Große Zahlen und Wachstum müssen nicht immer negativ sein. Wie die Analyse der Vermögensverhältnisse von Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen von Kommalpha in Deutschland zeigt. Mit einem Finanzvermögen von knapp 3,3 Billionen Euro sind diese beiden Investorensegmente die mit Abstand wichtigsten Player im institutionellen Asset-Management in Deutschland.

Die aktuelle Studie von Kommalpha legt den Fokus auf konstruktive Sachthemen wie die Vermögensanalyse von Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen. Ein besonderes Augenmerk legt Kommalpha dabei auf Investmentfonds und Spezialfonds. Diese haben laut der Studie in dem Zeitraum enorm an Bedeutung im Rahmen der Kapitalanlage der Betrachtungsgruppen gewonnen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

■ Die vorliegende Marktanalyse basiert auf Datensätzen der Deutschen Bundesbank. Kommalpha hat die relevanten Daten bezogen und gemäß der inneren Logik zur weiteren Analyse datenbanktechnisch aufbereitet. Dabei handelt es sich um rund 500.000 Datensätze der letzten 16 Jahre mit Datenstichtag 31. Dezember 2021.

■ Versicherungen und Pensionseinrichtungen sind die mit Abstand größten und wichtigsten Marktteilnehmer im deutschen institutionellen Finanzmarkt. Die Summe der Finanzaktiva beträgt per Ende 2021 sagenhafte 3.293,4 Milliarden Euro und hat sich in den letzten 16 Jahren um über 1.659 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Pensionseinrichtungen sind dabei das Investorensegment mit den in Relation größten Wachstumsraten der Finanzaktiva.

■ Investmentfondsanteile sind mit 1.364 Milliarden Euro und einem Anteil von über 41 % die deutlich dominierende Anlageform der Finanzanlagen der Betrachtungsgruppe. Die Entwicklung der Fondsquote ist dabei eindrucksvoll. Sie stieg von 22 % per Ende 2005 um 1.008 Milliarden Euro. Schuldverschreibungen machen 529 Milliarden Euro und einen Anteil von rund 16 % der Finanzaktiva der betrachteten Branchen aus. Anteilsrechte folgen mit 481 Milliarden Euro und Kredite mit 404 Milliarden Euro. Bargeld und Einlagen schließen sich mit immerhin noch 349 Milliarden Euro und einem Anteil von knapp 11 % an. Die übrigen Finanzaktiva machen einen Betrag von 163 Milliarden Euro und einen Anteil von 5 % aus.

■ Lebensversicherungen sind die größte Anlegergruppe in Investmentfonds mit einem Volumen von 656 Milliarden Euro und einem Anteil von 48 % des Gesamtbestands an Investmentfonds. Pensionseinrichtungen folgen auf Platz zwei mit 464 Milliarden Euro und einem Anteil von 34 %. Nicht-Lebensversicherungen schließen sich mit 227 Milliarden Euro an. Für Rückversicherungen spielen Versicherungen & Pensionseinrichtungen 2022 eine nachgelagerte Rolle.

■ Die Bedeutung von Investmentfonds an den jeweiligen Finanzaktiva ist sehr unterschiedlich. Die Fondsquote ist bei Pensionseinrichtungen mit über 67 % mit Abstand am höchsten, gefolgt von Lebensversicherungen mit knapp 48 % und Nicht-Lebensversicherungen mit 32 %. Für Rückversicherungen haben Investmentfonds im Rahmen der Allokation der Finanzaktiva mit rund 3 % so gut wie keine Bedeutung.

■ Über 60 % des Wachstums der Finanzaktiva wurden im Betrachtungszeitraum in Investmentfonds allokiert. Das zeigt den Trend zur Verlagerung von der direkten zur indirekten Kapitalanlage eindrucksvoll auf.

