Peter Bänziger, Leiter Asset Management bei Swisscanto, sprach mit dpn online über die derzeitigen Herausforderungen bei der institutionellen Kapitalanlage, Anlagestrategien der Zukunft, sowie darüber, wie eine Anlagestrategien grundsätzlich beschaffen sein müssen, um erfolgreich zu sein.

Herr Bänziger, wo sehen Sie derzeit die größte Herausforderung für die institutionelle Kapitalanlage?

Die größte Herausforderung für institutionelle Investoren liegt derzeit darin, die richtige Strategie auf der Anleihen-Seite zu finden, da der Zeitpunkt der tiefsten Zinsen meines Erachtens bereits hinter uns liegt.

Wie sollten sich Institutionelle hier positionieren?

Institutionelle Investoren sollten lang laufende Staatsanleihen sowie das ganz kurze Ende, sprich den Geldmarkt, untergewichten und ein Übergewicht bei Unternehmensanleihen herstellen. Zudem kann es durchaus Sinn machen, kurzlaufende High Yield-Anleihen beizumischen. Auf der Aktienseite wiederum sollte ein leichtes Übergewicht bestehen. Dieses Übergewicht decken wir mit europäischen Aktien ab, da wir diese immer noch für deutlich unterbewertet halten.

Wie beurteilen Sie Emerging-Markets-Anleihen?

Von Emerging-Markets-Anleihen würde ich im Moment abraten. Wir erleben derzeit einige Turbulenzen an den Märkten und ich sehe diese Korrekturen noch weiter gehen. Also wäre ich hier vorsichtig.

Alternative Anlagen?

Immobilien sind für mich immer noch interessant. Ich habe beispielsweise nicht verstanden, warum sich die deutschen Anleger panikartig aus den Immobilienfonds verabschiedet haben, obwohl deren Renditen im Vergleich zu den Anleihenrenditen sehr attraktiv waren und immer noch sind. Zudem war der Immobilienmarkt nicht überbewertet. Immobilien bieten als Realwerte eine attraktive Rendite und einen gewissen Schutz gegen Inflation – sie sollten ein fester Bestandteil in einem gut diversifizierten Portfolio sein.

Wie beurteilen Sie Hedgefonds?

Bei Hedgefonds sehen wir eine deutliche Verbesserung der Performance seit Beginn 2012. Hier würde ich den Anteil erhöhen. Die Hedgefonds Manager finden im akutellen Marktumfeld bessere Ertragschancen, weil die Korrelationen zwischen den verschiedenen Anlageklassen, aber auch die Korrelationen innerhalb der Aktien zurückgehen.

Sie stehen Hedgefonds somit grundsätzlich positiv gegenüber?

Hedgefonds sind immer noch eine teure Anlagekategorie. Und ja, sie haben enttäuscht in der Finanzkrise, und ja, Hedgefonds haben auch im Aufschwung wieder enttäuscht. Aber sie sind wieder auf Kurs und haben deutliche Fortschritte bezüglich Transparenz und Risikomanagement gemacht. Am Schluss benötigen institutionelle Investoren einfach positive Renditen und Hedgefonds liefern diese positiven Renditen.

Und Private Equity?

Das ist für mich eine schwierige Anlageklasse. Vertretbar ist sicher eine gewisse Quote innerhalb des Aktienanteils. Persönlich bin ich jedoch kein Fan von Private Equity, insbesondere wegen der Illiquidität – und weil man bei Private Equity erst nach sehr langer Haltedauer weiß, wie erfolgreich das Investment letztendlich war. Ich würde deswegen die Risiken primär auf der Aktienseite eingehen.

Wie sehen Sie die institutionellen Investoren derzeit bezüglich ihrer Asset Allocation aufgestellt?

Ich halte die institutionellen Investoren momentan für grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Gleichwohl agierten sie in der jüngsten Vergangenheit tendenziell zu vorsichtig. Das haben wir auch in unserer Swisscanto-Studie gesehen.

Sie sprechen Ihre Swisscanto-Pensionskassenumfrage an. Zu welchen weiteren Ergebnissen kamen Sie?

