösung: durch Investitionen in erneuerbare Energien und die Energieinfrastruktur oder durch Venture Capital und Private Equity für Innovationen bei der Steigerung der Energieeffizienz. Sind solche direkten Engagements nicht möglich, lassen sich immer noch Nachhaltigkeitskriterien in die Aktien- und Anleihemandate implementieren, die zum Beispiel die Energieeffizienz von Unternehmen und die Energiepolitik von Staaten berücksichtigen.

Das alles macht Arbeit – und gerade die Anlageverantwortlichen kleiner und mittlerer Altersvorsorgeeinrichtungen sind oftmals bereits durch ihre begrenzten personellen Ressourcen stark gefordert. Außerdem ist ihnen klar, dass ihre Bemühungen – für sich allein genommen – nicht ausreichen werden, um eine Wende herbeizuführen. Auch das Wissen um Trittbrettfahrer, die es immer gibt – siehe die Griechenland-Umschuldung –, ist nicht gerade motivationsfördernd. Doch die Auseinandersetzung mit Großrisiken, die erhebliche Auswirkungen auf die Altersversorgung der Versicherten in 20 oder 30 Jahren haben könnten, gehört zu den originären Aufgaben der Verantwortlichen einer solchen Einrichtung.

Deshalb ist der Klimawandel auch ein wichtiges Thema für die Asset Manager. Bisher sahen sie die ökologische Nachhaltigkeit von Investments oft nur als Chance zum Verkauf zusätzlicher Dienstleistungen. Doch das greift zu kurz. Mittelfristig werden sich Nachhaltigkeitsaspekte zu einem integralen Bestandteil des Asset Managements entwickeln. Und das ist auch gut so: Schließlich sollte der Klimawandel das Finanzsystem nicht so sehr auf dem falschen Fuß erwischen, wie es die Griechenland-Krise zuletzt tat.

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