■ Bezüglich der langfristigen Entwicklung der Fondsquote an den jeweiligen Finanzaktiva wird sehr deutlich, dass Pensionseinrichtungen im Betrachtungszeitraum mit einigem Abstand immer die höchste Fondsquote aufwiesen und dass insbesondere ab 2016 eine besondere Dynamik diesbezüglich einsetzte. Pensionseinrichtungen sind in Relation zu den übrigen Sparten die am stärksten wachsende Anlegergruppe im Fondsgeschäft.
Rund 85 % des Wachstums der Finanzaktiva von Pensionseinrichtungen ist vom Investmentfondsgeschäft geprägt.

■ Bezüglich der Domizilierung der Fondsemittenten liegen Daten nur für Versicherungen vor. Es wird deutlich, dass in Deutschland domizilierte Investmentfonds mit einem Bestand von 731 Milliarden Euro und einem Anteil von 81 % absolut dominierend sind. Das Fondsgeschäft mit Versicherungen ist fest in deutscher Hand, dabei spielen Anlagen in deutsche Spezialfonds die Hauptrolle.

■ Der deutsche Spezialfonds wurde in den letzten Dekaden einige Male totgesagt, aber das Wachstum ist ungebrochen und er bleibt das favorisierte Anlagevehikel für deutsche institutionelle Investoren. Das Spezialfondsvolumen hat sich in den vergangenen 16 Jahren fast vervierfacht.

■ Versicherungen sind im Spezialfondsmarkt die größte Anteilseignergruppe mit 657,6 Milliarden Euro und einem Marktanteil von rund 30 %. Altersvorsorgeeinrichtungen rangieren auf dem zweiten Platz mit 586,1 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 27 %. Insofern stellen die beiden in diesem Dokument analysierten Investorengruppen mit einem Spezialfondsvolumen in Höhe von knapp 1.244 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 57 % die Ankerpunkte und Treiber des deutschen Spezialfondsgeschäfts dar.

■ Bei Versicherungen scheinen die goldenen Zeiten von sehr hohen Nettomittelaufkommen vorbei zu sein, wenn man sich den Trend seit 2018 ansieht. Im Rekordjahr 2015 sammelten Spezialfonds von Versicherungen noch 52,3 Milliarden Euro netto ein, im Jahr 2021 dagegen magere 13 Milliarden Euro. Die Mittelzuflüsse von frischer Liquidität befinden sich allerdings auf nach wie vor sehr hohem Niveau. Das bedeutet, dass insbesondere in den Jahren seit 2018 auf Jahressicht sehr viel Liquidität seitens Versicherungen aus deutschen Spezialfonds entzogen wurde. Diese findet sich in Allokationen außerhalb des Spezialfonds wieder oder wird für betriebliche und bilanzielle Zwecke eingesetzt.

■ Das Nettomittelaufkommen von Altersvorsorgeeinrichtungen in Spezialfonds befindet sich dagegen seit Jahren auf hohem Niveau mit jüngst wieder steigender Tendenz. Das Jahr 2021 stellt das Rekordjahr hinsichtlich der Cashflows dar, sowohl für das Nettomittelaufkommen mit 38,8 Milliarden Euro als auch für die Mittelzuflüsse von frischer Liquidität in Höhe von 76,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zu Versicherungen landet bei Altersvorsorgeeinrichtungen von der dotierten frischen Liquidität deutlich mehr netto in Spezialfonds.
Die Anteilscheindynamik ist im Vergleich geringer und Altersvorsorgeeinrichtungen entziehen dem Spezialfondsmarkt deutlich weniger Liquidität als Versicherungen.

■ Die Sprengkraft der Portfolien verbindlichkeitsorientierter Investoren im Hinblick auf Zinssteigerungen, eingegangene höhere Risiken aufgrund des Renditedilemmas, regulatorischen Druck auch in Richtung ESG-Investments sowie die perspektivische Implosion von Bilanzstrukturen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird von Experten und im Rahmen einer Umfrage teilweise kontrovers eingeschätzt. Unter dem Strich herrscht aber Zuversicht.

Aktuelle Beiträge

dpn Newsletter – Kompetent & unabhängig – Jede Woche neu
Jetzt anmelden »
dpn Newsletter
Jetzt anmelden »
Kompetent – unabhängig – jede Woche neu