Eines der Hauptergebnisse war, dass sich die Situation der Schweizer Pensionskassen aufgrund der guten Performance an den Märkten deutlich verbessert hat. Die Pensionskassen sind wieder erstarkt, haben zwar noch nicht viel Fett angesetzt, aber immerhin Muskeln. Zudem wurden die technischen Parameter der Pensionskassen an die aktuelle Marktsituation angepasst, damit die Renten auch zukünftig gesichert sind. Summa summarum hat man erkannt, dass man einige größere Krisen gemeistert hat und auch meistern kann. Das ist die zweite wichtige Erkenntnis.

Können die deutschen institutionellen Anleger etwas von den Schweizern lernen?

Das denke ich nicht, denn bezüglich der Asset-Klassen sind Schweizer Institutionelle sehr ähnlich aufgestellt ihre deutschen Pendants. Allerdings halte ich den deutschen Markt grundsätzlich für weniger transparent als den Schweizer Markt. Vielleicht würde hier eine deutsche Swisscanto-Umfrage Licht ins Dunkel bringen.

Kommt es Ihnen nicht so vor, dass die deutschen institutionellen Investoren noch konservativer anlegen als die Schweizer?

Das ist teilweise sicher so. Allerdings sind auch die Nominalzinsen im Euro etwas höher. Auch mit der Folge, dass die Schweizer fast gezwungen waren oder sind, etwas mehr Risiken zu nehmen. Risiken, die sie eigentlich von der Deckungsgrad-Seite her gar nicht nehmen sollten.

Wie wird das institutionelle Asset Management in fünf Jahren aussehen?

Im Moment ist es geprägt von einer Passivierungswelle – oder gar von einem Passivierungstsunami. Jeder investiert möglichst billig in Indexprodukte. Davon wird man meines Erachtens teilweise wieder wegkommen. Auch deswegen, da reine Kapitalisierungsgewichtungen bei Anleihen-Indizes keinen Sinn machen, und es auch bei den Aktien bessere Methoden gibt. Mit der Folge, dass es hier sicher zu Verschiebungen Richtung Smart Indexing kommen wird. Hier werden sich die erfolgreichen Methoden durchsetzen. Insbesondere wenn die Track Records genügend lang sind. Ansonsten glaube ich: das System ist überaus stabil.

Welche Asset Manager werden zukünftig weiter erfolgreich sein?

Meiner Ansicht nach werden zum einen die ganz großen Player auf der passiven Seite weiter dominieren. Das ist ganz klar. Daneben werden zum anderen die Boutiquen und aktiven Manager mit besonderen Fähigkeiten massiv an Assets und Bedeutung gewinnen. Alles nach dem Motto: The winner takes it all. Ein Motto, welches uns sicher weiter begleiten wird.

Was steht bei Swisscanto derzeit ganz oben auf der Agenda?

Wir planen die Fähigkeiten bei den Unternehmensanleihen weiter auszubauen und auch Emerging-Markets-Anleihenprodukte zu lancieren. Ein Augenmerk werden wir auf den Ausbau unserer Produkte mit dynamischen Anlagestrategien richten. Daneben werden wir weitere Anlageklassen in unsere gemischten Produkte einbauen, um so mehr Freiheitsgrade zu erlangen und dadurch unseren Anlegern einen klaren Mehrwert zu bieten.

Swisscanto ist hierzulande auch bekannt für nachhaltige Anlagen. Welche Rolle spielen diese zurzeit?

Diese sind im Zuge der Finanzkrise leider etwas aus der Mode gekommen und standen bei den Investoren nicht zuallererst auf der Agenda.

Aber müssten diese nicht gerade als Lehre aus der Finanzkrise ganz oben auf der Agenda stehen?

Nachhaltige Anlagen sind während der Finanzkrise bei einzelnen „Unfällen“ wie Fukushima zwar immer wieder einmal „aufgepoppt“, sie wurden danach auch wiederum schnell vergessen. Das ist sehr schade. Aber wir sehen jetzt schon vermehrt, dass man seitens der Investoren strengere Maßstäbe an die Nachhaltigkeit ansetzt. Und zwar nicht nur auf der Aktienseite, sondern auch auf der Anleihen-Seite.

Einer Studie von Natixis Global Asset Management zufolge halten derzeit 72 Prozent der institutionellen Investoren hierzulande die traditionellen Modelle der Portfoliokonstruktion nicht für den besten Weg, um Risiko und Ertrag in Einklang zu bringen. 69 Prozent von ihnen sagen außerdem, dass neue Modelle entwickelt werden müssen, um eine bessere Performance und höhere Renditen zu erzielen. Welchen Rat können Sie diesbezüglich geben?

Es gibt sicherlich Ansätze, die Erfolg versprechen. Wir konzentrieren uns auf den so genannten Target Risk Ansatz. Bei einem vordefinierten Portfolio-Risiko ergibt sich eine sehr dynamische Anlagestrategie.

Von welchen Ansätzen sprechen Sie? Von Ansätzen wie etwa Risk Parity oder dem Minimum-Varianz-Ansatz?

Ansätze, die ein alternatives Beta versprechen, sind sicher eine Möglichkeit. Gleichwohl waren Minimum-Varianz-Portfolios im Mai eine Katastrophe. Investoren müssen relativ zu den kapitalisierungsgewichteten Marktindizes teilweise hohe und recht lang dauernde Rückschläge aushalten. Es gibt bessere Methoden.

Welche Methoden meinen Sie?

Beispielsweise ist Rob Arnott’s Fundamental Indexing ein guter, einfacher und sehr robuster Ansatz. Wenn man diesen mit einem Risikoansatz kombiniert, kommen sehr vernünftige Strategien heraus. Meiner Ansicht nach ist die Kombination von fundamentalen Faktoren und Risikofaktoren der viel versprechendste Ansatz.

Über welche mögliche Outperformance sprechen wir?

Meines Erachtens kann man mit derartigen Ansätzen Renditen erzielen, die langfristig etwa zwei Prozent per annum über den Renditen liegen, die mit traditionellen Indexmethoden möglich sind.

Wie muss eine Strategie beschaffen sein, um erfolgreich zu sein?

Die Frage lautet natürlich auch, was die institutionellen Kunden von einer erfolgreichen Strategie erwarten? Meines Erachtens erwarten sie, dass man der Strategie bei gut laufenden Märkten dabei ist, die Strategie aber auch in der Lage ist, maximale Rückschlagrisiken zu limitieren oder zu vermeiden. Erfolgreiche Strategien sollten somit auch abfedernd gegen unten sein. Warum? Wenn eine Strategie in der Lage ist, maximale Rückschläge zu vermeiden, kann diese auch in schwierigen Marktlagen aufrechterhalten werden. Suboptimal ist es, wenn man einen scharfen Rückschlag hat und man deswegen gezwungen ist, die Strategie aufzugeben. Keine Handlungsalternative zu haben beziehungsweise am schlechtesten Punkt aussteigen zu müssen und die Erholung nicht mehr mitmachen zu können sind die schlechtesten aller Optionen.

Welche Rolle spielt bei einer erfolgreichen Strategie die Berücksichtigung von Extremrisiken?

Es ist teuer, sich permanent gegen die Extremrisiken abzusichern. Aber eine Absicherung kann viel Sinn machen. Ein Beispiel: Wie? Nehmen Sie den Fall stark steigender Aktienmärkte – dies geht meist einher mit niedriger Volatilität. Man kann in diesem Fall ein starkes Übergewicht an Aktien recht einfach über eine Long-Put-Option absichern, in dem man einen out-of-the-money-Put kauft. Dieser ist bei sehr niedrigen Volatilitäten recht günstig. Meines Erachtens ist dies der beste Schutz vor Tail-Risiken auf der Aktienseite. Genauso wie auf der Kreditseite ausreichend Derivate vorhanden sind, mithilfe denen man auch hier recht schnell Absicherungsstrategien fahren kann.

Und welchen Stellenwert hat das Risikomanagement mittlerweile bei institutionellen Investoren?

Das ist mittlerweile ein Kernelement jeder Anlagestrategie geworden. Einfach auch deswegen, da institutionelle Investoren nicht mehr nur Risiken wie zum Beispiel Kredit-, Volatilitäts- oder Ausfallrisiken berücksichtigen, sondern auch andere Risiken wie etwa Kontrahenten-, Liquiditäts- oder andere Arten von Risiken. Das Risikomanagement ist in der Vergangenheit sehr stark ausgebaut worden.

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